Lohnvergleich Schweiz-Deutschland: 50% mehr Gehalt lockt Auswanderer!

Rainer Hellstern22. Dezember 2014 in Schweiz

Lohnvergleich Schweiz Deutschland

Wie viel verdient man eigentlich in der Schweiz? Das ist die Frage, die natürlich jeden vor der Bewerbung in der Schweiz beschäftigt. Wer den Gehaltsvergleich mit Deutschland machen möchte, findet im Folgenden Antworten, wie viel man in einem vergleichbaren oder im selben Beruf in der Schweiz verdienen würde:

Durchschnittsgehalt Schweiz vs. Deutschland

In der Schweiz bekommen Arbeitnehmer durchschnittlich 6.118 CHF monatlich (~5.900 Euro monatlich – Stand April 2015). Nirgendwo auf der Welt werden im Durchschnitt höhere Gehälter gezahlt! Im direkten Vergleich schließt Deutschland sehr viel schlechter ab, die Durchschnittslöhne liegen bei nur knapp 3.500 Euro monatlich. Angehende Auswanderer sollten allerdings berücksichtigen, dass der Euro-Frankenkurs aufgrund der Eurokrise momentan sehr stark am schwanken ist. Der Schweizer Durchschnittslohn von 6.118 CHF war zu Beginn des Jahres 2015 umgerechnet deutlich weniger wert, nämlich nur ca. 5.100 Euro!

Lohn-Umrechnungsformel

Wer sich für eine vergleichbare Stelle in der Schweiz bewirbt, kann folgende grobe Umrechnungsformel nutzen. Wer in Deutschland bis ca. 70.000 Euro verdient, kann den Euro Betrag einfach verdoppeln und das Euro-Symbol durch CHF zu ersetzen. Bei einem Bruttogehalt von 50.000 Euro im Jahr in Deutschland sollte man für eine vergleichbare Stelle in der Schweiz also knapp 100.000 Franken erreichen (Faktor 2:1). Bei Gehältern über 70.000 € Euro sollte man eine Umrechnungsformel von 1,8:1 ansetzen. Diese grobe Rechnung kann natürlich je nach Branche, Region, Funktion und Ausbildungsniveau deutlich vom tatsächlichen Gehaltsniveau abweichen. Daher sind Gehaltsstatistiken, sofern vorhanden, unbedingt vorzuziehen.

Gehälter sind Branchenabhängig

Genau wie in Deutschland hängen die Gehälter in der Schweiz sehr stark von der Branche und vom Ausbildungsniveau (Studium, Ausbildung, ungelernt) ab. Deutlich besser als der Durchschnitt verdient man beispielsweise bei den Schweizer Banken, in der Pharmaindustrie (z.B. Roche, Novartis) oder generell in den Bereichen Forschung und Entwicklung. Auch die Unternehmensgröße spielt eine wichtige Rolle beim Gehalt. Große Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern (z.B. Nestlé) bezahlen tendenziell höhere Gehälter als kleinere Unternehmen für eine vergleichbare Tätigkeit.

BrancheDurchschnittslohn pro Monat Schweiz (brutto)1Durchschnittslohn pro Monat Deutschland (brutto)2
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen9.270 Franken4.689 Euro
Information und Kommunikation8.919 Franken4.662 Euro
Durchschnitt6.118 Franken3.518 Euro
Baugewerbe6.024 Franken2.939 Euro
Gastgewerbe (Hotel, Gastronomie, Tourismus)4.236 Franken2.109 Euro
Detaillierte Einkommensstatistiken für zahlreiche BerufsgruppenFührungskräfte (Kadergehälter), Akademiker, Ärzte (29 Fachgebiete), Berufe im Gesundheitswesen, Ingenieure, Bürokräfte, Handwerker, Verkäufer…

Regionale Lohnunterschiede

Daneben kann auch der Unternehmenssitz eine wichtige Rolle beim Gehalt spielen. Die landesweit höchsten Löhne werden in der Metropolregion Zürich gezahlt. Das liegt vor allem daran, dass Zürich Sitz der Schweizer Finanz- und Versicherungsbranche ist. Aber auch in Basel und Genf sind die Gehälter überdurchschnittlich hoch. In den genannten Städten sind allerdings auch die Lebenshaltungskosten landesweit am höchsten. Am wenigsten wird im Tessin verdient, der südlichste Schweizer Kanton ist für sein mildes und sonnenreiches Klima bekannt und bietet vor allem Chancen in der Tourismusindustrie. Doch in diesem Bereich werden vergleichsweise niedrige Löhne gezahlt.


RegionDurchschnittslohn pro Monat1
Kanton Zürich6.451 Franken
Basel-Stadt, Basel-Land und Aargau6.440 Franken
Genf, Region Genfer See6.190 Franken
Durchschnitt6.118 Franken
Tessin4.996 Franken

Lohntabelle für Berufseinsteiger (Hochschulabsolventen)

Für Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss werden in beiden Ländern regelmäßig Statistiken und Umfragen zum Einstiegsgehalt erhoben. Berufseinsteiger mit 0-2 Jahren Berufserfahrung können mit den folgenden Einstiegsgehältern in der Schweiz rechnen, welche deutlich über denen von Deutschland liegen:

FachgebietSchweizDeutschland5
Architektur360.000 Franken32.000 Euro
Banken / Finanzbereich485.000 Franken43.000 Euro
Ingenieure (Bauingenieur, Elektroingenieure, Maschinenbau)378.000 Franken – 81.000 Franken40.000 Euro
Chemie / Pharmabranche490.000 Franken47.000 Euro
Detaillierter Gehaltsvergleich für Hochschulabsolventen22 Fachbereiche unterteilt nach Hochschultyp (Universität, Fachhochschule), Fachbereich und Abschluss (Bachelor, Master, Promotion).

Schweizer-Lohnrechner (2010!)

Um das genaue Lohnniveau für eine bestimmte Tätigkeit oder eine Region zu erfragen, empfiehlt sich beispielsweise auch die Nutzung des Lohnrechners (Salarium) des statistischen Bundesamtes, welcher rund 1.4 Mio. Lohnangaben von Angestellten aus der Privatwirtschaft enthält. Der Lohnrechner ist allerdings nicht mehr ganz aktuell, die Daten wurden bereits 2010 erhoben! http://www.lohnrechner.bfs.admin.ch/Pages/SalariumWizard.aspx?lang=de

Durchschnittliche Stundenlöhne in Zürich, Genf und Co.

Die Schweizer Großbank UBS veröffentlich regelmäßig Gehaltsstatistiken für die größten Wirtschaftsmetropolen der Welt. Enthalten sind aus der Schweiz/ Deutschland u.a. Zürich, Genf, Frankfurt, München und Berlin. Die Statistik berücksichtigt 15 Berufe mit ganz unterschiedlichem Bildungsstand/ Ausbildungsniveau und ermittelt daraus den durchschnittlichen Brutto- und Nettolohn der entsprechenden Stadt.

Enhaltene Tätigkeiten:

  • Niedriges Einkommen: u.a. Fabrikarbeiter, Verkäufer, Bauhelfer..
  • Mittleres Einkommen: u.a. Lehrer, Busfahrer..
  • Hohes Einkommen: u.a. Produktmanager, Finanzanalyst, Abteilungsleiter..
StadtBrutto-StundenlohnNetto-Stundenlohn*
Zürich33,00 Euro25,80 Euro
Genf31,10 Euro23,20 Euro
München23,00 Euro14,80 Euro
Frankfurt22,20 Euro15,20 Euro
Berlin19,90 Euro13,60 Euro

Effektive Stundenlöhne von 15 Berufen unter Berücksichtigung von Arbeitszeiten, Feiertagen und Ferien; Gewichtung nach Berufsverteilung. *Netto: Bruttoeinkommen abzüglich Steuern und Sozialabgaben. Quelle: CIO Wealth Management Research September 2012

Bewertung: Zwar hilft die Statistik wenig bei der individuellen Lohnfindung, dennoch sind die Ergebnisse nicht uninteressant. Die durchschnittlichen Bruttolöhne in Zürich sind zwischen 30-40% höher als in Deutschland (München – Berlin). Selbst nach Abzug der Steuern und Sozialabgaben bleibt in der Schweiz mehr netto als hierzulande Bruttolohn.

Nettolohn: Was vom Gehalt übrig bleibt?

In der Schweiz sind die Sozialabgaben und Abzüge im direkten Vergleich mit Deutschland sehr gering. Für Steuern muss der Durchschnittsbürger nur ca. 12% des Bruttolohns aufwenden. Die Höhe der Steuerbelastung hängt zum einen vom Familienstand (Single, Familie (Alleinverdiener, Doppelverdiener, mit/ohne Kinder)) ab. Zudem spielt der Wohnort eine wichtige Rolle, da die Einkommenssteuer sowohl von Bund, Kantonen und Gemeinden erhoben wird und die Regionen untereinander im Steuerwettbewerb stehen. Mehr Details zum Thema Steuerbelastung. Für die Krankenversicherung sowie weitere Versicherungen (Hausrat, Haftpflicht & Kfz…) sollten weitere 12% einkalkuliert werden. Die Abgabenlast in Deutschland (Steuern & Versicherungen) liegt bei durchschnittlich 38,8 % liegt. Kein Wunder also, dass die Schweiz für hiesige Auswanderer so attraktiv ist.

Es gibt allerdings einen Wermutstropfen für Schweiz-Auswanderer: In der Schweiz liegen die Lebenshaltungskosten um bis zu 50% über dem EU-Durchschnitt/Deutschland. Dies betrifft insbesondere die Bereiche Wohnen und Lebensmittel. So muss man beispielsweise für eine 60 m² Zweizimmerwohnung in Zürich mindestens 1.600 CHF monatlich an Miete bezahlen.

Wird in der Schweiz ein 13. Monatsgehalt gezahlt?

Ob Arbeitnehmer ein 13. Monatsgehalt erhalten, hängt ganz vom Unternehmen ab. Für Unternehmen gibt es diesbezüglich keine gesetzliche Verpflichtung. Viele Unternehmen bieten statt dem 13. Monatsgehalt eine Sondervergütung (Gratifikation) in Abhängigkeit vom Betriebsergebnis an.

Quellen: 1Bundesamt für Statistik (2012). 2 statista.com (2014). 3 Swiss Engineering STV (2012), 4Tower Watson Unternehmensberatung (2011), 5Absolventa.de (2014)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .