Kindergeld im Ausland: Die großzügigsten Länder im Vergleich

Rainer Hellstern2. April 2018 in Länder

Gibt es Kindergeld im Ausland?

Grundsätzlich erhält in Deutschland jede Familie bis einschließlich zum 18. Lebensjahr des Kindes Kindergeld. Das Kindergeld kann sogar bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres verlängert werden, wenn das Kind darüber hinaus zur Schule geht, eine Ausbildung absolviert oder studiert. Aber was wird aus dem Kindergeld, wenn man auswandert? Wird deutsches Kindergeld auch im Ausland gezahlt oder greifen dann die Bestimmungen des neuen Wohnsitzlandes? Hier geben wir die Antwort darauf.

Wohnsitz im Ausland

Anspruch auf deutsches Kindergeld hat man nach dem Umzug ins Ausland in der Regel nicht mehr. Vielmehr gelten dann die Bestimmungen des jeweiligen Ziellandes. Nur in ganz wenigen Ausnahmefällen wird weiterhin Kindergeld gezahlt. Eltern können weiterhin Kindergeld aus Deutschland beziehen, wenn sie im Ausland leben aber…

1. ..in Deutschland unbeschränkt einkommenssteuerpflichtig sind.

Bei unbeschränkt einkommenssteuerpflichtigen Personen werden die gesamten Einkünfte, egal ob diese im Inland oder im Ausland erwirtschaftet werden, in Deutschland versteuert.

In Deutschland unbeschränkt einkommenssteuerpflichtig sind in der Regel natürliche Personen, die in Deutschland ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt (mehr als die Hälfte des Jahres in Deutschland) haben. Für die meisten Auslandsdeutschen wird daher das Kindergeld nach dem Umzug im Ausland wegfallen. Lediglich Auslandsrentner können die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland beantragen, dürften aber eher selten Kinder im entsprechenden Alter haben.

2. ..in Deutschland beschränkt einkommenssteuerpflichtig sind (weil kein Wohnsitz in DE), aber den (Arbeits)lohn aus einer inländischen bzw. öffentlichen Kasse erhalten. Beispiele hierfür sind..

  • Entwicklungshelfer oder Missionare
  • Beamte, die in einer staatlichen Einrichtung außerhalb Deutschlands arbeiten (z.B. Botschaftsmitarbeiter, Diplomaten)
  • Auslandsrentner mit Ansprüchen in Deutschland

Kindergeld im EU-Ausland

Lebt und arbeitet man im EU-Ausland, sind die Kindergeld-Bestimmungen des jeweiligen EU-Landes zu beachten. Die Kindergeldsituation in Deutschland ist mit der Situation international nicht einfach zu vergleichen. Zum Teil gibt es eine Staffelung nach der Anzahl der Kinder ähnlich wie in Deutschland. In anderen Ländern wird für jedes Kind gleich viel gezahlt. Zum Teil hängt das Kindergeld auch von der familiären Situation (z.B. verheiratete Eltern oder nicht?) und dem Einkommen der Eltern ab. Auch die Altershöchstgrenzen variieren von Land zu Land. Häufig wird das Kindergeld aber bis zu einem Alter von 16 bis 19 Jahren gezahlt. In Frankreich gibt es beispielsweise erst ab dem zweiten Kind Kindergeld. In Spanien erhalten Kinder mit Behinderung mehr und länger Kindergeld. Allgemein lässt sich grob sagen, dass in Luxemburg (185,60 Euro monatlich) und Deutschland (184 Euro) am meisten Kindergeld gezahlt wird. EU-weit gibt es ein sehr starkes Gefälle, das Schlusslicht bildet Griechenland mit nur knapp 5,87 Euro Kindergeld pro Kind im Monat.

Länder:

  • Luxemburg (265 Euro – 1 Kind)
  • Deutschland (192 Euro – 1 Kind)
  • Dänemark (145 Euro – Kinder 0-3 Jahre)
  • Irland ( 130 Euro – 1 Kind)
  • Norwegen (129 Euro – pro Kind)
  • Schweden (120 Euro – 1 Kind)
  • Frankreich (120 Euro – ab dem zweiten Kind)
  • Island (115,25 Euro – verheiratete Eltern)
  • Großbritannien (105 Euro – 1 Kind)
  • Österreich (109,70 Euro – 1Kind)
  • ….
  • Italien (38,65 Euro – abhängig vom Jahreseinkommen)
  • Spanien (24,25 Euro)
  • Griechenland (5,87 Euro)

Einen sehr schönen tabellarischen Vergleich über die Kindergeldhöhe findet man auch bei Wikipedia.

Kindergeld außerhalb der EU

In vielen Ländern außerhalb Europas ist der Sozialstaat weit weniger ausgebaut. Entsprechend gibt häufig gar kein Kindergeld. Beliebte Auswanderungsziele wie Australien, Kanada oder die Schweiz zahlen Familien mit Kindern ebenfalls staatliche Unterstützung:

  • Australien: Kindergeld (Child Care Benefits) ist einkommensabhängig. Auswanderer benötigen zudem die Permanent Residence.
  • Kanada: Child Tax Benefit (CCTB) für Kinder unter 18 Jahren (Basissatz von 106 CAD). Die exakte Höhe des Kindergelds ist abhängig von der Provinz, Alter des Kindes und der Höhe des Verdiensts der Eltern.
  • USA: Zwar gibt es in den USA kein Kindergeld, allerdings können Eltern über den sog. Child Tax Credit die Steuerlast um bis zu 2000 Euro pro Jahr senken.
  • Schweiz: Familienzulage zwischen 200-400 Schweizer Franken monatlich. Die Höhe ist von Kanton zu Kanton verschieden. Familienzulage wird bis zum Alter von 16 Jahren gezahlt.
  • Türkei: Das Kindergeld fällt in der Türkei sehr viel geringer aus und beträgt nur ca. 10 Euro

12 Comments on “Kindergeld im Ausland: Die großzügigsten Länder im Vergleich”

  1. Es ist unverständlich, dass Deutschland Kindergeld für Kinder zahlt, von denen man nicht mal weiß, ob sie überhaupt existieren. Egal, wir haben es ja. Dem Betrug ist hier Tür und Tor geöffnet. Viele Osteuropäer lassen sich die Kinder ihrer Verwandten mit eintragen. Was ein Kind „einbringt“ verdient in manchen dieser Länder nicht mal ein Lehrer.
    Im Gegenzug zieht man Rentern, die ihr Leben lang in Deutslchand Steuern und Sozialabgaben gezahlt haben, jede Rentenerhöhung von der Grundsicherung ab, obwohl sich die Lebenshaltungskosten dauernd erhöhen. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen die AfD wählen.

  2. Das es in den USA kein Kindergeld gibt ist nicht ganz richtig. Es gibt den sog. Child tax credit. Bis 2017 waren das $1000 im Jahr (reduziert ab einer bestimmten Einkommensgrenze) pro qualifiziertem Kind (als Steuergutschrift). Ab 2018 sind es $2000.

  3. Hallo Ulf,
    vielen Dank für den Hinweis zum Child tax credit. ich habe diesen ergänzt!
    Viele Grüße
    Rainer

  4. Hallo, ich lebe seit vielen Jahren in Canada, habe alle meine Kinder (7 an der Zahl) hier zur Welt gebracht und bekomme auch für jedes von ihnen Child Tax Benefits. Ich habe noch von keinem Land gehört, das so kinderfreundlich ist, wie Canada. Aber das nur nebenbei. Wegen dem Kindergeld in Canada wollte ich nur kurz mitteilen, dass wir über $400 pro Kind im Monat bekommen. Wir sind dem Government von Herzen dankbar, denn mein Mann verdient nicht viel und die Lebenshaltungskosten sind sehr hoch.
    Kurz zu Deutschland: würde der Staat auf die Menschen Acht geben, die Deutschland zu seiner Zeit überhaupt soweit aufgebaut haben, dass es heute existiert, würde es dem Land um einiges besser gehen! „Vor einem grauen Haupt sollst du dich verneigen“.
    Aber man sorgt lieber für „im Ausland lebende Kinder“ von denen man nicht weiß, ob es die wirklich gibt, anstatt den alten Menschen ihren wohlverdienten Lebensabend etwas zu versüßen. Schade. Deutschland ist leider nicht mehr das, was es mal war und es geht rapide bergab.:-(

  5. Ja die Oststaaten leben billiger. man regt sich auf , das es ungerecht ist wenn sie die höhe vom Kindergeld nicht bekommen.. Ja und in Österreich ist das erst recht ungerecht wenn die anderen eine gleich hohe K.beihilfe bekommen den unsere Kinder leben in einen teueren Staat.

  6. Ich denke, das Thema mit den im Ausland lebenden Kindern wird aufgepuscht und damit unnötig Unmut gesät. Ich hoffe, dass diese Leistung so bleibt. Gerade viele Frauen aus Osteuropa kommen ohne ihre Familien und arbeiten in Deutschland als sog. Arbeitsmigranten, um z.B. unsere deutschen Rentner zu pflegen. Wenn sie damit in Deutschland unbeschränkt einkommenssteuerpflichtig sind, warum wollen wir ihnen dann den Anspruch auf Kindergeld absprechen?

  7. An Jonek: Das ist ja echt ein Witz worüber Sie sich aufregen. Sie leben selber im Ausland (Canada) und bekommen für 7 Kinder Sozialleistungen!! Und dann regen Sie sich über Osteuropäische Menschen auf, die Kindergeld in und aus Deutschland beziehen? Es mag den einen oder anderen Sozialbetrüger geben aber alle gleich über einen Kamm zu Scheren?? Frechheit und Dreistigkeit nenne ich das von Ihnen!!

  8. Das österreichische Kindergeld setzt sich aus der Familienbeihilfe 114€ und dem Kinderabsetzbetrag 58,40€ zusammen. Man bekommt also 172,40€ monatlich überwiesen. Die Familienbeihilfe beträgt ab 3 Jahren 121,90€, ab 10 Jahren 142,50€ und ab 19 Jahren 165,10€ plus jeweils den Kinderabsetzbetrag. Für zwei Kinder erhöht sich die Familienbeihilfe um 7,10€ für jedes Kind. Für drei Kinder um 17,40€ für jedes Kind. Für vier Kinder um 26,50€ für jedes Kind. Für fünf Kinder um 32,00€ für jedes Kind. Für sechs Kinder um 35,70€ für jedes Kind. Für sieben und mehr Kinder um 52,00€ für jedes Kind.
    Das Kindergeld in Österreich ist also deutlich höher als 114€ und von der Höhe vergleichbar mit Deutschland. Wir bekommen derzeit für 4 Kinder 838,90€ monatlich.

  9. Zum Kommentar von Mahir – Warum müssen Deutschlands Steuerzahler, wozu auch Rentner, welche zum Teil mehr als 45 Jahre gearbeitet haben, zählen, für Kinder aufkommen, die nicht in unserem Land leben? Ich selbst habe 4 Kinder, die alle in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und bis auf das Kindergeld keinerlei Unterstützung von Vater Staat erhalten. Nennen sie mir nur einen einzigen Grund warum ich mit meinem Geld Kinder in einem anderen Land unterstützen soll? Wenn deren Eltern in unser Land kommen um hier zu arbeiten, dann bitte sollen sie doch ihre Kinder mitbringen. Dann können sie hier auch gerne Kindergeld beziehen. Aber nicht für Kinder welche nicht in diesem Land leben.

  10. Meine Damen und Herren, es wird ständig vergessen, dass POLEN zählt schon 120 euro (pro zweites Kind) und ab nächsten Monat – Juli 2019 jedes Kind wird das Geld bekommen.

  11. Dies liegt an er Freizügigkeit in der EU. Jeder soll dieselben Leistungen erhalten, egal in welchem EU Land er arbeitet. So hat es der EUGH kürzlich entgegen einer Österreischischen Regelung entschieden.
    Aber:
    1. Wieviele Kinder tatsächlich einem EU Gastarbeiter zuzurechnen sind, kann man nicht kontroliieren.
    2.Kindergeld ist kein Arbeitsentgelt, sondern eine Sozialleistung.
    3. Wenn der EuGH meint, wer hier Steuern zahle, müsse auch dieselben Leistungen erhalten, übersieht, dass es häufig tatsächlich zu keiner Besteuerung kommt, weil doppelte Haushaltsführung abgesetzt werden.
    3. Kindergeld wird unabhängig von den Lebenshaltungskosten gezahlt mit der Folge einer Diskriminierung der Inländer: Beispiel, das auch jedem Politiker einleuchten müsste: Vom Kindergeld kann eine Deutsche Mutter ca 10 Packungen Windeln kaufen. Bei halben Lebenshaltungskosten in Polen kann eine polnische Mutter vom deutschen Kindergeld die doppelten Leistungen erhalten. ALso wird bei einer Anpassung nach den Lebenshaltungskosten nicht der Ausländer diskriminiert, sondern der Inländer schlechter gestellt.
    4. Dies war unter anderem ein Grund, weil die Engländer aus der EU austreten wollen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .