Deutsche in der Schweiz: Hoch qualifiziert aber trotzdem nicht willkommen?

Rainer4.12.2012 in Schweiz

Deutschland vs. Schweiz

Deutschland vs. Schweiz

Die Schweiz ist das Traumziel für deutsche Auswanderer. Das Alpenpanorama, die geringe sprachliche Barriere und natürlich die direkte Nachbarschaft zu Deutschland sind nur einige der vielen Gründe. Zusätzlich lockt der sehr attraktive Arbeitsmarkt mit vergleichsweise sicheren Jobs und beinahe doppelt so hohen Löhnen wie in Deutschland. Die sehr niedrigen Steuern darf man bei dieser Aufzählung natürlich auch nicht vergessen.:-) Vor lauter Schwärmerei für die Schweiz sollte man allerdings nicht vergessen, dass das Alpenland auch seine Schattenseiten hat und immer mehr Auswanderer dies deutlich zu spüren bekommen.

Die (vielen) ungeliebten Deutschen

Die oben genannten Vorzüge haben zu einer verhältnismäßig hohen Zuwanderung aus Deutschland geführt. In Städten wie Zürich liegt der Anteil der Deutschen bereits bei 10%. An Hochschulen und in vielen Unternehmen ist die Einwanderung zum Teil noch deutlich stärker sichtbar. An der Uni Zürich sind bereits knapp 30% der Professoren aus Deutschland. Ähnliche Zahlen liefert das Universitätsspital Basel, wo mehr als ein Drittel der Ärzte und Pflegekräfte aus Deutschland stammen. Die meisten der Einwanderer sind hoch qualifiziert und werden von der Schweiz auch dringend benötigt – eigentlich beste Voraussetzungen für eine gute Integration.

Wo aber ist das Problem?

Zum einen beklagen die Schweizer, dass sie mit den gut ausgebildeten Deutschen um die hoch qualifizierten und entsprechend bestbezahltesten Jobs konkurrieren. Die Gründe für die Ablehnung gehen aber noch weiter und sind nicht nur rein beruflicher Natur. So wird befürchtet, dass Hochdeutsch das Schweizerdeutsch verdrängt, das deutsche Mitarbeiter die „deutschen Strukturen“ im Unternehmen einführen oder man bedient sich auch gerne den gängigen Stereotypen wie der „deutschen Arroganz, Überheblichkeit oder der Lautstärke“. Die Äußerungen sind zum Teil hart an der Grenze zum Rassismus und Parteien wie die SVP machen mittlerweile offen Politik gegen deutsche Einwanderer. In den Medien gibt es zahlreiche Beispiele. Es werden Kampagnen gestartet weil der Lehrstuhl einer Schweizer Hochschule mit einem Deutschen besetzt wird oder weil eine Münchner Moderatorin eine Schweizer Internet-Sendung moderiert. Die Anfeindungen können im Grunde jeden Treffen und auch immer mehr Einwanderer beklagen sich offen über die Ablehnung, das ruppige Klima und Probleme, privat Kontakte aufzubauen:

Video – Deutsche in der Schweiz: Zuerst gerufen, dann beschimpft

Was kann man gegen Anfeindungen tun?

Für das Problem gibt es gibt keine einfache Lösung, schließlich sind viele Anfeindungen purer Populismus. Eine Möglichkeit etwaigen Fettnäpfchen aus dem Weg zu gehen ist der Erfahrungsaustausch mit langjährigen Schweiz-Auswanderern. Z.B. bei den diversen Xing-Gruppen „Deutsche in Zürich / Deutsche Leben in der Schweiz“ findet man zahlreiche Gleichgesinnte, die von Ihren Erfahrungen berichten können. Zudem findet man hier Termine für diverse Auswanderer-Stammtische in Zürich und anderen Städten. Eine weitere Möglichkeit sich für die kulturellen Eigenheiten der Schweiz zu sensibilisieren ist die Lektüre diverser Bücher wie z.B. der „Gebrauchsanweisung für die Schweiz“.

Wie ist deine Meinung zu dem Thema? Sind Auswanderer in der Schweiz noch willkommen?

Gratis-Report: Die zehn bestbezahlten Jobs in der Schweiz
Gehalt Schweiz  by-studio - Fotolia.com Von Arzt über Ingenieur bis Unternehmensberater: Wir zeigen welche Berufsgruppen zu den bestbezahlten in der Schweiz gehörten und wie viel diese verdienen. Einfach die E-Mail-Adresse eintragen und im Anschluss Zugang zum Gehaltsreport erhalten.
* Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.

3 Comments on “Deutsche in der Schweiz: Hoch qualifiziert aber trotzdem nicht willkommen?”

  1. Also, ich habe die letzten Zwei Jahre in der Schweiz gearbeitet, als deutscher, und kann nur sagen…….keine probleme….. es kommt ja auch darauf an wie man sich gibt oder benimmt !! Das gleiche kann ich auch von Österreich und Irland sagen !!!

  2. als Mutter mit Kindern ist es schwierig sich einzugliedern.Die Kinder werden der ungeliebten Sprache wegen ausgegrenzt.Es dauert extrem lange (5 Jahre) Kontakte zu Schweizerninnen zu knüpfen…ev ist das aber in der Stadt besser.

  3. Ein Grund wird auch der schweizer Dialekt mit seinen vielen Verkleinerungsformen (Chindli, Hüüsli, Hündli, Chätzli etc.) sein. Das verleitet viele Deutsche dazu, die Schweiz und die Schweizer zu verniedlichen. Das merkt der Schweizer natürlich, und mal ehrlich, wer lässt sich schon gerne in seinem eigenen Land von einem Ausländer verniedlichen? (Dass der Schweizer u.a. genau auf Grund dieses Niedlichkeitfaktors im Ausland auf sehr viel Goodwill trifft, nimmt er hingegen gerne in Anspruch 😉
    Dazu kommen die kulturell bedingten diametralen Ansätze zur Einigung bei Kontroversen dazu. Deutsche fangen mit ihrer jeweiligen Maximalforderung an, und gehen anschliessend immer mehr Kompromisse ein, bis man sich in der Mitte trifft. Schweizer fangen erst mit der Mitte an, und loten dann die maximal mögliche Grenze aus.
    Und ja, Schweizer lassen sich SEHR viel Zeit, bis sie Freundschaften eingehen. Ich habe mir sagen lassen, das sein in Ostfriesland und in Bayern genau so 😉

    Dass solche feinen Kulturunterschiede von so vielen Deutschen gar nicht wahrgenommen werden, führt dann eben dazu, dass Deutsche sehr oft als Arrogant, Laut und Überheblich empfunden werden. Das ist also nicht einfach nur ein Stereotyp, sondern schlicht aus Erfahrung erwachsene Empfindung – die im übrigen ja in genau diesem Artikel auch in Erscheinung tritt ;-))

    Deutsche, die sich zurücknehmen und ihre Antennen feinfühliger einstellen, werden auch deutlich weniger Probleme haben, Anerkannt und Integriert zu werden – im Allgemeinen wenigstens, denn tatsächlich gibt es Rassisten in der Schweiz, die per se etwas gegen Deutsche haben (wie es die übrigens in jedem Land gibt).

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.