Rente in Spanien: Als Rentner nach Mallorca oder die Kanaren auswandern

Rainer HellsternRente im AuslandKommentar verfassen

Der Strand von Santa Cruz / Teneriffa

Spanien buhlt mit seinen langen Küsten und sonnenverwöhnten Inseln um die Gunst deutscher Rentner. Günstige Immobilienpreise, Niederlassungsfreiheit für EU-Bürger und niedrige Lebenshaltungskosten kommen hier ebenso zum Tragen wie das milde Klima. Neben Andalusien und der Costa Brava stehen Mallorca und die Kanarischen Inseln (Fuerteventura, Lanzarote, Teneriffa…) bei deutschen Rentnern besonders hoch im Kurs. Was hinsichtlich Rente in Spanien zu beachten ist, zeigt der folgende Artikel.

Beliebte Regionen für den Ruhestand

Für viele Rentner ist Mallorca das Traumziel für eine Auswanderung. Die Lieblingsinsel der Deutschen ist ideal für Rentner, die ein mildes und mediterranes Klima schätzen. Was oft als regelmäßiger Urlaub zu berufsaktiven Zeiten begann, wird nach der Pensionierung zum dauerhaften Lebensmittelpunkt. Auswanderer leben dort gerne in der eigenen oder einer gemieteten Immobilie. Mallorca zählt zu den Regionen mit der höchsten Rate an zugezogenen Rentnern aus Deutschland überhaupt, rund 30.000 sollen zumindest den größten Teil des Jahres auf der Baleareninsel leben. Für Mallorca spricht auch die kurze Anreise. In nur zwei Stunden ist Mallorca mit dem Flugzeug von Deutschland aus zu erreichen. Es gibt tägliche Direktverbindungen von vielen deutschen Flughäfen. Die Kosten sind bei rechtzeitiger Buchung überschaubar. Preisvergleichsseiten wie Skyscanner und Co. sind bei der Suche zudem sehr hilfreich.

Nachteile von Mallorca sollten allerdings auch nicht verschwiegen werden. Auf der deutschen Lieblingsinsel werden die Winter von Neu-Auswanderern gerne unterschätzt. Die touristische Saison auf Mallorca beginnt erst im April und hört im Oktober wieder auf. Zwar gibt es im Winter keine Minusgrade, von November bis März kann es auf Mallorca allerdings kalt, regnerisch und ungemütlich werden. Feuchtigkeit ist dann ein größeres Problem, viele (ältere) Häuser oder Fincas besitzen keine zentrale Heizungsversorgung und sind außerdem nicht sonderlich gut isoliert. Für die warme Stube sorgen dann häufig Elektroheizungen, was allerdings sehr ins Geld gehen kann. Wer in der eigenen Immobilie Wert auf eine Heizung nach deutschem Vorbild legt, muss sich diese häufig erst einbauen lassen. Angehende Mallorca-Rentner sollten vor der Entscheidung über die Auswanderung unbedingt einen Winter dort verbringen, um zu sehen, ob sie auch ganzjährig auf Mallorca leben möchten.

Für den ganzjährigen Spanienaufenthalt ideal sind eher Andalusien, ganz im Süden der iberischen Halbinsel oder die Kanarischen Inseln Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote, Teneriffa, La Gomera, La Palma oder El Hierro. Aufgrund der Äquatornähe ist das Klima auf den Kanaren ganzjährig mild und an durchschnittlich 300 Tagen im Jahr scheint die Sonne. Auf den Kanaren fällt das Thermometer eigentlich nie unter 15 Grad. Die Kanaren werden aus diesem Grund als die „Inseln des ewigen Frühlings“ bezeichnet. Wer beispielsweise unter Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Asthma, Rheuma oder Gelenkentzündungen leidet, erlebt bei einem längeren Aufenthalt auf den Kanaren oft spürbar eine Verbesserung. Entsprechend sind die Kanaren ein Top-Ruhestandsziel und zahlreiche deutsche Rentner haben sich auf einer der sieben Inseln niedergelassen. Die Kanaren liegen allerdings etwas weiter entfernt von Europa vor der Küste Westafrikas. Mit einer Flugzeit von 4-5 Stunden und beinahe täglichen Direktflügen sind die Inseln aus Deutschland aber immer noch bequem zu erreichen.

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Andalusien, die südlichste Region auf dem Festland, ist ebenfalls ein beliebtes Ruhestandsziel und hat knapp 3.000 Sonnenstunden im Jahr. Die Küste im Süden Spaniens, die 300 km lange Costa del Sol, bietet zahlreiche schöne Strände. In Torrox, einem kleinen Urlaubsort an der Costa del Sol, haben beinahe 4.000 Deutsche ihren Wohnsitz angemeldet. Damit ist die Stadt mit 19.000 Einwohnern die Stadt mit den meisten deutschen Einwanderern auf dem spanischen Festland. In Torrox haben sich auch deutsche Bäcker, Metzger und Friseure niedergelassen. Einmal im Jahr wird sogar ein Oktoberfest gefeiert. Neben Sonne, Strand und Meer bietet Andalusien aber auch sehr viel Geschichte. In den Städten Córdoba, Granada und Sevilla sind zahlreiche beeindruckende Denkmäler der 800-jährigen Maurenherrschaft zu finden.

Lebenshaltungskosten

Hinsichtlich der Lebenshaltungskosten (Lebensmittel, Mieten, Energie) ist Spanien im Durchschnitt 11 Prozent günstiger als Deutschland, wie eine Studie des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2019 ergeben hat. Allerdings gibt es große Unterschiede, wo man sich in Spanien niederlässt. In den Metropolen und den großen Touristenzentren ist das Leben teurer als im Rest des Landes.

Lebenshaltungskosten in Spanien
Lebenshaltungskosten in Spanien

Über die Lebenshaltungskosten auf den Kanaren habe ich einen separaten Artikel verfasst, da es sich bei der Inselkette um eine Freihandelszone handelt, bei der die Kosten in bestimmten Kategorien deutlich abweichen.

Anmeldung

Einwanderer aus Deutschland müssen aufgrund der EU-Mitgliedschaft von Spanien und der dazugehörigen Niederlassungsfreiheit keinen Visumsantrag stellen. Für den dauerhaften Aufenthalt sind die folgenden Schritte erforderlich:

1. Abmeldung in Deutschland

Sofern kein Wohnsitz mehr in Deutschland besteht, besteht die gesetzliche Pflicht, sich innerhalb von zwei Wochen in Deutschland abzumelden.

2. Anmeldung im Rathaus / Einwohnermeldeamt (innerhalb von drei Monaten nach der Einreise)

Für einen dauerhaften Aufenthalt ist die Anmeldung im Rathaus (Ayuntamiento) bzw. Einwohnermeldeamts (Empadronamiento) des Wohnsitzes notwendig.

Folgende Dokumente benötigen Sie für die Anmeldung:

  • Identitätsnachweis: Reisepass oder Personalausweis 
  • Nachweis des neuen Wohnsitzes (z.B. Stromrechnung, Mietvertrag, Kaufvertrag der Wohnung)
  • Weitere Angaben: Name, Adresse, Nationalität, Geburtsort, Geburtsdatum, Schul- & Hochschulabschluss (Die Angaben können regional abweichen)

3. (Steuer)-Identifikationsnummer N.I.E

Ausländer benötigen in Spanien bei langfristigen Aufenthalten die Identifikationsnummer N.I.E („Número de Identificación de Extranjeros“). Ohne NIE-Nummer kann man kein Konto eröffnen, keine Wohnung mieten und keine Immobilie kaufen. Die NIE ist für ausländische Staatsbürger gleichzeitig die Steuernummer und ist für jeglichen Umgang mit spanischen Behörden erforderlich. Der NIE-Antrag wird bei der zuständigen Ausländerbehörde (Oficina de Extranjería) am Wohnort in Spanien gestellt. Falls keine Ausländerbehörde am Wohnsitz existiert, hat der Antrag bei der zuständigen spanischen Polizeibehörde (Policía Nacional) zu erfolgen.

Folgende Dokumente werden für den N.I.E.-Antrag benötigt:

  • Das 2-fach ausgedruckte Antragsformular EX-15 (Beispiel)
    • Das Formular auf Spanisch (am besten digital) ausfüllen.
    • Den Grund für den Antrage angeben z.B.
      • Immobilienkauf (Compra de inmueble)
      • Mietvertrag (Contrato de alquiler)
  • Kopie des Reisepasses (Seite mit Foto)
  • Original-Reisepass mitbringen (für EU-Bürger)
  • Ca. 10 Euro, um für den NIE-Antrag zu bezahlen

4. Registrierung bei der Ausländerbehörde als Resident (innerhalb von drei Monaten nach der Einreise)

Ab einer Aufenthaltsdauer von über drei Monaten ist die Anmeldung bei der Ausländerbehörde in Spanien erforderlich. Dort werden Sie als „Resident“ in das Register für EU-Bürger eingetragen (Certificado de Registro de Ciudadano de la Union Europea). Der Antrag auf die Residencia ist wie bei der N.I.E in der Regel beim Polizeirevier (Policia Nacional) möglich.

  • Das ausgefüllte Antragsformular EX 18 (Beispiel)
  • Personalausweis oder Reisepass sowie 1 Kopie
  • Nachweis auf Einkommen/ Vermögen (z.B. Rentenbescheid)
  • Nachweis einer Krankenversicherung (Vorlage des europäischen S1 Formulars bei Rentnern
  • Gebühr von knapp 10 Euro

Tipp: Um den bürokratischen Aufwand zu minimieren kann es sinnvoll sein, N.I.E. und Residencia gemeinsam zu beantragen. Zudem gibt es in Spanien private Dienstleister (sogenannte gestorías), die Menschen Behördengänge abnehmen. Das kann eine sinnvolle Alternative zum eigenen Behördengang sein, insbesondere dann, wenn man keine guten Spanischkenntnisse besitzt.

Krankenversicherung

Aufgrund des EU-Sozialversicherungsabkommens können deutsche Rentner weiterhin Mitglied der hiesigen gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. Nach dem Umzug und der Anmeldung wird man zudem Mitglied in der spanischen Einheitskrankenversicherung Seguridad Social. Deren Leistungen kann man dann am neuen Wohnort in Spanien in Anspruch nehmen. Als Rentner in Spanien erhält man allerdings nur die Leistungen, die dort für gesetzlich Versicherte üblich sind. Beispielsweise werden Zahnbehandlungen sowie Geh-, Seh- und Hörhilfen in Spanien nicht von der Kasse bezahlt. In den großen Touristenzentren haben sich häufig auch deutsche Ärzte niedergelassen, diese rechnen aber in der Regel privat ab und müssen dann vom Patienten selbst gezahlt werden. Wer diese Kosten nicht tragen möchte, kann eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung abschließen.

Sprache

Ein Vorteil von Spanien ist, dass in den Touristenhochburgen häufig Deutsch gesprochen wird. Es gibt eine stark vernetzte deutsche Community mit deutschen Supermärkten, Firmen und Gastronomie. Zahlreiche deutsche Dienstleister wie Rechtsanwälte und Ärzte, Steuerberater, Immobilienmakler und Handwerker haben sich in Spanien niedergelassen. In Palma de Mallorca gibt es sogar einen deutschen Pfarrer, der sich ausschließlich um deutsche Residenten und auch die Seniorenbetreuung kümmert. Aber: Der Respekt gegenüber den Einheimischen legt es nahe, ein wenig Spanisch zu erlernen. Und am spanischen Lebensstil kann natürlich viel leichter teilhaben, wer auch mit den Nachbarn plaudern kann. Ein paar Brocken Spanisch können zudem nicht schaden, um sich mit den Behörden besser zu verständigen.

Die Rente in Spanien versteuern

Zwischen Deutschland und Spanien besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) vom 03.02.2011. Laut dem DBA werden gesetzliche Renten in Spanien besteuert (Artikel 17), sofern der Wohnsitz und der Lebensmittelpunkt (183-Tage Regel) in Spanien liegt. Falls der Renteneintritt erst nach dem 01.01.2015 stattfand, sind die Renten zusätzlich in Deutschland steuerpflichtig.

  • Die deutsche Rente ist in Spanien steuerpflichtig.
  • Bei einem Renteneintritt nach dem 01. Januar 2015: Daneben ist die gesetzliche Rente auch in Deutschland steuerpflichtig. Die Steuerbelastung in Deutschland darf bis zum Jahr 2029 allerdings nicht mehr als 5 Prozent der Bruttorente betragen (ab dem Jahr 2030 maximal 10 Prozent).
  • Das spanische Finanzamt rechnet die bereits in Deutschland gezahlte Steuer auf die spanische Steuer an.
  • Diese Regelung gilt auch für Betriebsrenten, Riester- und Rürup-Renten, wenn diese mindestens 12 Jahre staatlich gefördert wurden.

Beamtenpensionen bleiben trotz Wohnsitz und Lebensmittelpunkt in Spanien weiterhin im Kassenstaat Deutschland steuerpflichtig (Artikel 18).

Steuern auf Immobilien

Möchte man eine Immobilie in Spanien erwerben, sieht das Doppelbesteuerungsabkommen vor, dass die Steuern für den Immobilienbesitz in Spanien (=das Land, in dem die Immobilie liegt) erhoben werden. Bereits beim Kauf in Spanien fallen diverse Steuern wie Grunderwerbssteuer (8 bis 11 Prozent) und eine Beurkundungssteuer an. Zudem haben Eigentümer von Grundbesitz in Spanien jährlich neben der Grundsteuer auch eine Einkommenssteuer auf die Immobilie zu zahlen, selbst wenn mit der Immobilie gar keine Einkünfte (z.B. Vermietung) erzielt werden.

Vermögenssteuer

In Spanien gibt es anders als in Deutschland eine Vermögenssteuer. Rentner, die Wohnsitz und Lebensmittelpunkt in Spanien haben, unterliegen dieser ebenfalls. Die Vermögenssteuer ist progressiv gestaffelt und beträgt jährlich zwischen 0,2 und 3,5 Prozent des Nettovermögens. Dabei handelt es sich um das gesamte Weltvermögen, also auch Vermögenswerte, die sich in Deutschland befinden (z.B. eine Eigentumswohnung). Die Vermögenssteuer in Spanien wird für steuerliche ansässige Personen je nach Region ab einem Nettovermögen von 500.000 bis 700.000 Euro fällig, darunter ist keine Vermögenssteuer zu zahlen.

Rentenzahlung

Die Deutsche Rentenversicherung bezahlt die Rente problemlos auf das gewünschte Konto in Deutschland oder Spanien. Wer ein günstiges Konto in Spanien sucht, kann beispielsweise bei der deutschen Online Bank N26 ein Konto mit spanischer IBAN/ Kontonummer eröffnen, sofern der Wohnsitz in Spanien liegt. Bankeinlagen in Höhe von bis zu 100.000 Euro sind auf dem N26-Konto durch die Einlagensicherung deutscher Banken abgesichert.

Umzug

Etwas komplizierter ist der Umzug, wenn man mit einem großen Hausstand nach Spanien umzieht. Bei einem Umzug nach Mallorca führt der Weg über Barcelona und von dort weiter mit der Fähre nach Mallorca. Bei einem Umzug auf die Kanaren führt die Anreise über die südspanischen Häfen Cadiz oder Huelva, wobei die Fährfahrt zu den Kanaren alleine 1 1/2 Tage dauert.

Fazit

Gründe als Rentner seinen Lebensmittelpunkt nach Spanien zu verlegen, gibt es einige. Ausschlaggebend für die meisten dürfte aber das mildere Klima und das bessere Wetter sein. Vermögende Rentner sollten vor der Auswanderung unbedingt auch die steuerlichen Aspekte genau prüfen. Spanien bietet zwar viel Sonne, Strand und Meer, ist aber leider kein Steuerparadies.

über mich
Rainer Hellstern

Rainer Hellstern

Wer schreibt denn hier? Mein Name ist Rainer und ich bin Gründer und Autor des Auswandern Handbuchs. Seit 2008 verfasse ich hier im Blog Beiträge rund um die Themenfelder Arbeiten, Leben und Rente im Ausland. Du findest hier Informationsmaterial zu über 50 Auswanderungzielen weltweit!

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