Was kostet es, einen Monat lang auf den Kanaren zu leben?

Rainer HellsternRente im AuslandKommentar verfassen

Lebenshaltungskosten auf den Kanaren

Die Kanarischen Inseln sind aufgrund des ganzjährig milden Klimas eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Manchen gefällt es gleich so gut auf Teneriffa, Gran Canaria und Co., dass sie dorthin auswandern oder zumindest überwintern möchten. In diesem Artikel schauen wir uns daher die Lebenshaltungskosten der Kanaren genauer an und ich gebe eine Übersicht zum Preisniveau.

Steuerlicher Sonderstatus / Freihandelszone

Die Kanarischen Inseln sind zwar Teil des spanischen Staatsgebiets, liegen aber über 1.500 Kilometer vom spanischen Festland entfernt. Aufgrund der geografischen Lage genießen die Inseln daher einen besonderen wirtschaftlichen und zollfreien Status. Auf den Kanarischen Inseln wird beispielsweise keine Mehrwertsteuer erhoben; stattdessen gibt es eine spezifische Verkaufssteuer (IGIC – Impuesto General Indirecto de Canarias), die bei dem die meisten Güter mit lediglich 7 Prozent versteuert werden. Das ist deutlich weniger als in Spanien, wo die Mehrwertsteuer 21 Prozent beträgt. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Luxusgüter müssen beispielsweise mit 15 Prozent versteuert werden.

IGICSteuersatz
Allgemeiner Satz des IGIC, gilt für die meisten Güter und Dienstleistungen7 %
IGIC Satz für Luxusgüter (Luxus-/Kraftfahrzeuge, Zigarren, alkoholische Getränke, Schmuck, Pelz- und Parfümprodukte)15 %
IGIC Satz für Wasserversorgung; der Verkauf von Sanitär- und Veterinärprodukten; Bücher, Zeitungen und Zeitschriften; behördlich geschützte Wohnbauten; Lieferungen bestimmter Lebensmittel; Luft- oder Seetransport zwischen den Kanarischen Inseln.0 %

Lebensmittelpreise

Die Preise von Lebensmitteln sind insgesamt mit denen in Deutschland vergleichbar. Lokal angebaute Produkte sind natürlich deutlich günstiger als importierte, was an den kürzeren Transportwegen liegt. Lokal angebaut werden beispielsweise Kartoffeln, Paprika, Tomaten, verschiedene Bohnensorten, Gurken, Möhren, Kohl und Zwiebeln. Es gibt eine große Auswahl an lokal angebautem Obst von Bananen über Mangos, Papayas und Avocados und auch das Schweinefleisch und der kanarische Ziegenkäse ist sehr gut. Der Atlantik, der die Inseln umgibt, bietet eine riesige Auswahl an gesundem und preiswertem Fisch.

Fischtheke im Supermarkt (Puerto de la Cruz / Teneriffa)

Auf den Kanaren gibt es genau wie in Deutschland große Supermärkte. Diese heißen allerdings nicht Edeka oder Rewe, sondern Mercadona, Alcampo, Carrefour, SuperDino oder HyperDino. Auch der hiesige Discounter Lidl hat sich mittlerweile auf einigen Inseln niedergelassen. Die großen Supermärkte bieten einen ähnlich breiten Produktumfang wie in Deutschland. Hinsichtlich Obst und Gemüse findet man in den großen Supermärkten allerdings sehr viel Importware (Gurken aus den Niederlanden, Äpfel auf Chile, Orangen vom spanischen Festland etc..) und was lokale Produkte betrifft, meist nur Bananen. Auch die in Deutschland mittlerweile sehr beliebten “Bio-Produkte” findet man in den dortigen Supermärkten in einem deutlich geringeren Umfang, so zumindest mein Eindruck.

Im Supermarkt auf den Kanaren
Im Supermarkt auf den Kanaren

Auf den bevölkerungsreichen Inseln wie Teneriffa oder Gran Canaria und in den größeren Städten ist das Netz der Supermärkte sehr engmaschig. Auf den kleineren und dünnbesiedelten Inseln wie La Palma, La Gomera oder El Hierro ist deren Verteilung nicht so flächendeckend und nicht in jeder kleine Touristenort besitzt einen großen Supermarkt. Dort existieren noch viele kleine “Tante-Emma-Läden” mit eingeschränktem Sortiment. Wer in den kleineren Läden in den Ferienorten einkauft, wird im Gegensatz zu den Ortschaften mit größeren Supermärkten einen leichten Aufschlag zahlen. Persönlich kaufe ich allerdings gerne dort ein. Ich finde die kleinen Läden viel sympathischer als die großen Ketten.

Bauernmärkte sind eine gute Alternative zu den Supermärkten, um lokale Produkte direkt von den Bauern zu günstigen Preisen zu kaufen. Die Auswahl an lokalem Obst und Gemüse ist bedeutend größer wie in den Supermärkten, wie das folgende Foto vom Bauernmarkt in La Orotava / Teneriffa zeigt.

Bauernmarkt in La Orotavo (immer Samstags morgens von 8 bis 13:30 Uhr)

Wer auf Backwaren wie Brezeln oder Vollkornbrot nicht verzichten möchte, findet auf den meisten Inseln (und insbesondere dort wo viele Deutsche Urlaub machen) auch mindestens einen deutschen Bäcker. Backwaren werden dort zu vergleichbaren Preisen wie in Deutschland angeboten.

Auslage der deutschen Bäckerei (Valle Gran Rey / La Gomera)

Alkohol ist dank der niedrigeren Steuern ebenfalls billig. Eine Flasche einheimisches Bier kostet im Supermarkt weniger als 1 Euro. Eine Flasche Wein mittlerer Qualität kostet etwa 4 Euro. Die Preise für importierte Güter wie Müsli, Nudeln oder Schokolade sind allerdings höher als in Deutschland, so dass sich die Lebensmittelpreise insgesamt ausgleichen.

Leitungswasser ist gechlort und geschmacklich nicht besonders gut, gesundheitlich stellt das Trinken des Wassers allerdings keine Gefahr dar. Dennoch kaufen sehr viele Menschen Mineralwasser im Supermarkt. Neben den in Deutschland bekannten 1,5 Liter Plastikflaschen bieten die meisten Supermärkte noch deutlich größere Plastikkanister mit einer Füllmenge von 5 bis 8 Litern an. Preislich sind diese aber sehr günstig und kosten nur zwischen 1 bis 2 Euro.

Zu Hause zu kochen ist natürlich der beste Weg, um die Kosten niedrig zu halten. Wenn man sich auf lokale Produkte konzentriert, ist das sogar noch billiger. Zwei Personen werden etwa 150 Euro pro Woche für Lebensmittel ausgeben.

Restaurants

Das Essen in den Restaurants ist sehr vielfältig. In den Ferienorten gibt es eine riesige Auswahl an internationaler Küche von spanischen Tapas über italienische Küche bis hin zu asiatischen Gerichten. Eine Einzelperson bezahlt hier für ein Abendessen inkl. Getränken und Nachtisch ohne Probleme 20 Euro, wobei es je nach gewähltem Gericht natürlich noch deutlich teurer werden kann.

Wer preisgünstig und gut essen möchte, besucht am besten Städte und Dörfer außerhalb der großen Touristenorte bzw. Restaurants wo vornehmlich die Einheimischen verkehren. Dann wird das Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich besser. Tapas-Gerichte gibt es mancherorts bereits ab 2 bis 3 Euro und einige Restaurants bieten ein “Menu del dia” (Tagesmenü) mit drei Gängen und einem Bier oder Wein für nur 10 Euro an.

Wer ein traditionelles, günstiges und gut sättigendes Gericht sucht, sollte einmal Garbanzas (ein spanischer Kichererbseneintopf) probieren. Garbanzas werden in den meisten traditionellen Restaurants der Insel angeboten und eine große Portion (Racion genannt) kostet in der Regel weniger als 5 Euro. Das Gericht ist allerdings nicht für Vegetarier geeignet, da neben Kichererbsen, Kartoffeln und Zwiebeln in der Regel auch Schweinerippchen, Speck oder Chorizo enthalten ist, was für das intensive Geschmackserlebnis sorgt.

Garbanzas (Kichererbsen)

Cafes

Kaffee trinken ist auf den Kanaren deutlich günstiger als in Deutschland, was an den niedrigen Steuern liegt. Ein Milchkaffee (Cafe con leche) kostet je nach Lokal zwischen 1,20 Euro und 1,50 Euro, den Espresso gibt’s schon für einen Euro. Ein Frühstück mit Toast, Butter und Marmelade, Kaffee und einem Glas frisch gepresstem Orangensaft bekommt man schon ab 3 Euro.

Wohnen und Miete

Auf den Inseln gibt es eine große Auswahl an Mietobjekten. Ein Apartment mit einem Schlafzimmer ist ab 400 Euro im Monat in ländlichen Gebieten und ab 500 bis 600 Euro in den Ferienorten erhältlich. Die Nebenkosten bestehen aus Strom, Wasser und ggf. Kosten fürs Internet. Hohe Heizkosten fallen in den Küstenorten in den Wintermonaten temperaturbedingt nicht an, viele Wohnungen besitzen außerdem gar keine Heizung. Wer allerdings etwas weiter oben in den Bergen wohnt, sollte im Vorfeld sicherstellen, dass das Haus eine Heizung besitzt, denn die Wahrscheinlichkeit ist ansonsten hoch, dass man friert.

Zur Vermietung werden auch Wohnungen in Apartmentkomplexen angeboten. Einige besitzen einen Gemeinschaftspool, den alle Bewohner des Hauses teilen. Dann können die Strom- und Nebenkosten natürlich steigen, gleiches gilt für Objekte mit Klimaanlage. Größere Wohnungen mit mehreren Schlafzimmern sind ab etwa 800 bis 1000 Euro zu finden.

Eine gute Anlaufstelle für die Wohnungssuche ist das Portal Airbnb. Für kürzere aber auch längere Kanarenaufenthalte findet man hier komplett ausgestattete Ferienwohnungen mit Küche, Waschmaschine, Terrasse, WLAN usw… Bei mehrmonatigen Aufenthalten bieten viele Vermieter Rabatte zwischen 20 und 40 Prozent auf den Mietpreis an.

Airbnb Listing für die Kanaren

Eine weitere beliebte Website fürs Kaufen und Mieten von Wohnungen in Spanien heißt www.idealista.com.

Shopping & Mode

Die großen Mode und Bekleidungsketten haben auch auf den Kanaren Filialen. Die Preise liegen auf einem ähnlichen Niveau wie Deutschland. Levi’s Jeans kosten 50 Euro, T-Shirts mit Surf-Motiv kosten etwa 20 Euro.

Transport & Ausflüge

In den modernen grünen Reisebussen gelangen Inselbesucher bequem an die meisten Orte (Bild: La Gomera, Busstation im Valle Gran Rey)

Auf den Kanaren gibt es regelmäßige und gute Busverbindungen, so dass ein Mietwagen nicht unbedingt erforderlich ist. Kürzere Strecken kosten mit dem Bus meist nur 2 bis 3 Euro. Einige Inseln wie Teneriffa und La Palma bieten Vielfahrern aufladbare Prepaidkarten an (z.B. auf Teneriffa “TenMas-Ticket” genannt). Diese können an den größeren Busstationen am Schalter oder Automaten erworben werden. Die Karte kostet beim Kauf einmalig 2 Euro. Fahrten mit dem TenMas Ticket werden gegenüber regulären Einzelfahrscheinen um 30 bis 50 Prozent reduziert. Allerdings gibt es nicht auf allen Inseln solche aufladbaren Prepaidkarten (z.B. La Gomera).

Wer auf den Inseln lieber individuell unterwegs ist, kann natürlich einen Mietwagen buchen. Preisvergleichs-Webseiten wie Billiger-Mietwagen.de sind hierfür gute erste Anlaufstellen. Wer die Preise vergleichen möchte, findet natürlich auch in den Ortschaften selbst Verkaufsstellen. Je nach Saison bekommt man einen Mietwagen bereits ab 10 Euro pro Tag (inkl. Vollkasko). Benzin- und Dieselpreise sind außerdem sehr niedrig und ca. 15 bis 20 Prozent günstiger als in Deutschland. Das liegt daran, dass die Kanaren wie oben erwähnt eine Freihandelszone sind und die Benzinpreise ebenfalls von den stark reduzierten Steuersätzen profitieren.

Sonnencreme besser vorher einkaufen!

Wer plant, länger auf den Kanaren zu bleiben, sollte sich schon in Deutschland mit ausreichend Sonnencreme für den Aufenthalt eindecken. Während man in Deutschland beim Discounter oder in Drogeriemärkten für 1 bis 2 Euro Sonnencreme kaufen kann, kostet hier unten eine Tube je nach Lichtschutzfaktor zwischen 8 und 16 Euro. In den Supermärkten und Apotheken findet man so gut wie keine günstigen Eigenmarken, in vielen Fällen gibt es nur teure Markenprodukte wie Nivea und Co..

Bei zahlreichen anderen Kosmetikartikeln die ebenfalls importiert werden, von Duschgel über Shampoo bis Zahnpasta, sind die Durchschnittspreise höher als in Deutschland. Allerdings sind die Preisunterschiede nicht so gravierend wie bei Sonnencreme.

Fazit

Natürlich sind die Lebenshaltungskosten sehr individuell und hängen vom gewohnten Lebensstandard ab. Insgesamt würde ich sagen, dass die Kosten auf den Kanaren 10 bis 20 Prozent unter denen von Deutschland liegen (niedrigere Heizkosten, günstige Benzin/Transportpreise, Cafés etc..). Für einen Monat Aufenthalt würde ich 1.000 bis 1.500 Euro einplanen. Damit lässt sich eine vernünftige Wohnung mieten, die Lebensmitteleinkäufe abdecken und es würde genug für Ausflüge und gelegentliche Restaurantbesuche übrigbleiben.

über mich
Rainer Hellstern

Rainer Hellstern

Wer schreibt denn hier? Mein Name ist Rainer und ich bin Gründer und Autor des Auswandern Handbuchs. Seit 2008 verfasse ich hier im Blog Beiträge rund um die Themenfelder Arbeiten, Leben und Rente im Ausland. Du findest hier Informationsmaterial zu über 50 Auswanderungzielen weltweit!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.