Als Rentner nach Frankreich auswandern: Die Sonne lockt an der Côte d’Azur

Rainer HellsternRente im Ausland1 Kommentar

Der Stadtstrand von Nizza

Frankreich ist das fünftbeliebteste Zielland für deutsche Auswanderer im Rentenalter. Das berühmte Savoir vivre (Wörtlich: ‚verstehen, zu leben’) macht das Nachbarland besonders attraktiv bei Rentnern und Pensionären, die im Ruhestand einen gehobenen und gleichzeitig lockeren Lebensstil bevorzugen. Was es vor der Auswanderung zu beachten gilt, erklärt der folgende Artikel.

Beliebte Regionen für den Ruhestand

Die Grand Nation bietet für Auswanderer vielfältige Möglichkeiten zwischen Alpen, Mittelmeer und Atlantikküste. Die Hauptstadt Paris ist zwar das beliebteste Reiseziel des Landes und bietet unzählige Sehenswürdigkeiten, Kultur, Kunst und Geschichte, doch Rentner zieht es eher selten in die große und extrem teure Millionen Metropole.

Die beliebteste Region für ausgewanderte Rentner ist ganz klar die Provence in Südfrankreich mit der Mittelmeerküste, der Côte d’Azur. Die Region im Südosten Frankreichs an der Grenze zu Italien lockt Rentner mit einem ganzjährig milden Klima, herrlichen Küsten und endlosen Stränden. Orte wie Nizza, Cannes oder Saint-Tropez haben klangvolle Namen, die jeder kennt und wohlhabenden Rentnern und Pensionären einen Lebensstandard auf hohem Niveau versprechen. Das dazugehörige Hinterland mit kleinen Dörfern, malerischen Altstädten und provenzalischen Märkten lädt zu ausgedehnten Erkundungstouren ein.

Das Bilderbuchdorf Gordes in der Provence
Das Bilderbuchdorf Gordes in der Provence

Die Lebenshaltungskosten in der Provence sind allerdings hoch, so dass der Ruhestand im Grunde nur für wohlhabende Rentner infrage kommt. Wer auf der Suche nach einer günstigen Alternative ist, sollte sich einmal die Nachbarprovinz Languedoc-Roussillon genauer anschauen. Die Region zwischen der Provence und der spanischen Grenze wird in Reiseführern oft als die “unberührte Version der Provence“ beschrieben.

Wegen der Nähe zu Deutschland ist auch das Elsass, die Region links des Rheins, ein beliebter Wohnort für Deutsche Auswanderer. In der Region Elsass und in Lothringen wird noch am ehesten Deutsch verstanden und gesprochen.

Klima

Die französische Mittelmeerküste besitzt ein mediterranes und ganzjährig mildes Klima, selbst in den Wintermonaten sind an wärmeren Tagen noch bis zu 15 °C am Tag und nachts 5 – 6 °C möglich. Mit über 300 Sonnentagen im Jahr ist die Côte d’Azur für sonnenhungrige Auswanderer ideal.

Das Klima im Elsass ähnelt dem in Süddeutschland sehr stark und zeichnet sich durch ausgeprägte Jahreszeiten und Temperaturunterschiede aus. Mit strengen Wintern und warmen Sommern ist zu rechnen.

Lebenshaltungskosten

Das schöne Leben in Frankreich hat allerdings seinen Preis. Das allgemeine Preisniveau ist 6 Prozent höher als in Deutschland, wobei hier auch regionale Unterschiede zu beachten sind und das Leben in Paris oder an der Côte d’Azur nochmal deutlich teurer als im Rest des Landes ist.

Lebenshaltungskosten in Frankreich
Lebenshaltungskosten in Frankreich

Die Franzosen geben insbesondere mehr Geld für Lebensmittel aus als die Deutschen, achten beim Essen aber auch stärker auf die Qualität. Besonders tief in die Tasche greifen müssen Verbraucher in Frankreich bei Käse, Fleisch und Wurstwaren. Auch die Tabakpreise sind aufgrund der hohen Tabaksteuern mit die teuersten in Europa.

Tomaten - auf dem Markt in der Provence
Tomaten & Knoblauch – auf dem Markt in der Provence

Immobilienpreise

Immobilien an der Côte d’Azur sind ebenfalls sehr teuer. Eine 100-Quadratmeter-Wohnung in Nizza kann bis zu 1 Million Euro kosten. Quadratmeterpreise von 8.000 Euro und in Luxuslagen sogar, bis zu 13.000 Euro sind hier möglich. Wer ein günstiges Ferienhaus oder Eigenheim sucht, sollte eher im Hinterland suchen. Wer auf Meerblick verzichten kann, findet weiter entfernt eher noch ein Schnäppchen.

Anmeldung in Frankreich

Spätestens drei Monate nach dem Umzug ist die Anmeldung bzw. ein Antrittsbesuch im Rathaus in Frankreich erforderlich. Wer den Termin versäumt, muss ein Bußgeld bezahlen. Den Reisepass bzw. Personalausweis sollte man hierfür mitbringen, zusätzlich sind der Mietvertrag und die letzte Stromrechnung sinnvoll. Einwanderer erhalten dann eine Anmeldebestätigung. Eine zusätzliche Aufenthaltserlaubnis ist für Bürger der Europäischen Union nicht mehr erforderlich, schließlich gibt es innerhalb der EU Personenfreizügigkeit.

Krankenversicherung

Wer als Rentner nach Frankreich zieht, bleibt aufgrund des Sozialversicherungsabkommens weiterhin Pflichtmitglied der gesetzlichen Krankenversicherung. Auslandsrentner müssen vor dem Umzug allerdings einen Antrag auf Inanspruchnahme des Krankenversicherungsschutzes im neuen Wohnsitzland bei der hiesigen Krankenkasse stellen. Die Krankenkasse zahlt dann im Ausland aber nur gemäß des französischen Standards. Die medizinische Versorgung in Frankreich verlangt einen sehr hohen Eigenanteil des Patienten. Der Patient muss beispielsweise bei Arzt- und Zahnarztbehandlungen einen Eigenanteil von 30% übernehmen. Vor Behandlungen sollte man daher immer einen Kostenvoranschlag einholen.

Sprache

Wer den Ruhestand in Frankreich verbringen möchte, sollte über gute Französischkenntnisse verfügen. Englisch und teilweise auch Deutsch werden zwar an den Schulen des Landes unterrichtet, trotzdem sind fließende Englischkenntnisse weit weniger verbreitet als bei uns. Die Franzosen sind außerdem berühmt für ihren Nationalstolz und viele Franzosen sprechen ungern eine andere Sprache als die eigene, selbst wenn sie es könnten. Lediglich im grenznahen Elsass und in Lothringen wird gelegentlich Deutsch gesprochen, Grundkenntnisse des Französischen erleichtern allerdings spürbar den Alltag helfen bei der Integration. Wenn das Schulfranzösisch etwas eingerostet bzw. nicht vorhanden ist, ist es unbedingt empfehlenswert, im Vorfeld der Auswanderung einen Auffrischungskurs zu machen. Französischkurse sind mittlerweile sehr günstig online oder bei vielen Volkshochschulen möglich.

Rentenzahlung

Deutsche Rentner haben die Wahl. Die Rente kann von der Deutschen Rentenversicherung sowohl auf ein Konto in Deutschland oder in Frankreich ausgezahlt werden. Beide Länder sind Teil des europäischen Zahlungsverkehrsraums (SEPA) und laut einer zentralen Verordnung dürfen Euro Überweisungen innerhalb der EU maximal 1 Bankarbeitstag dauern. Auch die Kosten dürfen nicht höher sein als bei einer Inlandsüberweisung in Deutschland. Es ist somit nicht zwingend erforderlich, ein Konto in Frankreich zu eröffnen. Wer das Konto in Deutschland beibehält, sollte allerdings ein möglichst günstiges Konto wählen. Da Deutsche Banken in der Regel keine Filialen in Frankreich besitzen, ist ein teurer Filialservice in der Regel überflüssig. Stattdessen sollte man Bankgeschäfte mittels Online-Banking tätigen. Außerdem sollte das Geldabheben in Frankreich kostenlos sein. Bei zahlreichen Direktbanken findet man diesbezüglich gute Angebote.

Konto in Frankreich?
Wer ein günstiges Konto in Frankreich eröffnen möchte, kann beispielsweise bei der deutschen Online Bank N26 ein Konto mit Französischer IBAN/ Kontonummer eröffnen, sofern der Wohnsitz in Frankreich liegt. Bankeinlagen in Höhe von bis zu 100.000 Euro sind dann durch die Einlagensicherung deutscher Banken abgesichert. Das Konto überzeugt zudem durch die kostenlose Kontoführung, kostenfreie Geldabhebungen sowie einer kostenlose Mastercard-Kreditkarte. Mehr erfahren

Die Rente in Frankreich versteuern

Zwischen Deutschland und Frankreich besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), welches regelt, in welchem Land bei Auslandsrentnern die Rente zu versteuern ist. Das ursprüngliche DBA stammt aus dem Jahr 1959, im März 2015 wurde allerdings ein Zusatzabkommen geschlossen, in dem das Besteuerungsrecht für Rentenzahlungen geändert wurde. Das Zusatzabkommen sieht neu vor, dass die gesetzliche Rente ab dem Jahr 2016 im Wohnsitzstaat (bei Auslandsrentnern also in Frankreich) besteuert wird. Rentenzahlungen aus der gesetzlichen Rente bis 2015 sind noch im Herkunftsstaat (in Deutschland) steuerpflichtig. Beamtenpensionen sind von dem Zusatzabkommen unberührt und bleiben wie im ursprünglichen Doppelbesteuerungsabkommen von 1959 vereinbart weiterhin in Deutschland steuerpflichtig.

Fazit

Vor allem an der Côte d’Azur lässt sich die Rente auf hohem Niveau genießen. Französischkenntnisse und ein gutes finanzielles Polster sind für Frankreich-Auswanderer aber unbedingt empfehlenswert.

über mich

Rainer Hellstern

Wer schreibt denn hier? Mein Name ist Rainer und ich bin Gründer und Autor des Auswandern Handbuchs. Seit 2008 verfasse ich hier im Blog Beiträge rund um die Themenfelder Arbeiten, Leben und Rente im Ausland. Du findest hier Informationsmaterial zu über 50 Auswanderungzielen weltweit!

1 Kommentar bei “Als Rentner nach Frankreich auswandern: Die Sonne lockt an der Côte d’Azur”

  1. Elvira

    Liebe Freunde,

    möchte mit jemanden Kontakt aufnehmen, der nach Nizza ausgewandert ist und seine Erfahrungen mit mir teilen könnte und möchte.

    Bin Rentnerin, möchte gerne die Lebensart und die Sonne nizzas genießen.

    Liebe Grüße
    Elvira.

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