Pitcairn: Eine (fast) einsame Südseeinsel sucht neue Bewohner

Rainer25.02.2015 in Länder

Pitcairn-Adamstown

Pitcairn, die legendäre Insel im Südpazifik, auf der einst die Meuterer der Bounty Zuflucht fanden, sucht händeringend aber ziemlich erfolglos nach neuen Siedern. Durch einen Artikel bei Spiegel Online wurde ich kürzlich auf das spannende Thema aufmerksam und habe hierzu mal ein wenig die Hintergründe recherchiert.

Wo liegt die Insel eigentlich?

Die Insel liegt im Südpazifik, ein Blick auf Google Maps verrät die genaue Lage. Die Insel ist extrem abgeschieden und liegt quasi genau in der Mitte zwischen Südamerika (~6.000 km) und Neuseeland (~5.300 km).

Die nächsten bewohnten Nachbarinseln sind die Gambier Islands (Französisch-Polynesien), welche über 500 km entfernt sind. Pitcairn besitzt keinen eigenen Flugplatz, daher ist mit einer beschwerlichen Anreise zu rechnen. Der nächste Flughafen – ein kleiner Regionalflughafen – liegt ebenfalls auf den Gambier Islands. Dorthin gelangt man beispielsweise mit einem Flug von Auckland (Neuseeland) und einem Zwischenstopp in Papetee (Tahiti). Alle drei Monate startet von den Gambier Islands ein Versorgungsschiff, die Claymore II, in Richtung Pitcairn. Das Boot ermöglicht auch Touristen Kurzaufenthalte von knapp zwei Wochen auf der Insel. Diese Aufenthalte sind visumsfrei. Gelegentlich kommt es auch zu Stops anderer Kreuzfahrtschiffe auf der Insel.

Trotz der Lage im Südpazifik gibt es keine „Südseestrände“ auf Pitcairn! Pitcairn ist eher ein Fels im Südpazifik und besitzt eine ungeschützte Küste mit starker Brandung.

Pitcairn: Der geschichtliche Hintergrund

Die Geschichte der Pitcairn Besiedlung ist eng mit der „Meuterei auf der Bounty“ verbunden. Von der berühmtesten Meuterei in der Geschichte der Seefahrt haben die meisten vermutlich durch den gleichnamigen Filmklassiker von 1962 mit Marlon Brando gehört. Die Geschichte ereignete sich folgendermaßen: Ein britisches Handelsschiff brach 1787 mit dem Auftrag Brotfruchtpflanzen von Tahiti in die Karibik zu transportieren in die Südsee auf. Unterwegs kam es zu Aufstand gegen den tyrannischen Captain, bei dem die Meuterer um Anführer „Fletcher Christian“ letztendlich das Schiff übernahmen und den Captain, sowie die Nicht-Meuterer auf einem Beiboot aussetzten.

Auf der Flucht vor den Briten, das Strafgesetz sah seinerzeit für Meuterer natürlich die Todesstrafe vor, erreichten die Meuterer nach langer Irrfahrt durch die Südsee (Tahiti , Cookinseln, Tonga, Fidschi etc..) die Insel Pitcairn. Die Mannschaft der Meuterer bestand damals aus insgesamt neun Europäern sowie sechs polynesischen Männern und zwölf polynesischen Frauen, die während der Irrfahrt dazukamen.

Die 4,5 Quadratkilometer große Insel war seinerzeit bereits bekannt, allerdings falsch kartografiert (330 km von der  Kartenposition entfernt) und zudem unbewohnt und stellte daher das ideale Versteck für die Meuterer dar. Die Bounty wurde vor der Insel versenkt und es begann die Besiedlung. Die Besiedlung der unbewohnten Insel war allerdings nicht sonderlich friedlich. Aufgrund von Streitereien (weil zu wenige Frauen dabei waren) kam es zu Mord und Totschlag, bei dem alle polynesischen Männer und einige der Meuterer getötet wurden. Als die Briten die Insel nach Jahren wiederentdeckten, war nur noch ein einziger der Meuterer am Leben. Zudem lebten weitere 34 Nachkommen der Meuterer auf der Insel.

Die Insel wurde im Lauf der Jahre britisches Überseeprotektorat und ist heute das letzte Überbleibsel des britischen Empires im Südpazifik. Um 1930 hatte die Insel knapp 200 Einwohner (größtenteils Nachfahren der Meuterer), eine Größe, welche die Selbstversorgung enorm schwierig machte. Heute leben aber nur noch knapp 50 Einwohner auf der Insel, der Grund warum die Insel auch nach neuen Bürgern sucht.

Warum will niemand auf Pitcairn leben?

Die Lebenshaltungskosten auf Pitcairn betragen laut Immigration Website nur knapp 6.300 Euro jährlich, zudem bietet die Inseln den Bürgern völlige Steuerfreiheit. Bürger erhalten darüber hinaus kostenlos ein Stück Land für die Besiedlung. Allerdings gibt es auf der kleinen Insel nur sehr wenige berufliche Perspektiven. Der Verkauf von Briefmarken an die Besucher war einst Haupteinnahmequelle, aber das Briefmarkensammeln ist nicht mehr so populär wie noch vor Jahren. Ansonsten lebt man als Selbstversorger vom eigenen Anbau und/oder Fischfang. Das milde Klima  (ganzjährig gleichbleibende Temparaturen zwischen 19 und 24 °C) erlaubt den Anbau von Zitrusfrüchten, Ananas, Kokospalmen, Zuckerrohr, Süßkartoffeln, Bananen, etc… Zum größten Teil ist die Insel aber von Subventionen des britischen Mutterlands abhängig.

Die Insel hat zudem ein Imageproblem, seit im Jahr 1999 Fälle von Kindesmissbrauch aufgedeckt wurden. Es kam zu einem spektakulären Prozess auf der Insel und auch langjährigen Haftstrafen für einige Inselbewohner. Seitdem hat Großbritannien einen ständigen Polizeibeamten, einen Sozialarbeiter und einen Vertreter der britischen Regierung auf der Insel stationiert.

In den letzten Jahren wurde zudem viel in die Infrastruktur investiert. Eine befestigte Straße wurde angelegt, Toiletten mit Wasserspülung wurden im Jahr 2003 eingeführt und mittlerweile gibt es sogar Internet. Nichtsdestotrotz bleibt die Zukunft der abgeschiedenen Insel ungewiss, nur eine Person hat bisher auf den Appell reagiert.

5 Comments on “Pitcairn: Eine (fast) einsame Südseeinsel sucht neue Bewohner”

  1. Hallo, ich habe einen bekannten der ist Physiker und der hat mich gleich vor der Insel gewarnt, da quasi nebenan das Atomtestgelände der USA ist/war und dies zwar nicht bedrohlich ist, aber die Strahlung kommt je nach Wind zur Insel und ist seiner Meinung nach auch der Grund für die vielen Abwanderungen der Ureinwohner.

  2. Ja klar, Hans und die Bewohner werden reihenweise durch die Strahlung dahingerafft. Die Abwanderung hat ganz andere Gründe die ganz einfach mit etwas Internetrecherche in Erfahrung zu bringen sind.

  3. Hallo an die Leser hier

    Das liest sich ja alles ziemlich spannend und ich der an gold old germany nichts mehr findet, kann ja dort auch seinen Lebensabend (so er schon soweit ist) möglicherweise verbringen. Reicht es dort mit einem knappen englisch (lernt man dann ja eh) oder muss ich mehr als Geld und Euphorie mitbringen. Sollte es nicht gut gehen kann ich wieder zurück. Oder was meinen die Fachleute hier?
    Seit dem Film mit der bounty, mit brando, habe ich ein unglaubliches Fernweh. Jahrzehnte her. 2017 will ich sechs Wochen auf die Gesellschaftsinseln. Dort ist aber das einwandern ungleich schwerer. Von daher scheint das hier, wo Bewohner gesucht werden etwas leichter.
    Weiß einer hier wie ich das überhaupt anfangen muss?
    Bernd

  4. Hallo Sprenger,

    Schau doch mal auf die offizielle Website der Insel: http://www.immigration.gov.pn/ Dort solltest du alle Informationen zum Einstieg finden. Unter dem Menüpunkt „Make Contact“ kannst du auch gleich Kontakt zu den dortigen Behörden aufnehmen.

    Viele Grüße

    Rainer

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