Checkliste für Auswanderer

Rainer21.03.2011 in Vorbereitung

Eine Auswanderung ist eine schwere Veränderung im Leben eines Menschen. Falsche Vorstellungen, zu hohe Erwartungen und eine unzureichende Vorbereitung sind die Hauptgründe für gescheiterte Auswanderungen. Wer Auswandern will, muss zahlreiche Dinge beachten und Vorbereitungen treffen. Hier verliert man schnell den Überblick. Damit Ihre Auswanderung ein echter Erfolg wird, haben wir mit großer Sorgfalt die nachfolgende Checkliste für Auswanderer zusammengestellt.

1. Das Traumland finden

Es zeugt von Naivität, wenn man nach nur einem Urlaub in einem anderen Land auswandern möchte. Idealerweise kennt man das Auswanderungsziel schon von vergangenen Aufenthalten her. Urlaube eignen sich nur bedingt, um Länder richtig kennen zu lernen. Der Alltag sieht meist ganz anders aus. Wer noch geringe Zweifel hat, sollte zunächst einen zeitbegrenzten Weggang planen. Das kann über einen Expat-Aufenthalt, ein Praktikum, einen Austausch oder einem Sommerjob geschehen. Auch langjährige Auswanderer werden immer wieder von neuen Dingen überrascht, die in keinem Auswanderungsratgeber standen. Daher ist es ratsam, sich über Besonderheiten zu informieren. Bücher und Ratgeber vom Auswandern bieten eine optimale Grundlage. Reiseliteratur informiert umfassend über die geographischen Gegebenheiten und zeigt die Schönheiten des Landes auf. Auswanderer sollten sich auch über das politische und wirtschaftliche System des Auswanderungsziels informieren. Empfehlenswert ist das Erstellen einer Pro+Contra-Liste im Vergleich mit Deutschland. Hieraus kann man genau erkennen, welche Vorteile eine Auswanderung hat und mit welchen Abstrichen zu rechnen ist. (Länder A-Z)

2. Sprachkenntnisse

Nur wer in die deutschsprachige-Schweiz, nach Österreich oder Südtirol auswandert, kommt ohne zusätzliche Fremdsprachenkenntnisse aus. Für alle anderen gilt: wer auswandern will, muss unbedingt über Fremdsprachenkenntnisse verfügen. Zu viele Auswandererträume scheitern an mangelnden Sprachkenntnissen! Generell sollten sich Auswanderer in englischer Sprache verständigen können. Darüber hinaus ist es in vielen Ländern notwendig auch über Grundkenntnisse der jeweiligen Landessprache zu verfügen, da Behördengänge oder der Aufbau sozialer Kontakte ansonsten nur schwer möglich ist. Da der Auswanderung in der Regel eine gewisse Vorlaufzeit zur Planung vorausgeht, sollte die Zeit unbedingt genutzt werden um Sprachkenntnisse mittels Sprachkurs (z.B. an der VHS) oder Vokabeltrainer aufzufrischen.

3. Die Existenz muss gesichert sein

Eine sichere Existenz in Deutschland sollte nur nach genauer Abwägung aufgegeben werden. Bei jeder Auswanderung sollte die Sicherung der Existenz an erster Stelle sein. Experten raten eingehend davon ab, ohne feste Jobaussichten und ohne finanzielle Rücklagen ins Ausland zu gehen. Auch wer ein Jobangebot gefunden hat, sollte die Auswanderung umschauend angehen. Die meisten Verträge beinhalten eine Probezeit. Vor Ablauf der Probezeit, sollte der deutsche Wohnsitz beibehalten werden. Auswanderungsberatungsstellen empfehlen sogar, erst nach einem Zeitraum von mindestens einem Jahr die Zelte in Deutschland mit und mit abzubauen. Hier ist natürlich das Lohnniveau zu beachten. Sollten die Löhne im Auswanderungsland niedriger sein, ist die Haushaltbeibehaltung in Deutschland nur schwer möglich. Daher benötigt man finanzielle Rücklagen oder Freunde und Verwandte, die Möbel und Hausrat unterstellen und eventuell eine Bleibe zur Verfügung stellen, falls die Auswanderung scheitert.

Umzug von Jens-Olaf by Flickr.com

Umzug von Jens-Olaf by Flickr.com

4. Der Umzug

Gerade der Umzug in die neue Heimat wird von vielen Auswandern unterschätzt. In Deutschland haben sich meist über Jahre hinweg Einrichtungsgegenstände und ähnliche Dinge angesammelt. Das Umzugsgut fällt viel höher aus als erwartet. Daher sollten Auswanderer gründlich ausmisten. Ein Umzug ist mit hohen Kosten verbunden. Nicht immer lohnt sich die Mitnahme von Mobiliar. Es ist ratsam sich zuvor zu erkundigen. Was kosten beispielsweise Küchengeräte oder Möbel am Zielort? Welche Dinge sollten in jedem Fall mitgenommen werden und worauf kann man getrost verzichten? Das sind grundlegende Fragen, die beantwortet werden sollten. Überschüssige Sachen kann man bei eBay oder auf den örtlichen Flohmärkten verkaufen. Ob der Umzug in Eigenregie durchgeführt werden sollte oder ob es erforderlich ist, eine Spedition zu beauftragen, hängt von verschiedenen Kriterien ab. Wer in Europa oder in Nachbarländer auswandert kann den Umzug auch selber abwickeln. Vorausgesetzt, dass das Umzugsgut überschaubar ist. Aber Achtung: Nicht in jedem Land dürfen Miet-LKWs aus anderen Ländern gesteuert werden. Sollten mehrere Fahrten erforderlich sein, sollte man zunächst eine detaillierte Kostenaufstellung vornehmen. Nicht selten ist dann die Beauftragung einer Spedition kostengünstiger. Wer in ferne Länder auswandern will, sollte das Umzugsgut generell nur auf die nötigsten Dinge beschränken. Idealerweise können die Sachen problemlos im Flugzeug mittransportiert werden. Trotzdem sollte man sich vorab bei der Fluggesellschaft informieren und die Raten für Übergepäck vergleichen. Sperr- und Sondergepäck muss bei einigen Fluglinien angemeldet werden. Ist das Umzugsgut zu umfangreich, bleibt nur noch der Transport auf dem Seeweg. Die Anmietung von Seecontainern ist teuer! In einigen Ländern ist es erforderlich, dass jeder Umzugsgegenstand aufgelistet wird. Das kostet Zeit und Geld. Unabhängig vom Auswanderungsziel, sollte man vorab einen Kostenvoranschlag anfordern.

5. Visum, Pass und Arbeitserlaubnis

Auswanderer sollten zunächst ihre Pässe kontrollieren. Es ist wichtig, dass der Pass noch gültig ist. Eine aktuelle Gültigkeit reicht unter Umständen nicht aus, da einige Auswanderungsbehörden eine Mindestgültigkeit verlangen. In manchen Ländern ist die Einreise nur mit einem Reisepass möglich. Auch Kleinkinder sollten im Besitz eines Reisepasses sein. Sollte der Pass in absehbarer Zeit ablaufen, ist es ratsam den Pass noch in Deutschland zu verlängern oder einen neuen zu beantragen. Eine Neubeantragung oder Verlängerung im Auswanderungsland ist generell nur über die deutsche Botschaft oder die deutschen Generalkonsulate möglich. Diese findet man in der Regel immer nur in den Hauptstädten. Es könnte eine lange Anreise erforderlich sein. Zudem sind die Kosten höher als in Deutschland, da die Sachen über eine Amtsstelle in Berlin abgewickelt werden. Neben den Ausstellungsgebühren werden auch hohe Portokosten fällig. Idealerweise liegen Arbeitserlaubnis und Visum schon bei der Einwanderung vor. In manchen Ländern kann man ohne Aufenthaltsgenehmigung keine Arbeit aufnehmen. Nicht überall werden die gewünschten Papiere sofort ausgestellt. Oft kommt es zu Wartezeiten. Das sollte in der Planung unbedingt berücksichtigt werden. Eine gute Vorbereitung ist das A und O einer erfolgreichen Auswanderung.

6. Zeugnisse, Diplome und Befähigungsnachweise

Deutsche Zeugnisse, Diplome, Befähigungsnachweise oder andere berufliche Dokumente werden nicht in jedem Land anerkannt. Im schlimmsten Fall ist die vorhandene Ausbildung im Auswanderungsland nicht gültig. Um teure Nachschulungen zu verhindern sollte man sich zuvor informieren. Auskunft erteilt das Kultusministerium der Länder oder das Raphaels-Werk. Einige ausländische Kammern fordern einige Ausbildungserweiterung am Zielort. Das gilt insbesondere für Berufe im medizinischen Bereich. Fehlt dieser Zusatz, darf keine Arbeit aufgenommen werden. Selbst wenn der künftige Arbeitgeber die Papiere anerkennt, heißt das noch lange nicht, dass Kammern und Behörden es auch tun. Es ist durchaus möglich, dass eine Übersetzung in die Landessprache und eine Beglaubigung der Papiere erforderlich ist. Vorsicht ist auch mit Führerscheinen geboten. Nicht jedes Land erkennt den deutschen Führerschein an. Trucker sollten besonders sorgfältig sein. Ein einfacher LKW-Führerschein reicht in vielen Ländern nicht aus, um eine Arbeit aufzunehmen. Wer hier als LKW-Fahrer arbeiten will benötigt zusätzliche Qualifikationen und Schulungen, wie zum Beispiel einen Führerschein für Gefahrguttransporte oder mehr achsige Fahrzeuge. Auch einfache Befähigungsnachweise, wie beispielsweise ein Schweißerschein oder ein Gabelstapler-Führerschein werden nicht in jedem Land akzeptiert. Nachschulungen am Zielort sind dann unausweichlich. Wer sich im Ausland selbstständig machen, will benötigt noch weitere Papiere. Hier gibt es hilfreiche Tipps für Selbstständige.

New York Skyline von CJ.Isherwood by Flickr.com

New York Skyline von CJ.Isherwood by Flickr.com

7. Krankenversicherung

Sobald man offiziell in ein anderes Land eingewandert ist, endet die deutsche Krankenversicherung automatisch. Es ist bis auf wenige Ausnahmen nicht möglich seine Krankenversicherung in Deutschland weiter aufrecht zu erhalten. Für die Übergangszeit sollten zusätzliche Absicherungen getroffen werden. Eine Auslandskrankenversicherung kann diese Zeit überbrücken. Eine deutsche Adresse oder ein deutscher Wohnsitz ist beim Abschluss erforderlich, d.h. man muss die Absicherung vor der Ausreise abschließen. Wer nur eine begrenzte Zeit ins Ausland geht, kann unter Umständen seine deutsche Krankenversicherung beibehalten. Hier sollte man sich zunächst bei der örtlichen Krankenkasse erkundigen. In jedem Fall muss der deutsche Krankenversicherungsvertrag gekündigt werden. Viele Auswanderer vergessen die Kündigung häufig. Das kann zu großen Problemen führen, wenn man zwar schon im Ausland arbeitet, aber noch in Deutschland gemeldet ist. In diesem Fall müssen die ausstehenden Beiträge an die Krankenkasse nachgezahlt werden. Das kann auch dann erforderlich sein, wenn man schon über das ausländische System abgesichert ist. Vorsicht ist auch geboten bei Ländern in denen keine Krankenversicherungen bestehen. Manche Auswanderer nutzen dann immer noch die deutsche Krankenkasse und tarnen ihren Auslandsaufenthalt als Reise. Von solchen Vorgehensweisen ist abzuraten, weil es im schlimmsten Fall als betrügerische Handlung angesehen wird. Der Auswanderer bleibt dann nicht nur auf den Behandlungskosten sitzen, sondern muss sich unter Umständen noch vor Gericht verantworten. Zusätzliche Versicherung, zum Beispiel für Zahnersatz oder Krankenhausaufenthalte enden nicht automatisch mit der Beendigung des Krankenversicherungsverhältnisses. Diese Verträge müssen gesondert gekündigt werden. Die meisten Verträge beinhalten Kündigungsfristen, die auch im Falle einer Auswanderung gelten.

8. Mietverträge und Immobilien

Wann ein bestehendes Mietverhältnis in Deutschland gekündigt werden sollte ist nicht pauschal zu beantworten. Einerseits sollten Kündigungsfristen schon wegen der Mietkosten unbedingt eingehalten werden. Andererseits wird aber davon abgeraten, die Zelte in Deutschland allzu früh abzubauen. Daher sollte jeder Auswanderer individuell entscheiden, wann er ein bestehendes Mietverhältnis in Deutschland kündigt. Allerdings sollte man gewisse Verzögerungen in Betracht ziehen. Problematisch wird es, wenn der Nachmieter schon vor der Türe steht. Dann sind auch kleine Mietverlängerungen meist nicht möglich. Wird eine Wohnung nicht fristgerecht leer geräumt, können teure Kosten für Transport und Aufbewahrung entstehen. Wer in ferne Länder auswandert sollte Freunde oder Verwandte in Deutschland bitten, die Sache zu überwachen und zu koordinieren. Auch im Ausland selber kann es Probleme geben. In einigen Ländern kommt es bei Immobiliengeschäften oft zu kriminellen Handlungen. Wie sie verhindern ein Opfer von Betrug zu werden erfahren Sie unter „Fallen beim Auswandern“.

9. Verträge und Abos

Viele Auswanderer bemerken erst bei der Auswanderung, dass sie eine große Anzahl an Verträgen und Abos haben. In den meisten Fällen müssen Kündigungsfristen eingehalten werden. Die meisten Probleme für Auswanderer entstehen bei der Kündigung von Handyverträgen und Zeitschriften-Abonnements. Nicht jeder Handyprovider sieht in der Auswanderung einen Kündigungsgrund. Das gilt insbesondere, wenn die Handynutzung an einen zeitlichen Vertrag gebunden ist. Es kann durchaus passieren, dass Handyverträge bis zu 2 Jahre nach der Auswanderung weiterhin gültig sind. Die Hintergründe sind eindeutig. Der Handy-Provider erhofft sich einen satten Gewinn von der Auslandsnutzung der Handys. Wer in absehbarer Zeit beabsichtigt auszuwandern, sollte daher keine bindenden Handyverträge, schon gar nicht mit dem Erhalt von billigeren oder kostenlosen Handys eingehen. Auch Zeitschriftenabonnements können schnell zur finanziellen Falle werden. Nur in seltenen Fällen wird eine Auswanderung als Kündigungsgrund anerkannt. Nachsendungen ins Ausland sind übrigens nicht möglich. Die Zeitschrift wird bis zur Kündigung an eine deutsche Adresse geliefert. Denken Sie auch an bestehende Mitgliedschaften. Meist gilt auch hier eine Kündigungsfrist. Verträge für Fitnessstudios sind meist zeitlich befristet. Eine vorzeitige Kündigung ist nicht möglich. Solche Belastungen müssen in das Auswanderungsbudget mit eingerechnet werden.

4 Comments on “Checkliste für Auswanderer”

  1. Ich bin seit 2010 Rentner und möchte meinen Wohnort in ein anderes Land verlegen. Was ist besser: Ein Daueraufenthalts Recht mit der Option der Rückkehr oder Dauerhaft als Auswanerer?

  2. Hallo Karl Heinz,

    diese Frage kann man nicht pauschal beantworten. Das hängt in erster Linie vom Zielland ab. Natürlich spielen auch andere Aspekte eine wichtige Rolle.

    Alles Gute für Deineb Auswanderung und viele Grüße
    Carina

  3. Hallo,
    musste vor 15 Jahren nach Argentinien, wegen Tod meines Vaters.
    Seit dem habe ich mehrere Arbeitstellen gehabt. Leider konnte ich meinen Deutschen Titel „Dipl.-Ing.(FH) Energie- und Wärmetechnik“ nie anwenden, und er wurde auch nie anerkannt, weil es diesen Studiengang in Argentinien nicht gibt. Hinzu kam immer wieder die starke Abneigung der argentinischen Kollegen Deutschen gegenüber. Nun möchte ich (55) mit meiner Frau (35) und Kind (4 J.) nach Deutschland zurück. Wir sprechen alle perfekt Spanisch und ich bin ausser Dipl.-Ing.(FH), auch Dolmetscher und Übersetzer mit mehrjähriger Berufserfahrung. Was muss ich tun und beachten, damit meine / unsere Rückkehr nicht scheitert und ich gleich eine Arbeit habe.

  4. Hallo Miguel,

    schön, mal ein Lebenszeichen von dir zu bekommen. Magst dich mal bei mir melden? mheckl@vds.de

    Liebe Grüße

    Martin Heckl

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