Von München nach Sydney: Interview mit einem Australien-Auswanderer

Rainer12.02.2014 in Interview

sydney by earth hour global /flickr

Im heutigen Interview dreht sich alles um Australien. Philipp ist kürzlich mit seiner Frau in die Traumstadt Sydney gezogen und hat bereitwillig meine Fragen zu seiner Auswanderung beantwortet. Viel Spaß beim lesen!

1. Hallo Philipp, bitte stell dich meinen Lesern kurz vor.

Meine Frau Judith und ich sind in unseren dreißigern, kommen aus München und sind Ende letzten Jahres nach Sydney gezogen.

2. Was war der Grund für den Umzug nach Australien? Warum gerade Sydney?

Judith und ich hatten schon länger den Gedanken, dass wir nochmal eine Weile im Ausland leben wollten. Als sich die berufliche Gelegenheit ergab, haben wir schon kurz überlegt. Unser Leben in München war schließlich völlig in Ordnung, job-technisch wie auch ansonsten. Der letzte Sommer war super, besonders das Grillen an der Isar ;).

Aber es war eben was wir wollten, also gab es nie echte Zweifel an unserer Entscheidung. Es half natürlich, dass wir keine neue Sprache würden lernen müssen. Ein weiterer Pluspunkt gerade für mich war die Nachbarschaft zu Neuseeland. Ich habe als Referendar dort gelebt und bin seither einige Male mit Judith da gewesen. Auch Sydney kannten wir schon. Die Stadt ist eine globale Metropole mit endlosen Stränden. Alle Zeichen standen auf grün.

3. Wie war euer Vorgehen bei der Auswanderung? Welche bürokratischen Hürden musstet ihr überwinden?

Judith ist Bau- und Umweltingenieurin und ich bin Anwalt. Die Jobsituation hatten wir schon von Deutschland aus geklärt, das machte natürlich alles einfacher und gab uns Planungssicherheit.

Wir hatten in dem Zusammenhang auch die verschiedenen Visa-Kategorien studiert. Judith ist als Ingenieurin auf der „skilled occupation list„. Nach dem Punktesystem kam damit ein permanent residency visa in Frage. Gegenüber den anderen Visakategorien bietet das einige Vorteile, etwa bei der Krankenversicherung.

Generell darf man nicht unterschätzen, dass der Prozess eine Menge Zeit und Geld kostet, im Wesentlichen für die Aufbereitung der Unterlagen und beglaubigte Übersetzungen. Als der Antrag dann verschickt war, kam die Zusage aber sehr schnell.

4. Was sind die größten Unterschiede zwischen dem Leben in Europa/Deutschland und dem Leben in Australien?

Der größte Unterschied zu München ist für uns wahrscheinlich, dass wir hier 30 Sekunden vom Strand wohnen ;). In Australien wird „Outdoor Living“ großgeschrieben, kein Wunder bei dem Wetter und den zigtausend Kilometern Küste. Die Aussies sind generell relaxt und genießen ihr Leben. Ende Januar war Australia Day, eine multikulturelle Straßenparty mit Barbecue und Open Air-Musik. Bis jetzt finden wir es klasse.

Der Strand direkt vor der Haustür cc Philipp / sydneybreeze.com

Der Strand direkt vor der Haustür cc Philipp / sydneybreeze.com

5. Ihr betreibt den Blog Sydneybreeze.com? Erzähl mal, worum geht’s?

Mit unserem Blog möchten wir rüberbringen, wie sich das Leben hier wirklich anfühlt. Dazu produzieren wir kleine Videos, Geschichten und Bilder. Zum Beispiel zeigt unser erstes Video wie es war, unser Leben in Deutschland zusammenzupacken, ins Flugzeug zu steigen und in einem neuen Land anzukommen. Das war eine intensive Erfahrung, und wir denken, das kommt auch rüber.

Sydney bei Nacht cc Philipp / sydneybreece.com

Sydney bei Nacht cc Philipp / sydneybreece.com

6. Welchen guten Tipp hättest du für künftige Australien-Auswanderer?

Machen! Damit meinen wir nicht die Fälle, in denen Leute in erster Linie vor etwas weglaufen, etwa weil sie ihr Leben in Deutschland doof finden. Aber wer einfach spürt, dass er etwas Neues kennenlernen will, sollte dem auch folgen. Letztlich treffen wir doch alle größeren Lebensentscheidungen aus dem Bauch, das kann man nur begrenzt rationalisieren.

Ein paar Indikatoren sollten dennoch auf grün stehen, etwa ein realistisches Budget für Visa und Umzug, das genug Luft für weiche Kosten und unvorhergesehene Ausgaben lässt. Das Organisatorische ist schon stressig genug, Geldsorgen kann man da als letztes gebrauchen. Dazu sollten einwandfreie Sprachkenntnisse kommen. Man kann kaum in eine fremde Kultur eintauchen, wenn man die Leute nicht versteht. Dann bleibt eigentlich nur noch, sich voll auf die neue Erfahrung einzulassen und nicht ständig alles mit Deutschland zu vergleichen.

Viele Dank für das Interview!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.