Leben auf einer eigenen Farm in Amerika – Interview mit Tennessee Auswanderin Nicole!

Rainer8.02.2014 in Interview

Chattanooga Tennessee cc Nicole / farm.2andahalf-acres.net

Im heutigen Interview spreche ich mit Nicole über ihre Auswanderung sowie ihr neues (Farm)Leben im US-Bundesstaat Tennessee. Viel Spaß beim Lesen!

1. Hallo Nicole, bitte stell dich meinen Lesern kurz vor?
Also ich heiße Nicole, bin Baujahr 1983 und bin mit meiner Familie 2010 aus dem schönen Schwabenländle nach Tennessee ausgewandert.

 

2. Viele künftige USA-Auswanderer träumen von einem Leben in New York, Kalifornien oder Florida. Tennessee zählt ja eher zu den weniger bekannten Bundesstaaten. Warum habt Ihr euch gerade für diesen Bundesstaat entschieden?
Für uns gab es die Entscheidung Tennessee oder in Deutschland bleiben. Wir haben uns für Tennessee entschieden. Eigentlich wollte ich NIE weg aus Deutschland und immer dort bleiben wo ich auch geboren bin, mit meiner Familie und meinen Freunden. Ein Urlaub hier hat jedoch alles verändert! Ja, Tennessee ist leider nicht so bekannt, ich weiß gar nicht wieso?! Es ist wunderschön hier, Elvis hat hier gelebt (Memphis) und viele Countrysänger leben hier (Nashville-area), jedoch ist mir wirklich schon öfters passiert, dass ich Deutschen erklären musste wo Tennessee liegt! Wer das Landleben liebt, wer gerne in der Natur ist der liebt auch Tennessee!

3. Wie schwierig waren die bürokratischen Hürden für die Einwanderung in eurem Fall?
Wir haben das Glück das dies alles über die Firma meines Mannes läuft, wir haben also nur ein paar Blätter auszufüllen und auf das Konsulat zu fahren für das Interview. Die Bürokratie ist jetzt nicht so schlimm für uns, was jedoch schlimm ist, ist das Visum an sich. Insgesamt müssen wir 6 Jahre auf die Greencard warten und ich darf in dieser Zeit nicht arbeiten was mich sehr frustriert. So versuche ich mich mit meiner Farm zu beschäftigen.

4. Gut, dass du das mit der Farm ansprichst. Damit kommen wir gleich zu meiner nächsten Frage 🙂 Erzähl mal ein wenig vom Farmleben in den USA?
Das war auf jeden Fall ein großes Plus was Tennessee betrifft. Wir lieben das Landleben, haben auch schon in Deutschland ländlich gewohnt und Hühner gehabt. Wir hatten einen relativ großen Garten (für Deutsche Verhältnisse) und nun sind wir dabei unseren Traum Stück für Stück zu vergrößern. Wir möchten auf jeden Fall noch mehr Tiere haben und auch mehr Land. Es gibt für mich nichts Schöneres auf der Welt zu sehen wie meine Kinder hier aufwachsen können, wie sie den Umgang mit den Tieren lernen. Im Moment ist unsere Ziege „Wilma“ schwanger und mein Sohn und ich lernen viel Neues dazu. Es macht mir großen Spaß mit ihm zusammen die Ziege zu untersuchen wie weit sie nun schon schwanger ist (es gibt verschiedene Anzeichen und sie kam schon schwanger zu uns, so können wir nur erraten wann sie die Babys bekommt). Wir lesen sehr viel zusammen darüber und schauen uns dann die Ziege zusammen an. Liara – meine Tochter- liebt das Pferd und möchte unbedingt auch Reiten lernen. Im Moment ist das Pferd aber noch nicht Kindersicher und ich freue mich darauf im Frühjahr mit meiner Freundin zusammen unser Pferd zu trainieren. Wie Du siehst es gibt immer was zu tun hier und auch immer neue Dinge zu entdecken, es macht wirklich Spaß.

Farmleben in den USA

Liara & Jonas cc Nicole / farm.2andahalf-acres.net

5. Welche nennenswerten Unterschiede gibt es sonst noch zwischen dem Leben in Tennessee und Deutschland?
Ich bin hier umgeben von viel Land, Bergen und Wasser. In Deutschland hatten wir das zwar auch aber nicht in dieser Menge. Der größte Unterschied ist jedoch auch wie ich finde, dass die Leute hier sehr viel freundlicher sind. Die Deutschen sagen auch gerne das die Amerikaner oberflächlich sind, ich weiß nicht ob man das oberflächlich nennen kann oder einfach vielleicht nur eine freundlichere Erziehung? Ich weiß es nicht, was ich jedoch weiß, ist das ich überall mit einem Lächeln empfangen werde, egal ob es nun an der Kasse vom Supermarkt ist, in der Bank oder irgendwo anders. In Deutschland sind viele Menschen sehr im Stress und sehr auf sich selbst konzentriert und alles muss unglaublich schnell gehen im Berufsleben das die Freundlichkeit auf der Strecke bleibt oft. Ich muss hier zwar mal länger an der Kasse warten bis ich an der Reihe bin aber damit kann ich gut leben. Hier im Süden geht halt alles etwas langsamer, dafür etwas freundlicher und ein kleiner Plausch an der Kasse stört niemanden.
Ich finde das Leben hier „freier“, wir sind sehr viel draußen unterwegs! Angefangen beim Wildcamping (was in Deutschland verboten ist) über Angeln (wofür man in Deutschland erst einmal in die Schule gehen muss und hier kauft man sich eine Angellizenz im Supermarkt) über Boot fahren auf dem See (hätten uns nie ein Boot in Deutschland leisten können und selbst wenn, wo hätten wir fahren sollen? Auf der Fils?!

4WheelerFun

4WheelerFun cc Nicole / farm.2andahalf-acres.net

Wasserspaß in den USA

Wassersport in den USA cc Nicole / farm.2andahalf-acres.net

6. Deine Kinder gehen mittlerweile auch in die Schule. Wie läuft das in den USA ab? Wie ist dein bisheriger Eindruck vom amerikanischen Schulsystem?
Meine Kinder gehen nun hier in den Kindergarten und in die Grundschule. Es wird sehr viel von den Kindern verlangt und erwartet. Ich muss zugeben oft habe ich damit große Probleme. Meine Kinder gehen um 7:40 aus dem Haus und kommen um 16:20 zurück, danach müssen sie auch noch Hausaufgaben machen und Kind sollten sie auch noch sein. Meine Tochter ist 5 Jahre alt, sie macht im Kindergarten nun schon Mathematik, lernt das schreiben und auch das lesen. Sie tut sich damit oft sehr schwer damit und das bricht mir mein mütterliches Herz wenn ich sie dann so sehe, sie ist einfach noch zu kindlich. Ich weiß nicht ob ich zu Deutsch bin, aber ich finde Kinder sollten auch bisschen Kind sein und nicht nur am Lernen sein. Ich finde ein Kind in dem Alter das so lange aus dem Haus ist sollte nicht auch noch Hausaufgaben machen müssen, ich versuche da nun also einen Mittelweg zu finden das wir immer noch 30-40min Hausaufgaben machen und wenn sie es dann nicht geschafft hat, dann macht sie den Rest einfach am nächsten Tag. Damit ecke ich natürlich an aber wie ich schon gesagt habe, ich finde ein Kind muss auch ein Kind sein und ich möchte meiner Tochter auch den Spaß an der Schule/Kindergarten nicht nehmen.

7. Du betreibst auch einen Blog blog.windgeflüster.net. Um was geht’s in deinem Blog und was können wir in zukünftig noch von dir erwarten?
Mein Blog ist übrigens umgezogen und man kann ihn nun finden unter http://www.blog.windgefluester.net, ich möchte weiterhin in meinem Blog über unser Farmleben und unsere Auswanderung berichten. Hier ist eigentlich immer etwas los, manchmal schon zu viel so dass ich kaum zum Blog schreiben komme, außerdem möchte ich weiterhin mich etwas mit der Fotografie beschäftigen was natürlich auch auf meinem Blog zu finden ist. Es lohnt sich mal reinzuschauen.

8. Welchen Tipp würdest du zukünftigen USA/Tennessee-Auswanderern mit auf den Weg geben?
Ich kenne leider sehr viele Auswanderer die ausgewandert sind und nur am meckern sind. Bitte, wenn Ihr auswandert denkt daran Ihr geht freiwillig in ein anderes Land, es ist nicht Deutschland und es herrscht in diesem Land auch eine andere Kultur! Seit offen für neues und versucht alles etwas lockerer zu sehen. 🙂

Vielen Dank für das Interview!

2 Comments on “Leben auf einer eigenen Farm in Amerika – Interview mit Tennessee Auswanderin Nicole!”

  1. Ich spiele schon länger mit dem Gedanken auszuziehen, aber bin mir immer noch nicht sicher, wohin die Reise in ein neues Leben gehen soll. Ich bedanke mich vielmals für diesen tollen Blog! Werde jetzt öfter mal hier vorbeischauen!

  2. Guten Morgen

    ich habe die folgende Fragen:
    – was verstehen Sie bitte „Kultur“
    – ist es korrekt, dass jeder Bürger sich bewaffnen kann – ohne Ansehen der Person – somit man jederzeit unverhofft unter den Blümchen liegen kann?
    Dankeschön

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