Als Rentner in die USA auswandern: Florida, Kalifornien oder Hawaii?

Rainer HellsternRente im AuslandKommentar verfassen

Am Strand in Miami (South Beach) Florida

Die USA zählen zu den beliebtesten Zielen für deutsche Rentner, wenn es um den Ruhestand im Ausland geht. Vor allem der Sonnenstaat Florida zieht Zehntausende von Senioren aus Deutschland an. Statt den nasskalten Wintern hierzulande können Ruheständler in Florida ganzjährig ein warmes und sonniges Klima genießen. Doch so ganz reibungslos können Ruheständler nicht in die Vereinigten Staaten auswandern. In den USA gibt es strenge Vorschriften für die Vergabe der Greencards. Nur wer gut vorbereitet über den großen Teich zieht, erlebt keine unliebsamen Überraschungen.

Rentnerparadies Florida

Florida hat schon lange den Ruf, ein Rentnerparadies zu sein. An durchschnittlich 360 Tagen im Jahr scheint hier die Sonne, der Bundesstaat bietet entlang der 2.173 km langen Küstenlinie unzählige Traumstrände. Über zwei Millionen zumeist US-Rentner haben sich bereits dauerhaft in dem Sonnenstaat nieder­gelassen. Damit ist Florida der Bundesstaat mit dem höchsten Altersdurchschnitt in den gesamten Vereinigten Staaten (41 Jahre). Florida hat sich auch hervorragend auf die ältere Zielgruppe eingestellt. Teilweise existieren in Florida regelrechte Senioren-Städte mit perfekt auf die Bedürfnisse der älteren Bürger angepasster Infrastruktur.

Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu anderen US-Bundesstaaten wie New York und Kalifornien niedrig, für europäische Verhältnisse aber dennoch nicht günstig.

Lebenshaltungskosten in Florida

Viele Rentner bevorzugen hinsichtlich des Alterswohnsitzes Floridas Golfküste. Das hat verschiedenste Gründe: Der Westen Floridas ist zum einen deutlich weniger dicht besiedelt als die Atlantikküste. Insbesondere im Vergleich zur Atlantikküste rund um den Großraum Miami / Fort Lauderdale mit seinen 5 Millionen Einwohnern geht es im Westen vielerorts deutlich ruhiger und entspannter zu. An der Westküste gibt es viele schöne Badestrände. Diese haben seichtes, flach abfallendes Wasser und außerdem weniger Wellengang wie auf der Atlantikseite. Als besonders beliebt bei deutschen Rentnern gilt die Region um Fort Myers / Cape Coral. Insbesondere Cape Coral, das wegen seiner zahlreichen Kanäle wie ein Mini-Venedig wirkende Örtchen, zieht immer mehr Ruheständler aus Deutschland an.

Cape Coral - Florida
Cape Coral – Florida

An der Westküste rund um Cape Coral / Fort Myers sind die Immobilienpreise für Florida­verhältnisse zudem sehr günstig. Ein netter Bungalow unter Palmen ist in Cape Coral durchaus für 100.000 Dollar auf dem Markt erhältlich, wobei der durchschnittliche Verkaufspreis bei Häusern aktuell (Stand: April 2021) bei ca. 266.000 US-Dollar liegt.

Naples - Florida
Naples – Florida

Wer finanziell gut ausgestattet ist, zieht gerne in Lifestyle-Orte wie Naples (ebenfalls Golfküste – 70 km südlich von Fort Myers) oder das mondäne Palm Beach auf der Atlantikseite. Die beiden Städte zählen zu den wohlhabendsten Gemeinden in den ganzen USA. Der durchschnittliche Häuserpreis liegt allerdings weit höher als in Fort Myers / Cape Coral. Wer in Naples eine Immobilie erwerben möchte, bezahlt im Durchschnitt 369.816 US-Dollar. Nach oben hin gibt es kaum Grenzen. Villen in Naples können bis zu 40 Millionen Dollar kosten.

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Welche Alternativen gibt es zu Florida?

Die Vereinigten Staaten sind gut 25-mal so groß wie Deutschland, entsprechend gibt es hinsichtlich eines Alterswohnsitzes zahlreiche weitere Alternativen. Allerdings sind nicht alle Regionen gleicher­maßen als Ruhestandsziel beliebt. In den hohen und kalten Norden, beispielsweise nach Alaska, zieht es Rentner nur in ganz seltenen Fällen. Viele bevorzugen ein warmes und sonniges Klima und idealerweise auch Küstennähe. Die beliebtesten Regionen für den Ruhestand in den USA liegen daher fast ausschließlich im Süden der USA, im sogenannten „Sun Belt“ (übersetzt Sonnen­gürtel).

Der Sonnen­gürtel dehnt sich vom Süd­westen der USA bis zum Südosten aus. Die bekanntesten Bundes­staaten sind im Westen (Süd-)Kalifornien, Nevada, Arizona, Texas und im Osten Florida und South Carolina. Vom Online Magazin Topretirements.com neben Florida zu den besten Ruhestandszielen gekürt wurden die Städte Charleston, Beaufort und Myrtle Beach (alle South Carolina), Asheville (North Carolina), Austin (Texas) und Prescott, in der sonnenreichen Wüste von Arizona. Insbesondere die Südstaaten stellen auch preislich eine gute Alternative zu Florida dar.

Kalifornien ist ebenfalls ein beliebtes Ziel für Rentner, die den Ruhestand unter der kalifornischen Sonne genießen möchten. Der Bundesstaat hat allerdings ein anderes Steuerrecht als das vergleichsweise preiswerte Florida und so sind hier Grundstücke und Immobilien erheblich teurer. Auch die Lebenshaltungskosten sind mit die höchsten in den Vereinigten Staaten. Zahlungskräfte Individualisten zieht es beispielsweise in das schöne Santa Monica am Pazifik oder das wohlhabende Örtchen Pacific Palisades (beides Vororte von Los Angeles). San Diego (weiter im Süden) ist ebenfalls ein beliebtes Ziel für Ruheständler.

Das tropische Inselparadies von Hawaii mit seinen Traumstränden ist ebenfalls eine interessante Option für den Ruhestand, allerdings sind auch hier die Lebenshaltungskosten deutlich höher als in Florida. Immobilien, Mieten und Lebensmittel sind im Durchschnitt 30 % teurer als auf dem amerikanischen Festland. Auch die Entfernung nach Hawaii ist gewaltig, die Flugzeit von Deutschland nach Honolulu beträgt mindestens 20 Stunden.

Traumstrand in Hawaii
Traumstrand in Hawaii

Klima

Das Klima in Florida ist subtropisch und ganzjährig warm, daher hat sich der Bundesstaat zu Recht den Ruf als beliebtes Reiseziel für die Wintermonate erworben. Die beste Reisezeit ist von November bis März, wenn es bei maximal 26 Grad warm und trocken ist. Allerdings ist dann auch touristische Hauptsaison und die Preise liegen entsprechend höher. Florida-Auswanderer sollten unbedingt beachten: Die Sommer in Florida können unerträglich heiß werden und die Kosten für die unumgängliche Klimaanlage sind erheblich. Von April bis Oktober, wenn das Wohnen ohne Klimaanlage nahezu unmöglich wird, ist daher Nebensaison in Florida. Der meiste Niederschlag fällt in Florida in den Sommermonaten von Juni bis Oktober. In diese Zeit fällt auch die Hurrikan-Saison, die Florida regelmäßig trifft.

Aufenthaltsbedingungen / Visum

Ein Rentnervisum, wie etwa in Thailand oder Südafrika erhältlich, gibt es für die USA leider nicht. Egal, wie viel US-Dollar ein deutscher Rentner mit in die Staaten bringt, er/sie muss sich mit einem temporären Aufenthalt von maximal 180 Tagen begnügen. Das Visa-Waiver-Programm ermöglicht deutschen Staatsbürgern relativ unkompliziert einen 90-tägigen USA-Aufenthalt. Im Vorfeld des Aufenthalts muss online der sogenannte Esta-Antrag gestellt werden (Kosten: 14 Dollar). Das B-2 Besuchervisum erlaubt Aufenthalte von bis zu 180 Tagen am Stück (Kosten: 160 Dollar). An dieser Aufenthaltsbeschränkung ändert auch ein Immobilienbesitz in den USA nichts. Unter gewissen Voraussetzungen (und mit sehr hohen Kosten verbunden) ist eine Greencard für Unternehmer in den USA möglich. Doch die wenigsten Rentner möchten in den USA ein Unternehmen gründen bzw. leiten. Wer dauerhaft in die USA auswandern möchte, für den bleibt meist nur die Teilnahme an der jährlichen Greencard-Lotterie, bei der jährlich 50.000 Greencards (Daueraufenthaltsberechtigungen) verlost werden. Wer bei der Greencard Lotterie kein Glück hat, dem bleibt nur die Überwinterung in den USA und ein Sommerwohnsitz in Deutschland. Die beste Reisezeit für Florida ist nämlich in den Wintermonaten von November bis März, wenn es angenehm warm und trocken ist bei maximal 26 Grad.

Krankenversicherung

Krank werden kann in den USA teuer werden. In keinem Land der Erde kosten Behandlung und Medikamente mehr als in den USA. Ein einziger Tag im Krankenhaus kann zwischen 2.000 und 4.000 US-Dollar kosten. Zudem ist Barzahlung beim Arzt und im Krankenhaus Usus, unabhängig davon ob man versichert ist oder nicht. Ausländer ohne Daueraufenthaltsberechtigung werden nicht in eine amerikanische Krankenversicherung aufgenommen, die hiesige Krankenversicherung übernimmt in den USA keine Kosten. Der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung ist daher vor Reiseantritt unbedingt empfehlenswert.

Sprache

Englischkenntnisse sind für Rentner in Florida unbedingt von Vorteil, auch wenn es gerade in Florida immer mehr deutsche Überwinterer, Dienstleister, Makler und Rechtsanwaltsbüros gibt. Auch Spanischkenntnisse werden in den USA immer wichtiger. In Florida ist Spanisch aufgrund der vielen lateinamerikanischen Einwanderer regional Zweitsprache. Ganz ähnlich verhält es sich in anderen Bundesstaaten wie beispielsweise Kalifornien.

Steuern

Bei Rentnern, die den Wohnsitz und den Lebensmittelpunkt (183-Tage Regel) in den USA haben, können die deutschen Finanzämter aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens keine Steuern auf die gesetzliche Rente verlangen. Anders sieht es bei Beamtenpensionen aus, diese bleiben weiterhin in Deutschland steuerpflichtig.

Artikel 18 [Ruhegehälter, Renten und Unterhaltszahlungen]: “Vorbehaltlich des Artikels 19 (Öffentlicher Dienst; Sozialversicherung) können Ruhegehälter und ähnliche Vergütungen, die eine in einem Vertragsstaat ansässigen Person für frühere unselbständige Arbeit als Nutzungsberechtigter bezieht, nur in diesem Staat besteuert werden.
Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen und einiger anderer Steuern (DBA 1991)

Rentenzahlung

Die Rente kann von der Deutschen Rentenversicherung entweder auf ein Konto in Deutschland oder ein Konto in den USA überwiesen werden. Sofern der Renteneingang auf ein US-Amerikanisches Konto erfolgt, muss allerdings mit Verlusten durch 1) Überweisungsgebühren und 2) Währungsumrechnungen gerechnet werden, die immer vom Rentenempfänger und nicht von der Deutschen Rentenversicherung getragen werden. Es gibt allerdings Tricks, wie Rentenempfänger die Verluste durch Auslandsüberweisungen deutlich reduzieren können (Siehe Artikel „Rentenzahlung ins Ausland“).

Fazit

Wer finanziell gut vorgesorgt hat, kann in Florida sein Rentnerdasein auf hohem Niveau genießen! Aufgrund der schwierigen Visumssituation empfiehlt sich aber eher die Überwinterung in den USA. Für die Sommermonate behält man am besten den Hauptwohnsitz in Deutschland. Wem der amerikanische Lebensstil gefällt, Florida aber zu teuer ist, kann einen Blick auf das bei US-Amerikanern immer beliebter werdende Ruhestandsziel Panama werfen.

über mich
Rainer Hellstern

Rainer Hellstern

Wer schreibt denn hier? Mein Name ist Rainer und ich bin Gründer und Autor des Auswandern Handbuchs. Seit 2008 verfasse ich hier im Blog Beiträge rund um die Themenfelder Arbeiten, Leben und Rente im Ausland. Du findest hier Informationsmaterial zu über 50 Auswanderungzielen weltweit!

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