Portugal – interessantes Ruhestandziel im Süden Europas?

Rainer23.12.2016 in Rente im Ausland

Über Portugal wurde bisher als Ruhestandsziel im Handbuch nur wenig berichtet. Doch das soll sich hiermit ändern. Denn das Land am äußersten Zipfel Westeuropas lockt nicht nur mit einem milden Klima und hervorragenden Stränden. Ein steuerlicher Sonderstatus sorgt dafür, dass gewisse Ruhegelder (Beamtenpensionen, Betriebsrenten) unter bestimmten Voraussetzungen sogar steuerfrei bezogen werden können.

Top-Auswandernungziel Algarve

Top-Ruhestandsziel ist die Algarve im Süden Portugals. Die Region an der 150 Kilometer langen Südküste ist mit Abstand das populärste Ferienziel des Landes und wurde bereits Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts touristisch erschlossen. In der Region gibt es zahlreiche Ortschaften, die mit Hotels und Ferienwohnungen um die Touristen zu buhlen. Insgesamt gibt es eine Bettenkapazität von ca. 100.000 Betten.

Hauptstadt der Region Algarve ist die ca. 45.000 Einwohner zählende Stadt Faro. Von dort aus gibt es direkte Flugverbindungen in viele Städte in ganz Europa. Mit dem Billigflieger reist man in zweieinhalb Stunden von Deutschland aus an. Je nach Saison und Verfügbarkeit gibt es Tickets bereits ab 30 bis 50 Euro.

Zwar zieht es die meisten Touristen zum Bade- und Strandurlaub in die Region, aber auch aktive Urlauber kommen ganz auf ihre Kosten. Eine hohe Konzentration von Golfplätzen sorgt dafür, dass sich der Golfsport zu einem wichtigen Tourismusfaktor in der Region entwickelt hat. Auch für ausgedehnte Wandertouren bietet sich die landschaftlich reizvolle Region an.

Mildes Klima im Winter

Mit durchschnittlich 300 Sonnentagen pro Jahr ist die Algarve im Prinzip als ganzjähriges Reiseziel geeignet. In den  Wintermonaten herrscht zwar kein Badewetter, aber man kann immerhin milde Temperaturen von 10 bis 15 Grad genießen. Während der Wintersaison ist die Algarve auch preislich gesehen ein Geheimtipp, denn die meisten Touristen kommen in den Sommermonaten. Baden ist von Mai bis Oktober möglich. Die touristische Hauptsaison ist von Juni bis September. Dann tummeln sich sonnenhungrige Urlauber an den Stränden der Algarve und die Höchsttemperaturen liegen bei dreißig Grad und darüber.

Lebenshaltungskosten

Portugal zählt zu den Krisenländern Südeuropas, die Preise und Lebenshaltungskosten sind insgesamt niedriger als in Deutschland. Allerdings kommt es stark darauf an, wo man sich in Portugal niederlässt. In der Touristenregion der Algarve (und den großen Städten Lissabon und Porto) ist das Leben teurer und die Preise erreichen ein normales mitteleuropäisches Niveau. Durchschnittlich ist der volle Einkaufskorb an der Algarve fast genauso teuer wie daheim in Deutschland: https://www.numbeo.com/cost-of-living/in/Faro

Sprache

Portugiesisch ist Amtssprache in Portugal. Englisch wird von den meisten Leuten gesprochen, was eine schnelle Eingewöhnung in dem Land ermöglicht.

Steueroase für Rentner – nicht ganz!

Im Internet liest man auf diversen Seiten, dass man als Rentner im Portugal zudem steuerfrei leben könne. Doch das ist leider nicht ganz korrekt und ich versuche etwas Licht ins Dunkel zu bringen:

Wie mit vielen anderen Ländern auch hat Deutschland und Portugal ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen, welches darüber entscheidet, ob das Quellenland der Rente (also Deutschland) oder das Wohnsitzland (das Land in dem ein Rentner den gewöhnlichen Aufenthalt hat / sich mehr als 183 Tage im Jahr aufhält) die Rente besteuern darf.

Das entsprechende DBA wurde bereits 1982 abgeschlossen und kann hier in seiner ganzen „juristischen“ Komplexität betrachtet werden: http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Internationales_Steuerrecht/Staatenbezogene_Informationen/Laender_A_Z/Portugal/1982-02-13-Portugal-Abkommen-DBA.html

Laut dem DBA liegt das Besteuerungsrecht für Ruhegelder beim Wohnsitzland (=dort wo die Person ansässig ist).

Ruhegelder und ähnliche Vergütungen, die einer in einem Vertragsstaat ansässigen Person für frühere unselbstständige Arbeit gezahlt werden, können nur in diesem Staat besteuert werden.

2009 wurde allerdings ein Sonderstatus für Neurentner in Portugal eingeführt. Das Gesetz „residente não habitual“ übersetzt in etwa als „nicht gewöhnliche Steuerresidenten“ sorgt dafür, dass Personen, die neu nach Portugal übersiedeln in den ersten 10 Jahren auf Ruhegelder keine Steuern zahlen müssen.

Daraufhin wurde in vielen Webseiten & Foren spekuliert, dass deutsche Rentner in Portugal künftig steuerfrei leben können.

Doch der Teufel steckt im Detail. Für den Fall, dass Portugal auf die Besteuerung verzichtet, sieht das DBA eine Art Rückfallregelung (subject-to-tax-clause) vor. D.h. der Quellenstaat also Deutschland erhält wieder das Recht zur Besteuerung.

Bei der gesetzlichen Altersvorsorge greift diese Regelung, so dass die meisten Rentner nicht in den Genuss einer Steuerbefreiung kommen. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Bei Beamtenpensionen und Betriebsrenten scheint diese Regelung nicht zu greifen. Es wird spekuliert, dass es sich um eine Panne handelt oder seinerzeit schlicht vergessen wurde. Resultat ist jedenfalls, dass vor allem gut situierte ehemalige Staatsdiener in den ersten 10-Jahren nach der Übersiedelung in den Genuss einer Steuerbefreiung kommen können.

Soweit mein Verständnis der Sachlage als nicht Jurist (ohne Gewähr). Wer sich für die juristischen Details interessiert, findet hier auf einigen Anwaltsseiten weiterführende Erklärungen: Lafontaine.de, Anwalt-Portugal.de

One Comment on “Portugal – interessantes Ruhestandziel im Süden Europas?”

  1. „dass es sich um eine Panne handelt oder seinerzeit schlicht vergessen wurde“

    DAS halte ich allerdings für einen Scherz,
    das wurde sicherlich einfach so schön geplant,
    damit es den wohlsituierten Beamten einfach gut geht ;).

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