Rente in Portugal: Attraktives Ruhestandziel im Süden Europas?

Rainer HellsternRente im Ausland1 Kommentar

Lissabon - Portugal

Über das Ruhestandsziel Portugal wurde hier im Blog bisher nur wenig berichtet. Das Land am äußersten Zipfel Westeuropas zählt auch nicht zu den 10 beliebtesten Zielen deutscher Auslandsrentner. Doch das soll sich hiermit ändern. Denn Portugal lockt mit einem ganzjährig milden Klima, günstigen Lebenshaltungskosten und hervorragenden Stränden. Ein steuerlicher Sonderstatus sorgt zudem dafür, dass gewisse Ruhegelder (Beamtenpensionen, Betriebsrenten) unter bestimmten Voraussetzungen sogar steuerfrei bezogen werden können. Viele gute Gründe also, um sich das Land einmal genauer anzuschauen.

Beliebte Regionen für den Ruhestand

Top-Ruhestandsziel ist die Algarve im Süden Portugals. Die Region an der 150 Kilometer langen Südküste ist mit Abstand das populärste Ferienziel des Landes und wurde bereits Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts touristisch erschlossen. In der Region gibt es zahlreiche Ortschaften, die mit Hotels und Ferienwohnungen um die Touristen zu buhlen. Insgesamt gibt es eine Bettenkapazität von über 100.000 Betten.

Hauptstadt der Region Algarve ist die ca. 50.000 Einwohner zählende Stadt Faro. Von dort aus gibt es direkte Flugverbindungen in viele Städte in ganz Europa. Mit dem Billigflieger reist man in drei Stunden von Deutschland aus an. Je nach Saison und Verfügbarkeit gibt es Tickets bereits ab 50 Euro.

Zwar zieht es die meisten Touristen zum Bade- und Strandurlaub in die Region, aber auch aktive Urlauber kommen ganz auf ihre Kosten. Eine hohe Konzentration von Golfplätzen sorgt dafür, dass sich der Golfsport zu einem wichtigen Tourismusfaktor in der Region entwickelt hat. Auch für ausgedehnte Wandertouren bietet sich die landschaftlich reizvolle Region mit seiner imposanten Steilküste an.

Der Tourismusboom an der Algarve hat allerdings auch zu steigenden Preisen in der Region geführt. An anderen Küstenregionen in Portugal ist das Leben noch deutlich günstiger. Zu nennen ist hier beispielsweise die Costa de Prata an der Westküste zwischen Lissabon und Porto. Die Region ist touristisch weniger überlaufen, braucht sich aber landschaftlich hinter der Algarve nicht zu verstecken. Hier verbringen vor allem die Einheimischen ihren Urlaub.

Wen es eher in die Großstadt zieht, sollte einen Blick auf die Hauptstadt Lissabon und die Nordmetropole Porto werfen. Beide Städte bieten viele Sehenswürdigkeiten, Museen, schicke Restaurants, Cafes und Bars. Insbesondere Lissabon mit seinem mediterranen Klima bietet ist die wärmsten Winter aller europäischen Großstädte.

Mildes Klima im Winter

Mit durchschnittlich 300 Sonnentagen pro Jahr ist die Algarve im Prinzip als ganzjähriges Reiseziel geeignet. In den  Wintermonaten herrscht zwar kein Badewetter, aber man kann immerhin milde Temperaturen von 10 bis 15 Grad genießen. Während der Wintersaison ist die Algarve auch preislich gesehen ein Geheimtipp, denn die meisten Touristen kommen in den Sommermonaten. Baden ist von Mai bis Oktober möglich. Die touristische Hauptsaison ist von Juni bis September. Dann tummeln sich sonnenhungrige Urlauber an den Stränden der Algarve und die Höchsttemperaturen liegen bei dreißig Grad und darüber.

Im Norden Portugals ist das Klima nicht ganz so mild wie im Süden. Im Winter regnet es sehr viel und die Temperaturen sind das ganze Jahr über etwa 10 Grad kühler als im Süden.

Lebenshaltungskosten

In Portugal sind die Preise und Lebenshaltungskosten deutlich niedriger als in Deutschland. Laut einer Statistik des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2019 liegt das Preisniveau um 17 Prozent unter dem von Deutschland. Die Kaufkraft eines Euros im Vergleich zu Deutschland liegt bei 1,20 Euro. Allerdings kommt es stark darauf an, wo man sich in Portugal niederlässt. In der Touristenregion der Algarve sowie den großen Städten Lissabon und Porto ist das Leben teurer als im Rest des Landes. Das Leben außerhalb der großen Zentren an der Westküste, ist im Gegensatz dazu deutlich günstiger.

Da die Algarve für hiesige Rentner aber mit Abstand das beliebteste Ruhestandsziel in Portugal ist, zeigt die folgende Übersicht, wie teuer Lebensmittel an der Algarve (in Faro) im Vergleich zu Deutschland sind.

Krankenversicherung

Rentner, die dauerhaft nach Portugal ziehen, bleiben aufgrund des Sozialversicherungsabkommens weiterhin Mitglied der hiesigen gesetzlichen Krankenversicherung und können deren Leistungen am neuen Wohnort in Portugal in Anspruch nehmen. Auslandsrentner erhalten allerdings nur die Leistungen, die in Portugal für gesetzlich Versicherte üblich sind. Einen Krankenrücktransport nach Deutschland, was die meisten Auslandskrankenversicherungen bieten, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung beispielsweise nicht. Ärzte und Krankenhäuser die privat abrechnen, sind durch die gesetzliche Krankenversicherung ebenfalls nicht gedeckt. Wer diese Risiken zusätzlich absichern möchte, kann zusätzlich eine private Langzeit-Auslandskrankenversicherung abschließen.

Das portugiesische Gesundheitssystem ist gut. Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) liegt die Effizienz des Gesundheitssystems von Portugal auf Platz 12 von 191 untersuchten Ländern und damit noch vor Deutschland, welches erst auf Position 25 folgt.

Sprache

Portugiesisch ist Amtssprache in Portugal. Englisch wird in den Metropolen Lissabon und Porto sowie den Urlaubszentren der Algarve von den meisten Leuten gesprochen, was eine schnelle Eingewöhnung in dem Land ermöglicht. Generell empfiehlt es sich aber: Wer nach Portugal auswandern möchte, der sollte auch versuchen die Sprache lernen. Im privaten Bereich lassen sich dadurch viel schneller Kontakte knüpfen und man zeigt den Einheimischen, dass man sich integrieren möchte. Zudem ist man im Notfall besser gerüstet. Portugiesischkurse kosten heutzutage auch kein Vermögen mehr, günstige Online Kurse bieten ein guter Einstieg in die portugiesische Sprache und kosten nur wenige Euro im Monat.

Die Rente nach Portugal überweisen

Auslandsrentner haben die Wahl: Die Deutsche Rentenversicherung kann die Rente weiterhin auf ein Konto in Deutschland überweisen oder auf ein neues Konto in Portugal. Da Portugal Teil des SEPA-Raums ist und die internationalen Kontonummern (IBAN) benutzt, dauern Überweisungen von Deutschland nach Portugal genauso lange wie Inlandsüberweisungen in Deutschland. Auch hinsichtlich der Kosten dürfen Überweisungen nach Portugal aufgrund einer SEPA-Verordnung nicht teurer sein als Inlandsüberweisungen innerhalb Deutschlands. Daher ist es im Grunde nicht erforderlich, das Konto in Deutschland aufzulösen und ein neues Konto bei einer Bank in Portugal zu eröffnen. Wer allerdings noch ein Konto bei einer Filialbank in Deutschland hat und monatliche Kontoführungsgebühren bezahlt, sollte vor dem Umzug über den Wechsel zu einer kostenlosen Direktbank nachdenken. Im Ausland gibt es keine Filialen, so dass man für die Bankgeschäfte Online Banking nutzen sollte und den teuren Filialservice eh nicht nutzen kann. Mehr dazu im Artikel “Auswanderer sollten ein deutsches Bankkonto behalten“.

Steueroase für Rentner – nicht ganz!

Im Internet liest man auf diversen Seiten, dass man als Rentner im Portugal zudem steuerfrei leben könne. Doch das ist leider nicht ganz korrekt und ich versuche etwas Licht ins Dunkel zu bringen:

Wie mit vielen anderen Ländern auch hat Deutschland und Portugal ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen, welches darüber entscheidet, ob das Quellenland der Rente (also Deutschland) oder das Wohnsitzland (das Land in dem ein Rentner den gewöhnlichen Aufenthalt hat / sich mehr als 183 Tage im Jahr aufhält) die Rente besteuern darf.

Das entsprechende DBA wurde bereits 1982 abgeschlossen und kann hier in seiner ganzen “juristischen” Komplexität betrachtet werden. Laut dem DBA liegt das Besteuerungsrecht für Ruhegelder beim Wohnsitzland (=dort wo die Person ansässig ist).

Aktikel 18: Ruhegelder und ähnliche Vergütungen, die einer in einem Vertragsstaat ansässigen Person für frühere unselbstständige Arbeit gezahlt werden, können nur in diesem Staat besteuert werden.

2009 wurde allerdings ein Sonderstatus für Neurentner in Portugal eingeführt. Das Gesetz „residente não habitual“ übersetzt in etwa als „nicht gewöhnliche Steuerresidenten“ sorgt dafür, dass Personen, die neu nach Portugal übersiedeln in den ersten 10 Jahren auf Ruhegelder keine Steuern zahlen müssen.

Daraufhin wurde in vielen Webseiten & Foren spekuliert, dass deutsche Rentner in Portugal künftig steuerfrei leben können.

Doch der Teufel steckt im Detail. Für den Fall, dass Portugal auf die Besteuerung verzichtet, sieht das DBA eine Art Rückfallregelung (subject-to-tax-clause) vor. D.h. der Quellenstaat also Deutschland erhält wieder das Recht zur Besteuerung.

Bei der gesetzlichen Altersvorsorge greift diese Regelung, so dass die meisten Rentner nicht in den Genuss einer Steuerbefreiung kommen. Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Bei Beamtenpensionen und Betriebsrenten scheint diese Regelung nicht zu greifen. Es wird spekuliert, dass es sich um eine Panne handelt oder seinerzeit schlicht vergessen wurde. Resultat ist jedenfalls, dass vor allem gut situierte ehemalige Staatsdiener in den ersten 10-Jahren nach der Übersiedelung in den Genuss einer Steuerbefreiung kommen können.

Soweit mein Verständnis der Sachlage als nicht Jurist (ohne Gewähr). Wer sich für die juristischen Details interessiert, findet hier auf einigen Anwaltsseiten weiterführende Erklärungen: Lafontaine.de, Anwalt-Portugal.de

Fazit

Portugal ist das erschwinglichste Land Westeuropas! Wer sich bisher eher für Länder wie Spanien, Italien oder Frankreich als Ruhestandziel interessiert hat, sollte unbedingt auch einen Blick auf Portugal werfen, denn möglicherweise ist das kleine Land eine interessante Alternative.

über mich
Rainer Hellstern

Rainer Hellstern

Wer schreibt denn hier? Mein Name ist Rainer und ich bin Gründer und Autor des Auswandern Handbuchs. Seit 2008 verfasse ich hier im Blog Beiträge rund um die Themenfelder Arbeiten, Leben und Rente im Ausland. Du findest hier Informationsmaterial zu über 50 Auswanderungzielen weltweit!

1 Kommentar bei “Rente in Portugal: Attraktives Ruhestandziel im Süden Europas?”

  1. Avatar
    Olga

    “dass es sich um eine Panne handelt oder seinerzeit schlicht vergessen wurde”

    DAS halte ich allerdings für einen Scherz,
    das wurde sicherlich einfach so schön geplant,
    damit es den wohlsituierten Beamten einfach gut geht ;).

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