TransferWise Erfahrungen & Test: (Fast) kostenlos Geld ins Ausland überweisen

Rainer Hellstern4.04.2017 in Vorbereitung

Auslandsüberweisungen können richtig teuer werden! Bei internationalen Banktransfers fallen üblicherweise Gebühren zwischen drei und sechs Prozent an. Möchte ein Austauschstudent von seinem hiesigen Konto 1.000 Euro nach London überweisen, um Miete und Studiengebühren zu bezahlen, fallen im Rahmen des Transfers bis zu 60 Euro Bankgebühren an. Ein neuer Zahlungsdienstleister möchte dies nun ändern. Bei TransferWise liegen die Gebühren für Auslandsüberweisungen bei maximal 1 Prozent. Im obigen Beispiel würde der Student also nur maximal 10 Euro statt bis zu 60 Euro bezahlen. Der Anbieter verspricht ein Einsparpotenzial von bis zu 85%. Wie TransferWise funktioniert und warum der Dienstleister für Auswanderer, Austauschstudenten, Expats und Langzeiturlauber so interessant ist, erkläre ich im folgenden Erfahrungsbericht:

Warum sind Auslandsüberweisungen eigentlich so teuer?

Wer sich im Internet über die aktuellen Wechselkurse informiert und dann im Anschluss das Geld ins Ausland überweist, wird vom Resultat in der Regel enttäuscht sein und deutlich weniger erhalten als zunächst geplant. Zum einen verlangen die beteiligten Banken (Sender- und Empfängerbank) bei Auslandsüberweisungen hohe Gebühren. Selbst bei kleineren Überweisungsbeträgen können sich diese auf  5 bis 20 Euro pro Transaktion belaufen. Außerdem ist der angewandte Wechselkurs bei der Überweisung schlechter wie im Internet angezeigt. Online werden nämlich die Interbank-Kurse angezeigt, diese gelten aber nur für den Handel zwischen den Banken (=Großhandelspreise). Beim konkreten Geldwechsel erfolgt der Währungsan- und -verkauf für Endkunden zu einem deutlich schlechteren  Kurs.

Wie funktioniert TransferWise?

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie es TransferWise schafft, günstigere Konditionen bei Auslandsüberweisungen anbieten zu können. Schließlich muss das Unternehmen auch irgendwie Geld verdienen. Das Grundprinzip von TransferWise lautet „der Währungswechsel wird nur vorgetäuscht“. Ein praktisches Beispiel soll den Ablauf verdeutlichen:

Person 1 möchte Geld von Deutschland nach Großbritannien überweisen. Person 1 zahlt hierfür den Betrag an das deutsche Konto von TransferWise. Damit das Prinzip von TransferWise optimal funktioniert, wird eine zweite Person (Person 2) benötigt, welche einen Betrag in gleicher Höhe von Großbritannien nach Deutschland überweisen möchte. Person 2 überweist den Betrag an das britische Bankkonto von TransferWise. Haben beide ihr Geld bei TransferWise eingezahlt, sind die beiden Länderkonten gedeckt. Das Geld kann an den jeweiligen Empfänger im Land ausgezahlt werden, ohne dass eine Landesgrenze überquert wird (Der deutsche Empfänger wird mittels deutschem Bankaccount, der britische Empfänger mittels britischen Bankaccount von TransferWise ausgezahlt). Ein Währungswechsel mit hohen Transfergebühren findet nicht statt, die Überweisung läuft komplett an den Banken vorbei.

So funktioniert Transferwise

Das System funktioniert allerdings nur gut, wenn in beide Richtungen (DE –> UK / UK –> DE) gleich viel Geld fließt, was allerdings in der Praxis natürlich nicht immer der Fall ist. Sofern mehr Geld von einem Land ins andere Land überwiesen wird als umgekehrt, dann muss auch TransferWise Geld zu den marktüblichen Konditionen umtauschen. Ein Unternehmen wie TransferWise hat hier aber deutliche Größenvorteile und erhält dank hoher Tauschsummen weit bessere Wechselkurse bei den Banken als Privatpersonen.

So teuer ist Transferwise wirklich!

Nun stellt sich die Frage, wie hoch bzw. niedrig die Überweisungskosten bei TransferWise tatsächlich sind. Denn ganz kostenlos ist TransferWise natürlich auch nicht. Wie oben angesprochen, lauern bei einer Auslandsüberweisung zwei mögliche Kostenfallen:

1) Bankgebühren
2) Wechselkursverluste

Am Beispiel einer 200 Euro Überweisung von Deutschland in die USA möchte ich einmal die Gebührenunterschiede zwischen TransferWise, Payal und den „klassischen Banken“ bei einer Auslandsüberweisung verdeutlichen:

Betrag (DE) Gebühr
(Senderbank / Empfängerbank)
Wechselkurs (18.05.2016) Betrag (USA) Verlust gegenüber offiziellem Kurs
Interbank Kurs 200 Euro  – 1,144 USD 228,87 USD  –
transferwise-logo 200 Euro Keine Gebühren* / Keine Gebühren* 1,135 USD 225,93 USD ~3 USD Verlust
postbank-logo 200 Euro 1,50 Euro*** /
15 Euro****
1,138 USD 208,82 USD ~20 USD Verlust
comdirect-logo 200 Euro 7,67 Euro** /
15 Euro****
1,138 USD 201,80 USD ~27 USD Verlust
paypal-logo 200 Euro 8,10 Euro***** 1,102 USD 212,30 USD  ~13 USD Verlust

*TransferWise: Der Sender überweist das Geld an das Deutsche Konto von TransferWise. Da es sich um eine Inlandsüberweisung handelt, fallen hierfür keine Gebühren an. Auch die Überweisung von TransferWise (USA) an die Empfängerbank ist kostenlos, weil es sich um eine Inlandsüberweisung handelt.

**Comdirect: Bei Überweisungen bis 250,00 Euro Gebühren von 0,15% (mindestens 7,67 Euro). Darüber hinaus 0,15% (mindestens 12,50 Euro). Weitere Gebühren beim Zahlungsempfänger möglich.

*** Postbank: 1,50 Euro (ohne Beleg – Internet), 8,50 Euro (mit Beleg). Weitere Gebühren beim Zahlungsempfänger möglich.

****Bei eingehenden Auslandsüberweisungen verlangen Banken in den USA zwischen 10-20 Euro Gebühren.

*****Paypal: Überweisungsgebühren im SEPA-Raum (3,4% + 0,35 Euro) / außerhalb des SEPA-Raumes (3,9% + 0,30 Euro)

Das Beispiel zeigt, dass auch TransferWise keine komplett kostenlosen Auslandsüberweisungen anbietet. Der den Kunden angebotene Wechselkurs ist im Beispiel nicht besser wie bei einer klassischen Banküberweisung. Allerdings fällt der zweite Kostenblock „die hohen Bankgebühren“ komplett weg. Das hat zur Folge, dass die Überweisung insgesamt deutlich günstiger ist wie bei den Konkurrenten.

TransferWise jetzt testen

In welche Länder / Währungen kann ich Geld überweisen?

Mit TransferWise ist der Geldtransfers in verschiedenste Länder und Währungen möglich: Unterstützt wird z.B. Euro, US-Dollar, Schweizer Franken, Zloty (Polen), Schwedische Kronen, Norwegische Krone, dänische Krone, Britische Pfund, Ungarische Forint, Türkische Lira, Indische Rupie, Japanische Yen, Australischer Dollar, Neuseeland Dollar, Singapur Dollar, Hong-Kong-Dollar (HKD), Südafrikanischer Rand (ZAR),  Rumänischer Leu (Ron),Georgische Lari. Die komplette Übersicht der angebotenen Währungen ist auf der Website von TransferWise zu finden.

Welche Zahlungsarten sind möglich?

Um den internationalen Banktransfer einzuleiten, kann von Deutschland aus Geld via Kreditkarte, Sofortüberweisung oder einer klassischen Banküberweisung an TransferWise überwiesen werden.

Wie lange dauern Überweisungen ins Ausland?

Da der Währungswechsel nur vorgetäuscht wird, kann die Überweisung übrigens häufig schneller abgewickelt werden wie eine normale (internationale) Banküberweisung (Dauer bei TransferWise: 2-3 Tage).

Kritik: Für wen lohnt sich TransferWise NICHT?

Allerdings ist es nicht immer sinnvoll TransferWise bei Auslandsüberweisungen einzusetzen. Nicht sinnvoll ist TransferWise bei SEPA-Überweisungen im Euroraum, bei denen kein Währungswechsel stattfindet. Laut einer EU-Verordnung dürfen solche SEPA-Überweisungen nämlich nicht teurer sein als Inlandsüberweisungen. Wer bereits kostenlos im Inland Geld überweist (siehe Gebührentabelle der Hausbank), darf sein Geld auch kostenlos in andere Euroländer wie Frankreich, Österreich oder Spanien überweisen. SEPA-Überweisungen dürfen laut der EU-Verordnung auch nicht länger als 2 Tage dauern, entsprechend hat man keinen Vorteil durch die Nutzung von TransferWise.

Erst wenn es bei der Auslandsüberweisung zu einem Währungswechsel kommt, lohnt sich der Service:

  • EU-Länder ohne Euro wie Polen oder Rumänien
  • Nicht EU-Länder wie Großbritannien (bald), Schweiz oder Norwegen
  • Außereuropäische Länder wie USA, Kanada, Australien, Thailand oder Indien.

Ist TransferWise seriös?

TransferWise ist ein neuer Zahlungsdienstleister, von dem die meisten vermutlich bisher nichts gehört haben. Doch keine Sorge, hinter dem Londoner Startup stehen einige prominente Namen. Gegründet wurde TransferWise beispielsweise von Taavet Hinrikus, dem ersten Mitarbeiter von Skype. Das Unternehmen sollte den meisten ein Begriff sein.
Unternehmer-Legende Richard Branson ist als Investor beteiligt. Ebenfalls investiert ist Peter Thiel, einst Gründer von Paypal und erster Investor bei Facebook. Schaut man sich der Erfolgsgeschichten der genannten Unternehmen an, dann stehen die Chancen gut, dass auch TransferWise ein voller Erfolg wird und die Banken-Branche revolutionieren wird. Seit der Gründung 2011 wurden bereits 300 Millionen Euro über die Plattform bewegt.

Wie sicher ist TransferWise?

TransferWise ist von der britischen Finanzmarktaufsicht FCA (ähnlich wie Bafin in Deutschland) unter den Electronic Money Regulations 2011 für die Abwicklung elektronischen Geldes autorisiert. Damit gelten für TransferWise die gleichen Vorschriften wie für Banken.

Fazit

Mir gefällt der Überweisungsservice von TransferWise sehr gut. Mehr Banken sollten so transparent arbeiten. Auf der Website kann die Gebührenhöhe und der Wechselkurs sehr leicht über den Gebührenrechner abgefragt werden. Hierfür ist kein Login erforderlich und man erfährt sofort, wie viel im Zielland tatsächlich ankommt.

transferwise

Auch hinsichtlich der Gebührenhöhe kann TranferWise bei Überweisungen in NICHT-Euroländer voll überzeugen. TransferWise bietet Kunden für Auslandsüberweisungen durchgängig sehr günstige Konditionen von maximal 1% Wechselgebühr! Wer häufiger Geld ins Ausland überweisen muss und sich über hohe Gebühren bei einer Banküberweisung, Paypal oder Western Union ärgert, sollte sich TransferWise unbedingt einmal genauer anschauen.

TransferWise Bewertung

TransferWise Bewertung
9.3

Preistransparenz

10/10

Gebührenhöhe

10/10

Überweisungsdauer

8/10

Pros

  • Niedrige Gebühren
  • Transparente Preise
  • Schnelle Überweisung

Cons

  • noch nicht in allen Ländern weltweit möglich

4 Comments on “TransferWise Erfahrungen & Test: (Fast) kostenlos Geld ins Ausland überweisen”

  1. Unsere beiden Kinder sind z.Zt. im Ausland (GB, AUS) . Mit TRANSFERWISE konnten wir bisher wirklich viel Geld sparen.
    Und die Abwicklung ist wirklich phaenomenal einfach. Sehr empfehlenswert.

  2. TransferWise ist für private Zahlungen sicherlich gut geeignet. Für geschäftliche Zahlungen allerdings völlig ungeeignet. Bei uns wurden mehrfach Zahlungen über 20 TEUR einfach liegen gelassen ohne uns zu informieren. Erst auf Nachfrage stellte sich heraus, dass die vertragliche Grundlage für die Zahlung verlangt wird. Bei welcher Bank muss man sowas bei Zahlungen unter 50 TEUR belegen?
    Wenn sowas trotz mehrfacher Telefonate und Zusicherungen des Support, dass es in Zukunft nicht mehr passieren soll bei jeder monatlichen Zahlung in dieser Größenordnung passiert, haben die einfach ihre Abläufe nicht im Griff……..

  3. Meine Bank in China wird nicht unterstützt, daher für mich nicht nutzbar. App wieder gelöscht.

  4. Bei Zahlung der Transfersumme per Kreditkarte an ‚Transferwise‘ fielen sowohl zusätzliche ‚Transferwise-Gebühren‘ an als auch weitere von meiner Kreditkartenbank, wie ich am Ende des Monats erstaunt festgestellt habe. Ich überweise diesmal per Bankeinzug. Mal abwarten, ob das kostengünstiger geht!

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