Ratgeber Auslandsüberweisung: Dauer, Kosten und alle wichtigen Fakten

Rainer HellsternVorbereitung1 Kommentar

Girokonto ohne Wohnsitz in Deutschland - ist das möglich?

Auslandsüberweisungen sind teuer und dauern ewig. Das bekannte Vorurteil ist heutzutage in den meisten Fällen längst überholt. Innerhalb der Eurozone lässt sich Geld dank SEPA-Verfahren genauso schnell und günstig überweisen wie im Inland. Lediglich Überweisungen in Länder außerhalb der Eurozone können nach wie vor sehr teuer werden, wenn man den klassischen Weg über Banken wählt. Allerdings gibt es mittlerweile spezialisierte Zahlungsdienstleister, welche gute Alternativen zu den Banken darstellen und deutlich niedrigere Gebühren verlangen. Alles Wissenswerte über Auslandsüberweisungen, wird im folgenden Beitrag erklärt:

Auslandsüberweisungen in Europa (Euro-Raum)

Seit Beginn des Jahres 2014 gilt in allen Ländern der Europäischen Union einheitlich das SEPA-Verfahren. Daran nehmen, neben allen 27 EU-Mitgliedsstaaten*, zusätzlich noch die Länder des europäischen Wirtschaftsraums (EWR) Island, Liechtenstein, Norwegen sowie das Vereinigte Königreich (trotz Brexit), die Schweiz, San Marino und Monaco teil.

Das englische Wort „Single Euro Payments Area“, kurz SEPA, bedeutet auf Deutsch einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum. Das Ziel von SEPA ist die Schaffung eines europaweit einheitlichen Rahmens für bargeldlose Zahlungen in der Eurowährung. SEPA-Überweisungen sollen einerseits schnell und andererseits kostengünstig sein. Das bisherige Überweisungssystem wurde durch das SEPA-Projekt abgelöst. Im Geschäftsverkehr müssen Überweisungen seit August 2014 mit SEPA durchgeführt werden, im Privatbereich ist das ab Februar 2016 der Fall.

*EU-Länder: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Spanien, Tschechien, Ungarn, Republik Zypern.

Das SEPA-Verfahren

Kunden bei Banken und Sparkassen haben die SEPA-Umstellung in den Jahren 2014 bis 2016 an den geänderten Kontonummern und Bankleitzahlen gemerkt. Bei SEPA-Überweisungen werden statt der vorher genutzten Kontonummer und Bankleitzahl die neuen Werte IBAN und BIC genutzt.

  • IBAN: Der Begriff steht für das englische International Bank Account Number, zu Deutsch “Internationale Bankkonto-Nummer”.
  • BIC: BIC heißt Bank Identifier Code, also Bankidentifikations-Code. Seit Ende der Übergangsphase (Feb. 2016) ist bei Zahlungen im SEPA-Raum allerdings die BIC ebenfalls entfallen, so dass nur noch die IBAN für Überweisungen benötigt wird.

In Deutschland hat die IBAN einheitlich 22 Stellen, in anderen Ländern kann diese bis zu 34 Stellen betragen. Die lange IBAN-Nummer hat im Vorfeld einige Kritik auf sich gezogen, da das Ausfüllen eines solchen Zahlenmonsters zum einen mühsam ist und zum anderen können sich beim Abtippen der langen IBAN  leichter Fehler einschleichen.

iban

Die IBAN beinhaltet neben der Länderkennzeichnung des Empfängerkontos sowohl die derzeitige Bankleitzahl als auch die Kontonummer. Beides ist in einer Information zusammengefasst. Die eigene IBAN-Nummer findet man üblicherweise auf den Kontoauszügen oder der Bankkarte.

Was kostet eine Auslandsüberweisung?

Eine SEPA-Überweisung ins Ausland darf laut EU-Verordnung nicht mehr kosten als eine normale Überweisung innerhalb Deutschlands. Die Kosten richten sich daher nach den Konditionen des Kontoinhabers bei seiner Bank. Wer beispielsweise ein kostenloses Girokonto besitzt, bei dem alle Überweisungskosten bereits enthalten sind, zahlt auch bei der SEPA-Auslandsüberweisung keine Gebühren. Gleiches gilt, wenn beispielsweise für alle Überweisungen eine monatliche Pauschale berechnet wird. Im Idealfall ist die SEPA-Überweisung also kostenlos. Falls das nicht der Fall sein sollte, sollte man ggf. über den Wechsel der Bank nachdenken. Bei sehr vielen Direktbanken (z.B. DKB, N26, ING..) sind Online-(SEPA-)Überweisungen ins In- und (Euro)-Ausland nämlich kostenlos.

Wie lange dauert eine Auslandsüberweisung?

Überweisungen müssen innerhalb von einem Tag (genauer gesagt einem Bankarbeitstag) ausgeführt werden. Dies ist sogar durch eine europäische Zahlungsrichtlinie festgelegt. Wird am Freitag Geld überwiesen, dann muss das Geld am folgenden Montag (der nächste Bankarbeitstag) beim Empfänger eintreffen.

Auslandsüberweisungen in Europa (nicht Euro-Raum)

Das SEPA-Projekt soll einen europaweit einheitlichen Rahmen für bargeldlose Zahlungen in der Eurowährung schaffen. Allerdings nehmen auch zahlreiche Nicht-Euro-Länder an dem Verfahren teil (z.B. Schweiz, Großbritannien, Norwegen etc..). Für SEPA-Überweisungen von und in diese Länder gibt es einiges zu beachten:

  • Sonderfall: Schweiz, Monaco und San Marino

Die genannten Länder sind weder Teil der EU noch der EWR. Die Länder nehmen zwar am SEPA-Verfahren teil, unterliegen jedoch nicht der entsprechenden EU-Preisverordnung. Daher können bei SEPA Überweisungen von und in die Schweiz bzw. Monaco/San Marino höhere Gebühren anfallen. Zusätzlich entstehen bei der Auslandsüberweisung durch versteckte Währungsaufschläge weitere Verluste.

  •  Versteckte Gebühren durch Währungsumrechnungen

Für alle anderen Länder gilt, eine SEPA-Überweisung darf nicht mehr kosten als eine Inlandsüberweisung. Das gilt auch für Nicht-Euro-Länder wie Polen, Großbritannien oder Norwegen. Wird Geld in ein Nicht-Euro-Land mittels SEPA überwiesen (oder umgekehrt), können allerdings durch Währungsumrechnungen hohe (versteckte) Gebühren anfallen. Grund ist der von den Banken angewandte “bankeigene Devisenkurs”, der meist deutlich schlechter ist als der offizielle Wechselkurs. Leider sind Banken in diesem Zusammenhang nicht sonderlich transparent. Kunden sehen nur den bankeigenen Wechselkurs und nicht den offiziellen Wechselkurs. Bei einer 1000 Euro Überweisung können dabei versteckte Kosten von bis zu 50 Euro anfallen.

  • Überweisungen in fremder Währung

Wenn auf einer Rechnung eine Fremdwährung wie “Schweizer Franken” angegeben ist, können Sie nicht einfach einen Euro-Betrag überweisen. Wechselkurse sind nicht konstant und beim Empfänger kommt vermutlich ein anderer Betrag an als vereinbart. Man muss für diesen Fall eine klassische Auslandsüberweisung tätigen. Eine solche Überweisung mit einer Fremdwährung ist nicht an die EU-Preisverordnung gebunden und kann teurer sein und deutlich länger dauern! Sie können hier im Vorfeld festlegen, wer die Kosten übernehmen soll (Sender, Empfänger, geteilt).

  1. OUR steht für die Kostenübernahme durch den Überweisenden
  2. BEN für die durch den Überweisungsempfänger
  3. SHARE heißt, dass alle anfallenden Kosten zwischen Überweisendem (50%) und Empfänger (50%) geteilt werden

Alternativen zur SEPA-Überweisung

Überweisungen in nicht Euro-Länder haben diverse Nachteile. Bei diesen wird man durch die Währungsumrechnung und Bankgebühren mehrere Prozentpunkte der Überweisungssumme einbüßen. Doch mittlerweile gibt es dank einiger innovativer Zahlungsdienstleister gute Alternativen.

TransferWise: Eine Möglichkeit die Kosten drastisch zu senken, bietet das Unternehmen TransWise mit Sitz in London. Dank eines innovativen Zahlungskonzepts (Währungswechsel wird nur vorgetäuscht), betragen die Überweisungskosten nur etwa ein Zehntel der bei Kreditinstituten üblichen Gebühren. Der Währungsumtausch findet zum offiziellen Wechselkurs statt, zudem werden die Gebühren auf der Website transparent dargestellt. Neukunden erhalten eine kostenlose Erstüberweisung bis umgerechnet 500 Euro. –> TransferWise Testbericht

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Azimo: Azimo bietet Neukunden eine kostenlose Erstüberweisung, danach sind Überweisungen ins Ausland ab 1 Euro möglich. Die Überweisung muss dabei nicht zwangsweise an ein Bankkonto gehen. Azimo bietet mehr als 300.000 Bargeldabholstellen weltweit. Das kann neben einem Bankkonto auch ein Mobiltelefon, eine Privatadresse oder ein CashUp-Point (eine Geldabholstelle im Stil von Western Union) sein. –> Azimo Testbericht

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Überweisungen außerhalb des SEPA-Raums (weltweit)

Bei allen Überweisungen in 1) Länder, die nicht am SEPA-Verfahren (EU und EWR-Länder) teilnehmen sowie 2) Überweisungen in fremde Währungen handelt es sich um klassische Auslandsüberweisungen. Wer hier den bekannten Weg über Banken geht, für den kann es teuer werden (Gebühren / versteckte Währungsaufschläge) und zudem lange dauern.

Wie lange dauern Auslandsüberweisungen?

Für Banken gibt es bei Auslandsüberweisungen in Länder außerhalb des SEPA-Raums keine verbindlichen Ausführungsfristen. In den Konditionen wird daher häufig der Begriff “baldmöglichst” verwendet. Zudem bedienen sich die Banken bei der Überweisung ins Ausland sogenannter Korrespondenzbanken, welche den Zahlungsverkehr ins Ausland abwickeln. Beispiel: Eine Auslandsüberweisung der Postbank wird immer über die Deutsche Bank abgewickelt, was den Prozess zusätzlich verlangsamt.

Wie lange Auslandsüberweisungen dauern können, kann zudem vom Zielland / Region abhängen. Folgende Werte gelten hierfür als Orientierung:

Land / RegionÜberweisungsdauer
 USA / Kanada / Australien / Neuseeland2-5 Tage*
 Süd- und Osteuropa (Nicht EU-Länder)3 bis 15 Tage*
Südamerika, Asien und Afrika4 bis 20 Tage*

*laut Auskunft der Haspa (größte Sparkasse Deutschlands)

Wie teuer sind Auslandsüberweisungen?

Wie teuer Auslandsüberweisungen sind, hängt von den Gebühren der ausführenden Bank ab. Es gibt Banken bei denen beleglose Buchungen (Online Banking) günstiger sind als Überweisungen am Schalter (mit Beleg). Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der Überweisungskosten bei den größten deutschen Bankhäusern:

BankÜberweisungskosten
SparkasseKosten sind abhängig von der jeweiligen Sparkasse
VolksbankKosten sind abhängig von der jeweiligen Volksbank
PostbankBei Online Überweisungen fallen Gebühren von 1,5% an (mindestens 8 Euro). Bei Überweisungen mit Beleg (z.B. Telefon) fallen Gebühren von 1,5% an (mindestens 12 Euro). Weitere Gebühren beim Zahlungsempfänger möglich.
CommerzbankBei Überweisungen bis 250,00 Euro fallen Gebühren von 7,50 Euro an. Darüber hinaus sind es 0,15% des Überweisungsbetrags, mindestens aber 12,50 Euro.
Deutsche BankBei beleglosen Buchungen 0,15% des Überweisungsbetrags, mindestens aber 10,00 Euro
ComdirectBei Überweisungen bis 250,00 Euro Gebühren von 0,15% (mindestens 7,90 Euro, maximal 51,90 Euro). Weitere Gebühren beim Zahlungsempfänger möglich.
DKBBei Überweisungen bis 12.500,00 Euro Gebühren von 12,50 Euro. Darüber hinaus 1‰ (0,001 Prozent), allerdings maximal 150,00 Euro.
INGBei Überweisungen unter 500 Euro fallen Gebühren von 10 Euro an. Darüber 0,15%, mindestens aber 20,00 Euro. Weitere Gebühren beim Zahlungsempfänger möglich.
PaypalPayPal nimmt eine Gebühr in Höhe von 5,00% der jeweiligen Transaktionssumme, jedoch mindestens 0,99 Euro und höchstens 3,99 Euro pro Transaktion.

Die Bankgebühren sind allerdings nicht der einzige Kostenfaktor. Neben diesen sind weitere Verluste durch versteckte Währungsaufschläge wahrscheinlich.

Bei der Auslandsüberweisung kann der Sender bestimmen wie die Kosten verteilt werden. Auf dem Vordruck für Auslandsüberweisungen wird die Kostenverteilung zwischen den Beteiligten wie folgt entschieden:

  • OUR steht für die Kostenübernahme durch den Überweisenden
  • BEN für die durch den Überweisungsempfänger
  • SHARE heißt, dass alle anfallenden Kosten hälftig geteilt werden

Alternativen

Bei Überweisungen in Länder außerhalb des SEPA-Raums sind neue Zahlungsdienstleister schneller und günstiger als die klassischen Banken (Siehe Alternativen zur SEPA-Überweisung). Bei TransferWise dauert eine Auslandsüberweisung durchschnittlich nur zwischen 1-2 Tagen, bei Azimo 1-3 Tage. Die Dauer hängt außerdem von der gewählten Zahlungsart ab. Bei einer Kreditkartenzahlung ist das Geld gewöhnlich in Sekunden beim Zahlungsdienstleister, während eine Banküberweisung bereits einen Tag dauern kann, was die Überweisung natürlich verlangsamt. Ein weiterer Vorteil der Zahlungsdienstleister: Bereits im Vorfeld zeigen diese transparent an, wie teuer die Überweisung wird. Zudem wird angezeigt, an welchem Tag das Geld auf dem Konto des Empfängers voraussichtlich eingeht!

Ganz interessant: Einige deutsche Banken wie N26 haben den Überweisungsservice von TransferWise bereits ins Girokonto integriert, so dass sich günstige Auslandsüberweisungen bequem aus dem eigenen Konto vornehmen lassen.

Meldepflicht von Auslandsüberweisungen

Überweisungen ab zwölftausendfünfhundert Euro müssen der Deutschen Bundesbank gemeldet werden; ganz unabhängig davon, ob es sich um den SEPA- oder um den Auslandszahlungsverkehr handelt. Das entsprechende Formular können die Verbraucher auf der Website der Bundesbank (www.bundesbank.de) herunterladen.

über mich
Rainer Hellstern

Rainer Hellstern

Wer schreibt denn hier? Mein Name ist Rainer und ich bin Gründer und Autor des Auswandern Handbuchs. Seit 2008 verfasse ich hier im Blog Beiträge rund um die Themenfelder Arbeiten, Leben und Rente im Ausland. Du findest hier Informationsmaterial zu über 50 Auswanderungzielen weltweit!

1 Kommentar bei “Ratgeber Auslandsüberweisung: Dauer, Kosten und alle wichtigen Fakten”

  1. Avatar
    Schmitz

    Überweisungen sind in Paraguay in max. 3 Tagen da. Allerdings seit ein paar Jahren, muss man bei hohen Summen, die Herkunft des Geldes erklären.

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