Auswandern nach Kambodscha: Mit wenig Rente gut leben!

Rainer HellsternRente im Ausland4 Kommentare

Sihanoukville - Kambodscha

Kambodscha entwickelt sich zunehmend zu einem Geheimtipp für Auswanderungswillige. Noch gewinnt das fernöstliche Nachbarland von Thailand erst allmählich Kontur als Ziel für Auswanderer, denn noch gehört das an kulturellen Schätzen so reiche Kambodscha zu den ärmsten Ländern der Welt. Doch allmählich ändert sich die Infrastruktur zum Positiven hin und das Land wird vor allem für all diejenigen interessant, denen Thailand zu teuer, zu verwestlicht und zu überlaufen geworden ist. Zudem sind die Lebenshaltungskosten hier extrem niedrig und Einreise sowie Daueraufenthalt werden nicht nur für Rentner äußerst liberal und ohne große behördliche Widerstände gehandhabt.

Beliebte Regionen für den Ruhestand

Die meisten Auswanderungswilligen zieht es entweder in Touristenorte unweit der weltberühmten Tempelanlage von Angkor Wat, etwa ins angesagte Siem Reap, oder in die Küstenregion ganz im Süden von Kambodscha, in die Region rund um Sihanoukville. Sihanoukville ist Kambodschas beliebtester Badeort und liegt etwa 150 Kilometer von der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh entfernt. Stadt und Umgebung liegen sehr malerisch am Golf von Siam und haben sich aus der Zeit der französischen Kolonialherrschaft auch nach den Wirren der kambodschanischen Geschichte ein nahezu mediterranes Flair mit zahlreichen europäisch wirkenden Häusern bewahrt. Angesichts der kilometerlangen Strände wird verständlich, dass der Küstenstreifen bei Sihanoukville früher einmal als südostasiatische Cote d’ Azur bekannt war.

In Sihanoukville hat sich eine kleine europäische Kolonie mit zahlreichen deutschen und österreichischen Auswanderern gebildet, viele betreiben ein Gewerbe in der Gastronomie, im Tourismus oder im Transportwesen. Die touristische Infrastruktur in Südkambodscha gilt als gut und die wirtschaftliche Entwicklung ist in und um Sihanoukville auf dem Vormarsch.

Lebenshaltungskosten

Von allen Ländern in Südostasien hat Kambodscha mit die niedrigsten Lebenshaltungskosten überhaupt. Wohnen inklusive Strom und Nebenkosten sowie Lebensmittel sind wesentlich günstiger als im Nachbarland Thailand. Wer als Rentner nach Kambodscha kommt, findet in Bezug auf die Lebenshaltungskosten für westliche Verhältnisse derzeit noch nahezu paradiesische Zustände vor. Generell kann man sagen, dass man von 1.000 Euro monatlich in Kambodscha angenehm leben kann.

Lebenshaltungskosten Kambodscha

Immobilien stehen Ausländern vor allem als Mietobjekte zur Verfügung, da sie per Gesetz keine Häuser und Wohnungen erwerben dürfen. Eine Sonderegel besagt allerdings, dass Ausländer eine Wohnung kaufen dürfen, wenn diese nicht im Erdgeschoss liegt. Häuser und Wohnungen zu mieten ist überall problemlos möglich. Wer als Auswanderer keine zu hohen Ansprüche stellt, findet im Umkreis von Sihanoukville schon ein kleines, sauberes Apartment oder einem Mini-Bungalow mit Stromanschluss, Klimaanlage und Kochgelegenheit für umgerechnet 150 bis 250 Euro monatlich. Größere Objekte, die auch für Familien oder Rentner interessant sind, etwa eine schöne alte Villa im französischen Kolonialstil, lassen sich bereits für um die 500 Euro mieten.

Lebensmittel, vor allem frisches Obst, Gemüse, Fisch und Geflügel sind sehr preiswert auf den örtlichen Wochenmärkten erhältlich, auch für Dinge des täglichen Bedarfs sind die Preise im Supermarkt günstiger als in Thailand. Sehr günstig, üppig portioniert und schmackhaft ist das Essen in einer der typischen kambodschanischen Garküchen. Für ein Essen zahlt man in der Regel weniger als 2 Euro.

Medikamente, die in Deutschland häufig nur über Rezept erhältlich sind, werden in Kambodscha frei in Apotheken verkauft und sind zudem deutlich billiger als in Deutschland.

Klima

Kambodscha bietet das ganze Jahr über gleichmäßig hohe Tagestemperaturen zwischen 26 und 30 Grad. Die geringen Schwankungen sind vor allem durch die Äquatornähe bedingt, klassische Jahreszeiten wie bei uns sucht man in Kambodscha vergebens. Das ausgeglichene Tropenklima kann sich bei Auswanderern mit Rheuma und Gelenkentzündungen, Asthma oder Allergien, positiv auf die Gesundheit auswirken.

Das Klima lässt sich in Regen- und Trockenzeit unterteilen. Trockenzeit ist von Dezember bis April, diese Zeit gilt auch als die touristische Hauptsaison, das Thermometer bleibt dann unter 30 Grad, es regnet kaum und das Klima ist für Touristen am angenehmsten. Von April bis Oktober herrscht in Kambodscha Regenzeit. Im heißesten Monat April kann das Thermometer auch mal auf bis zu 40 Grad ansteigen und die Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent macht das Leben dann wesentlich unangenehmer. Daher ist Kambodscha auch ein interessantes Ziel für alle, die nur überwintern möchten.

Krankenversicherung

Wer mit dem Auswandern nach Kambodscha liebäugelt, sollte wissen, dass die hygienischen Bedingungen unzureichend und tropische Krankheiten weiter verbreitet sind, während die ärztliche Versorgung in Kambodscha äußerst schlecht ist. Eine halbwegs vernünftige Krankenversorgung (in gut ausgestatteten Privatkliniken) ist nur in der Hauptstadt Phnom Penh oder im aufstrebenden Touristikzentrum von Siam Reap zu finden. Zur Absicherung im Krankheitsfall ist für Auswanderer und Überwinterer der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung unbedingt empfehlenswert.

Sprache

Etwa 95 Prozent der Einwohner Kambodschas verständigen sich in der Landessprache “Khmer”. Die meisten Kambodschaner beherrschen zudem einen Grundwortschatz an Englisch. Generell kann man sagen, dass in Kambodscha ein besseres Englisch als in Thailand gesprochen wird, was Auswanderern und Überwinterern das Leben wesentlich erleichtert. Die älteren Einwohner sprechen aufgrund der Kolonialgeschichte ggf. noch ein wenig Französisch.

Rentenzahlung

Die Deutsche Rentenversicherung kann die Rente direkt auf ein Konto in Kambodscha überweisen. Die Auslandsüberweisung ist allerdings nicht gebührenfrei und die Verluste durch Bankgebühren und Wechselkursverluste können sehr hoch ausfallen. Auswanderer berichten von bis zu 15 Euro pro Überweisung nach Kambodscha. Diese Kosten sind immer vom Rentenempfänger zu tragen und werden nicht von der Rentenversicherung übernommen. Außerdem muss man davon ausgehen, dass die Rente erst ein paar Tage später auf dem Konto eintrifft.

Besser ist es ein Konto in Deutschland zu behalten und die Rente dorthin zu überweisen. Größere Vermögenbeträge sind auf einem Konto in Deutschland mit Sicherheit besser aufgehoben. Benötigt man Bargeld, kann man dieses kostengünstig mit der Kreditkarte an einem der vielen Geldautomaten in Kambodscha abheben. Die Kosten für das Geldabheben von bis zu 1.000 Euro belaufen sich in der Regel auf nur 3 bis 4 Euro.

Möchte ein Konto in Kambodscha eröffnen und dorthin Geld überweisen, sollte man günstige Überweisungsdienste wie beispielsweise Wise nutzen. Diese sind deutlich günstiger als klassische Banküberweisungen.

Visum

Im Vergleich zu anderen südostasiatischen Ländern, etwa Thailand, ist die Einreise nach Kambodscha denkbar einfach. Das gilt sowohl für Touristen als auch für Existenzgründer und Geschäftsleute, Arbeitssuchende oder auch Rentner. Die Visa werden problemlos erteilt, es müssen – noch – keine Geldsummen oder Einkünfte nachgewiesen werde.

Sämtliche Visa für Kambodscha bekommen deutsche Staatsbürger problemlos gegen eine geringe Gebühr bei der kambodschanischen Botschaft in Berlin. Das gilt sowohl für das Touristenvisum (Kosten 40 Euro), das 30 Tage Gültigkeit hat, als auch für das sogenannte Geschäftsvisum (Kosten 45 Euro). Dieses ist geringfügig teurer und zunächst ebenfalls 30 Tage gültig. Beide Visa-Arten können auch direkt bei der Einreise in Kambodscha am Flughafen beantragt werden und werden in der Regel unkompliziert ausgestellt. Großer Vorteil des Geschäftsvisums ist allerdings, dass dieses auch im Land problemlos für 3, 6 oder sogar 12 Monate verlängert werden kann. Die Verlängerung ist bei der Einwanderungsbehörde in Phnom Penh oder landesweit bei zahlreichen Reisebüros und sogar bei manchen Supermärkten möglich (Kosten für ein Jahr ca. 300 US-Dollar) und lässt sich beliebig oft wiederholen.

Seit 2017 gibt es außerdem ein spezielles Rentner-Visum (ER-Visa) für Kambodscha. Zugänglich ist das Visa für ausländische Staatsangehörige über 55 Jahre, die im Ruhestand sind und sich ohne Arbeit finanziell selbst versorgen können. Dieses Visum hat eine Gültigkeitsdauer von einem Jahr. Die Kosten belaufen sich auf ca. 300 US-Dollar jährlich. Die Behörden prüfen bislang nicht den Rentennachweis oder ob das notwendige Kapital für den Aufenthalt vorhanden ist.

Wird die Geltungsdauer des Visums überschritten, sind in der Regel keine drakonischen Strafen bzw. keine Ausweisung zu erwarten. Wichtig ist, stets gültige Papiere parat zu halten und sich an die Gesetze des Landes zu halten. Wird das Visum verspätet verlängert, sind nicht mehr als 5 US-Dollar Versäumnisgebühr fällig. Minderjährige Kinder können ebenso problemlos mit Eintrag im Reisepass der Eltern einwandern. Auswanderungswillige sollten allerdings im Auge behalten, dass sich Kambodscha politisch und wirtschaftlich in einer Übergangsphase befindet. Die Visa-Bestimmungen können sich daher jederzeit verschärfen, was einige Experten für die Zukunft voraussehen.

Fazit

Kambodscha ist ein interessanter Altersruhesitz für Menschen, denen Thailand mittlerweile zu teuer und touristisch geworden ist. Auswanderer sollten ein gehöriges Maß an Abenteuerlust und Improvisationstalent an den Tag legen. Vor einer dauerhaften Auswanderung ist es unbedingt empfehlenswert, das Land erst mal in Rahmen eines Langzeiturlaubs (z.B. Überwintern) besser kennenzulernen.

über mich

Rainer Hellstern

Wer schreibt denn hier? Mein Name ist Rainer und ich bin Gründer und Autor des Auswandern Handbuchs. Seit 2008 verfasse ich hier im Blog Beiträge rund um die Themenfelder Arbeiten, Leben und Rente im Ausland. Du findest hier Informationsmaterial zu über 50 Auswanderungzielen weltweit!

4 Kommentare bei “Auswandern nach Kambodscha: Mit wenig Rente gut leben!”

  1. Herby

    Thailand ist vielen einfach zu teuer geworden. Die Lebenshaltungskosten sind wenn man den schlechten Wechselkurs des Euros mit einrechnet um gut 45 Prozent gestiegen. Und das in einem recht kurzen Zeitraum. Das Problem ein neues Visum vor Ort zu bekommen nervt ebenfalls. Da bietet sich das preiswertere Kambodscha als Alternative geradezu an.

  2. Rene Richter

    Würde gerne nach Sihanoukville auswandern. Gibt es dort auch kl. Häuser zu kaufen und ist das zu empfehlen?

  3. Rainer

    Hallo Rene,

    Immobilien stehen Ausländern vor allem als Mietobjekte zur Verfügung, da Ausländer diese per Gesetz nicht erwerben dürfen. Es gibt allerdings eine Sonderegel die besagt, dass man eine Wohnung bzw. Apartment kaufen darf, wenn diese nicht im Erdgeschoss liegt.

    Häuser und Wohnungen zu mieten ist aber problemlos möglich und das ist zu Beginn auch die beste Wahl. Schließlich weiss man dann noch nicht, ob man dauerhaft im Land bleiben möchte. Das kann man erst nach einem längeren Aufenthalt beurteilen.

    Viele Grüße

    Rainer

  4. peter

    Meine Frau und ich (54 u.51) benötigen eine Wohnung oder Bungalow zu mieten. Wer ist vor ort(auswanderer) der uns behilflich sein kann.

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