Lebenshaltungskosten in der Schweiz – Ist die Schweiz wirklich so teuer?

Rainer29.09.2014 in Schweiz

Leben in der Schweiz

Deutsche Auswanderer lassen sich gerne von den hohen Löhnen in der Schweiz blenden. Das durchschnittliche Bruttogehalt eines Schweizer Arbeitnehmers liegt bei beachtlichen 6.100 Schweizer Franken (ca. 5.900 Euro) monatlich und ist damit deutlich höher als in Deutschland (ca. 3.500 Euro). Doch in der Schweiz sind auch die Lebenshaltungskosten weit höher als in Deutschland. Städte wie Zürich oder Genf zählen zu den teuersten Wohnorten der Welt. Daher sollte man vor der Auswanderung auch die Ausgabenseite betrachten. Ob die hohen Lebenshaltungskosten in der Schweiz durch noch höhere Löhne kompensiert werden, zeigt der folgende Artikel.


Steuerbelastung in der Schweiz

Wieviel Steuern zahlt ein Durchschnittsbürger in der Schweiz? Diese Frage lässt sich nicht so leicht beantworten. In der Schweiz gibt es nämlich keine einheitliche Steuerbelastung. Sowohl der Bund, die Kantone und Gemeinden erheben Einkommenssteuer. Die Kantone und Gemeinden stehen dabei im harten Wettbewerb zueinander und haben die Steuern in den letzten Jahren zum Teil stark gesenkt um Unternehmen und wohlhabende Bürger anzulocken. Aus diesem Grund unterscheidet sich die steuerliche Belastung je nach Wohnort massiv und die Frage nach der Steuerlast kann daher nur in verallgemeinerter Form erfolgen. Durchschnittlich muss nur ca. 12% des Bruttoeinkommens für Steuern aufgewendet werden, wobei es große Unterschiede zwischen Singles (22%) und Ehepaaren mit Kindern (9,5%) gibt. Die Steuersätze liegen damit aber weit unter denen von Deutschland (Singles = 49,3% , Ehepaare mit Kinder = 33,8%) .

Durchschnittliche Steuerlast in der Schweiz:

Ehepaar mit zwei Kindern
9.5%

Single ohne Kinder
22%

Durchschnittliche Steuerlast in Deutschland

Ehepaar mit zwei Kindern
33.8%

Single ohne Kinder
49.3%

Quelle: OECD Tax Report 2014
Hinweis: Der Spitzensteuersatz in Deutschland liegt derzeit bei 42%. Die höhere Steuerlast von 49,3% entsteht, weil neben der Einkommenssteuer auch weitere Abgabenblöcke wie z.B. Rentenversicherungsbeiträge enthalten sind.

Exkurs: Wie wird die Einkommenssteuer bei Ausländern in der Schweiz erhoben?
Ausländer, die sich beruflich in der Schweiz aufhalten, erhalten in den ersten fünf Jahren die Aufenthaltsbewilligung B. Dies bedeutet, dass die Einkommenssteuer (in diesem Fall genannt Quellensteuer), direkt vom Arbeitgeber abgeführt wird. Schweizer Bürger sowie Ausländer, die nach fünf bis zehn Jahren eine Niederlassungsbewilligung (Aufenthaltsbewilligung C) erhalten, müssen im Gegensatz dazu die Steuern erst zum Ende des Jahres bezahlen.

Krankenversicherung in der Schweiz

In der Schweiz muss die Krankenversicherung komplett vom Arbeitnehmer gezahlt werden. Die Prämien können je nach Krankenkasse stark variieren. Bei einem Durchschnittsgehalt von 6.000 Schweizer Franken sollte man mit ca. 300-400 CHF für die Krankenversicherung rechnen. Bei der Auswahl der Versicherung sollte insbesondere auf den „Eigenanteil“ geachtet werden. Die Selbstbeteiligung (Franchise + Selbstbehalt) kann bei Behandlungen bis zu 1000 Franken jährlich betragen. Wer bereit ist eine hohe Franchise zu zahlen, kann eine Versicherung für unter 200 CHF finden.

Weitere Versicherungen

Für weitere Versicherungen wie Haftpflicht oder eine Hausratversicherung, sollte man ca. 200 CHF monatlich einplanen.

Wohnen: Hohe Mieten in der Schweiz

Städte wie Zürich, Basel, Bern oder Genf zählen zu den teuersten Wohnorten der Welt. Aufgrund der starken Zuwanderung in den letzten Jahren sind die Mieten extrem gestiegen, es gibt in den Städten kaum noch Leerstand (z.B. 0,5 Prozent in Zürich). Für einen funktionierenden Wohnungsmarkt (ohne Spekulationsblase) wären 1-2 Prozent Leerstand erforderlich. Bei den Mietkosten sollte man mit mindestens dem doppelten kalkulieren, wie bei den hiesigen Großstädten München oder Frankfurt.

Zürich: Je nach Wohnlage sind große Abweichungen möglich. So kann eine 4 ½ Zimmerwohnung mit 110 m² Fläche in Zürich je nach Wohnlage zwischen 2.500 (verkehrsbelasteter Standort) und 4.500 Franken (in der Nähe des Sees) monatlich kosten. (Link)

Basel: Wohnungen in Basel sind knapp 5% günstiger als in Zürich. Allerdings sind die Preisunterschiede in Abhängigkeit zur Lage geringer als in Zürich. Hier zahlt man zwischen 2.000-2.500 Franken für eine 4 ½ Zimmerwohnung. (Link)

Allgemein: Die Mietpreise sind in den letzten 10 Jahren um gut 20 Prozent gestiegen. In der Schweiz gibt es große regionale Unterschiede, so sind die Mietkosten außerhalb der großen Städte deutlich günstiger. Der Durchschnittsbürger zahlt für die Wohnung 1.300 Schweizer Franken monatlich. Am teuersten ist der Kanton Zug mit 1.740 Franken, im Kanton Jura wird durchschnittlich nur die Hälfte gezahlt. (Link)

Nebenkosten: Die Nebenkosten wie Strom und Heizung belaufen sich je nach Wohnung und Größe auf ca. 100-300 CHF im Monat. Telefon und Internet gibt’s für ca. 60 CHF dazu. Für die Schweizer GEZ, genannt Billag, zahlt man monatlich knapp 40 CHF.

Haushaltshilfe: Die Haushaltshilfe in der Schweiz verlangt mindestens 30 CHF pro Stunde.

Auto und öffentliche Verkehrsmittel

Da viele Schweizer aufgrund der hohen Mietkosten außerhalb der Großstädte wohnen, müssen sie täglich lange Strecken ins Büro fahren. Für Auto, Benzin und/oder öffentliche Verkehrsmittel zahlt der Durchschnittsschweizer monatlich rund 750 Franken.

Lebensmittelpreise

Lebensmittel kosten mindestens 20 – 30 Prozent mehr als in Deutschland. Migros und Coop sind die großen Ketten in der Schweiz und nicht immer günstig. Allerdings machen auch in der Schweiz immer mehr Discounter wie Aldi und Lidl auf, welche die bisherigen Marktführer stark unter Druck setzen. Das führt zu teilweise  sinkenden Preisen.

Stand: Mai 2015

Lebensmittelpreise in der Schweiz / Stand: Mai 2015

Tipp: Lohnenswert kann eine Auswanderung in Grenznähe sein. Dann kann man in der Schweiz leben und arbeiten und zum Einkauf nach Deutschland fahren. Ein solcher Grenztourismus ist auch sehr beliebt bei den Schweizern, die in Grenznähe wohnen.

Ausgehen / Restaurantbesuche / Freizeit

Auch hinsichtlich der Freizeitaktivitäten ist die Schweiz alles andere als günstig. Für einen Kinoabend zahlt man bis zu 25 CHF. Eine Pizza im Restaurant gibt es ab 14 CHF. Einmal Essen gehen kann 40 CHF kosten. Ein Big Mac kostet im McDonalds Schnellrestaurant in der Schweiz 5,32 Euro (in Deutschland 3,69 Euro).

Stand: Mai 2015

Restaurantpreise in der Schweiz / Stand: Mai 2015

Fazit

Dank hoher Löhne und gleichzeitig niedriger Steuerbelastung lohnt sich die Auswanderung in die Schweiz aus finanzieller Sicht eigentlich immer. Die vergleichsweise hohen Lebenshaltungskosten sind zwar ärgerlich, aufgrund des deutlich höheren Nettolohns aber ohne Weiteres verkraftbar.

Gratis-Report: Die zehn bestbezahlten Jobs in der Schweiz
Gehalt Schweiz  by-studio - Fotolia.com Von Arzt über Ingenieur bis Unternehmensberater: Wir zeigen welche Berufsgruppen zu den bestbezahlten in der Schweiz gehörten und wie viel diese verdienen. Einfach die E-Mail-Adresse eintragen und im Anschluss Zugang zum Gehaltsreport erhalten.
* Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben.

2 Comments on “Lebenshaltungskosten in der Schweiz – Ist die Schweiz wirklich so teuer?”

  1. Hallo,

    Ihr habt vergessen das in der Krankenversicherung kein Zahnarzt inbegriffen ist. Zusätzliche Zahnversicherungen sind sehr teuer, genau wie der Gang zum Zahnarzt. Diese Kosten sind in Deutschland über die gesetzliche Krankenversicherung abgedeckt.

  2. hallo Andre.

    wie teuer sind die zusätzliche Zahnversicherungen im Durchschnitt?
    und wie teuer ist der Gang zum Zahnarzt im Durchschnitt?

    Danke im voraus..

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.