Auswandern nach Kolumbien: Rente zwischen Anden und Karibik

Rainer HellsternRente im AuslandKommentar verfassen

Auswandern nach Kolumbien

Kolumbien ist aufgrund der niedrigeren Lebenshaltungskosten, der vielfältigen Landschaften und der guten Gesundheitsversorgung ein beliebtes Ruhestandsziel für US-Amerikaner. Daher werfen wir im Folgenden einen Blick auf das südamerikanische Land, auch wenn es für Europäer aufgrund der Entfernung sicherlich kein naheliegendes Ziel ist.

Beliebte Regionen für den Ruhestand

Kolumbien liegt ganz im Norden Südamerikas und besitzt sowohl eine Karibik- als auch Pazifikküste. Im Osten grenzt Kolumbien an das Amazonasgebiet, zudem wird das Land von den Gebirgsketten der Anden durchzogen.

Cartagena de Indias ist das beliebteste Touristenziel an der kolumbianischen Karibikküste. Neben den schönen Karibikstränden in der Umgebung ist auch die Stadt selbst ein Publikumsmagnet. Die sehenswerte Altstadt bietet enge, kopfsteingepflasterte Straßen, Kirchen, Museen, Restaurants und Geschäfte. Mit gutem Grund wird Cartagena daher als “die Perle der Karibik” bezeichnet. 1984 machte die UNESCO die Stadt sogar zum Weltkulturerbe. Neben den 1 Million ständigen Einwohnern besuchen fast 120.000 Kreuzfahrtpassagiere jährlich die Stadt. Wegen der vielen Touristen sind die Lebenshaltungskosten höher als in anderen Teilen des Landes.

Die Altstadt von Cartagena

Medellín ist mit beinahe 3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Kolumbiens nach Bogota. Die Stadt liegt in einem Tal auf 1.500 Metern Höhe, umgeben von den Anden. Medellín trägt den Spitznamen “Stadt des ewigen Frühlings”, was an dem ganzjährig angenehmen Klima liegt. Im Laufe des Jahres schwanken die Temperaturen normalerweise zwischen 16 und 26 Grad Celsius. Medellín besitzt als einzige Stadt in Kolumbien eine U-Bahn, was die Fortbewegung in der Stadt sehr einfach macht. Medellín ist außerdem eine weltoffene Stadt mit zahlreichen Universitäten, vielen Restaurants und einer guten Gesundheitsversorgung. Einige der besten Krankenhäuser Südamerikas befinden sich in Medellín. Zudem besitzt die Stadt einen internationalen Flughafen.

Medellín

Anreise

Die Lufthansa bietet tägliche Direktflüge ab Frankfurt in die kolumbianische Hauptstadt Bogota. Die reine Flugzeit beläuft sich auf 11 bis 12 Stunden. Von dort geht es weiter mit einem Inlandflug nach Medellín oder Cartagena in 1 bis 2 Stunden. Daneben fliegen zahlreiche europäische Airlines nach Kolumbien (z. B. Iberia, KLM oder British Airways), wobei dann mindestens 1 Zwischenstopp in einer europäischen Hauptstadt erforderlich ist. Die ungefähre Reisezeit beläuft sich je nach Dauer des Zwischenaufenthalts auf 15 bis 20 Stunden.

Klima

Kolumbien bietet verschiedenste Klimazonen und gilt als eines der Länder mit der größten Artenvielfalt weltweit. Da Kolumbien nur knapp nördlich des Äquators liegt, gibt es 12 Stunden Tageslicht und 12 Stunden Dunkelheit. Daran ändert sich im Laufe des Jahres nur wenig.

In Cartagena herrscht ein heißes und feuchtes tropisches Klima. Die Tageshöchsttemperaturen können bis zu 32 Grad Celsius erreichen und kühlen nachts auf Werte um die 21 Grad ab. Bei einer Luftfeuchtigkeit von etwa 80 Prozent kann die gefühlte Temperatur sogar noch heißer sein. An der Küste regnet es deutlich weniger als in den Bergen. Von Dezember bis April gibt es praktisch keinen Regen, und nur Oktober und November gelten als Regenmonate.

Medellín liegt 1.500 Meter über dem Meeresspiegel und hat das ganze Jahr über frühlingshaftes Wetter zu bieten. Die Temperaturen bewegen sich das ganze Jahr zwischen 16 und 26 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit ist gering. Die Monate Dezember bis März sind überwiegend sonnig und trocken, von April bis Juni und im Oktober / November ist mit mehr Regen zu rechnen.

Lebenshaltungskosten

Die Lebenshaltungskosten in Kolumbien sind deutlich günstiger als in Europa oder den USA. Der kolumbianische Mindestlohn liegt bei ca. 250 Euro im Monat.

Viele kolumbianische Restaurants bieten sehr preisgünstige Gerichte an. Frisches Obst, Gemüse, Eier, Milchprodukte und Fleisch sind in lokalen Geschäften günstig erhältlich, so dass man noch mehr Geld sparen kann, wenn man sich die Mahlzeiten selbst zubereitet. Kolumbien ist außerdem weltbekannt für seinen guten Kaffee.

Miet- und Nebenkosten können stark von der Stadt und dem Wohnviertel abhängen. In Kolumbien gibt es in den meisten Großstädten eine Art Klassensystem, das die armen von den reichen Wohnvierteln trennt. In den gehobenen Vierteln zahlen Mieter häufig mehr als das Doppelte für den gleichen Wohnraum. Nebenkosten wie Strom, Wasser und Internet sind in wohlhabenden Vierteln ebenfalls teurer.

Visum

Die Beantragung eines Visums für den Ruhestand ist relativ einfach. Die Einkommensgrenze ist recht niedrig und auch die Formalitäten sind einfach. Wer eine regelmäßige Rente aus dem Ausland bezieht, kann das “Pensionado Visum” beantragen. Schon ab einer monatlichen Rentenhöhe von ca. 750 Euro, das Dreifache des kolumbianischen Mindestlohnes, qualifizieren Sie sich für das Pensionado Visum. Dem Antrag muss ein offizieller Nachweis über das Einkommen (z. B. Rentenbescheid) beigefügt werden. Medizinische Fragen zum Gesundheitszustand werden nicht gestellt. Das Visum ist drei Jahre lang gültig.

Innerhalb von 15 Tagen nach der Einreise müssen Sie sich am neuen kolumbianischen Wohnort registrieren lassen. Innerhalb einer Woche wird dann der kolumbianische Personalausweis („Cédula de Extranjería“) ausgestellt. Mit diesem ist dann auch die Anmeldung bei der Krankenversicherung möglich.

Krankenversicherung

Zwischen Deutschland und Kolumbien besteht kein Sozialversicherungsabkommen. Entsprechend ist eine anderweitige Absicherung bei Langzeitaufenthalten in Kolumbien sinnvoll.

Kolumbien bietet im internationalen Vergleich ein ordentliches Gesundheitssystem. Das kolumbianische Gesundheitssystem liegt in einem jährlichen Ranking auf Platz 25 von 166 Ländern ein, gleichauf mit Ländern wie Großbritannien und Kanada und weit vor den USA. Deutschland liegt in dem Ranking auf Platz 14, die Schweiz auf Platz 11 und Österreich auf Platz 19. Einige der besten Krankenhäuser in Lateinamerika befinden sich in Kolumbien.

Ausländer können sich bei der staatlichen Krankenversicherung Entidades Promotoras de Salud (EPS) anmelden, sobald sie im Besitz des kolumbianischen Personalausweises („Cédula de Extranjería“) sind. Die monatlichen Kosten für die staatliche Krankenversicherung belaufen sich auf 50 bis 100 Euro, je nach finanzieller Situation. Auch etwaige Zuzahlungen für Labor- und Facharztuntersuchungen sind ans Einkommen gekoppelt.

Alternativ ist auch der Abschluss einer privaten Krankenversicherung möglich. Wer seinen Arzt / Facharzt frei wählen möchte, muss sich nämlich privat versichern. Hier können die Prämien je nach Anbieter und Vorerkrankungen variieren. Privatversicherte haben direkten / schnellen Zugang zu Fachärzten, ohne zunächst den Hausarzt konsultieren zu müssen.

Sprache

Spanisch ist die Landessprache in Kolumbien. Um sich im Alltag oder im Umgang mit Behörden in Kolumbien zurechtzufinden, müssen Sie grundlegende Spanischkenntnisse besitzen, denn Englischkenntnisse sind nicht weit verbreitet. Fast überall auf der Straße, egal ob im Umgang mit Verkäufern, Taxifahrern oder Friseuren werden Sie sich auf Spanisch unterhalten müssen. Lediglich in höher qualifizierten Berufsfeldern und Dienstleistern, beispielsweise im Umgang mit Ärzten oder Rechtsanwälten, werden Sie sich auf Englisch verständigen können.

Kriminalität

Viele Menschen haben eine falsche und überholte Vorstellung von Kolumbien. Die dunklen Tage von Kolumbien waren in den 80er und 90er-Jahren, als Pablo Escobar und diverse Drogenkartelle das Land terrorisierten. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Bogota und Medellín, die beiden größten Städte des Landes, sind heutzutage sicherer als zahlreiche Großstädte in den USA. Wie in jedem Land der Welt gibt es aber auch in Kolumbien Kriminalität. Dabei handelt es sich jedoch meist um Gelegenheitsverbrechen wie Taschendiebstahl oder der Diebstahl von Wertgegenständen (Handys, Rucksäcke, Handtaschen), die unbeobachtet sind. Daher gelten die üblichen Vorsichtsmaßnahmen: Verzichten Sie darauf teuren Schmuck und teure Uhren in der Öffentlichkeit zu tragen. Zeigen Sie keine großen Bargeldbeträge und gehen Sie nicht spät nachts in unbeleuchteten Gegenden spazieren.

Rentenzahlung

Die Rente kann von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) auf ein Bankkonto in Kolumbien überwiesen werden. Bei einer direkten Zahlung auf ein Auslandskonto ist allerdings mit Verlusten durch Bankgebühren und Währungsumrechnungen zu rechnen, die Rentenempfänger immer selbst zu tragen haben. Die Verluste können bis zu 5 Prozent der Rentensumme betragen. Außerdem kann die Rentenzahlung verzögert eintreffen, da eine Auslandsüberweisung nach Lateinamerika bis zu einer Woche dauern kann. Wer die Rente zunächst auf ein deutsches Girokonto überweisen lässt und im Anschluss selbst auf ein Konto in Kolumbien überweist, kann ggf. Geld und Zeit sparen. Mit spezialisierten Zahlungsdienstleistern wie beispielsweise Wise lassen sich die Gebühren stark reduzieren.

über mich

Rainer Hellstern

Mein Name ist Rainer und ich bin Gründer und Autor des Auswandern Handbuchs. Seit 2008 verfasse ich hier Beiträge rund um die Themen Arbeit, Leben und Rente im Ausland. Mehr über mich.

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