Erfahrungsbericht: Auf die Kanaren reisen in Corona-Zeiten

Rainer HellsternVorbereitungKommentar verfassen

Der Strand von Puerto de la Cruz

Während sich weite Teile Europas im Corona-Lockdown befinden, sind Reisen auf die Kanarischen Inseln grundsätzlich wieder möglich. Aufgrund niedriger Infektionszahlen zählen die Inseln seit dem 24.10.20 nicht mehr zu den Risikogebieten und die Reisewarnung vom Auswärtigen Amt wurde aufgehoben. Wie es sich anfühlt auf die Kanaren zu reisen und welche Erfahrungen ich vor Ort gesammelt habe, berichte ich hier.

Hinweis (aktualisiert am 12.01.2020)

Seit dem 18.12.2020 sind die Kanaren aufgrund gestiegener Inzidenzwerte wieder auf der Risikogebietsliste des RKI / Auswärtigen Amts. Aktuelle Inzidenzwerte der einzelnen Inseln sind auf der folgenden Webseite zu finden.

Durch die Aufnahme auf die Risikoliste sind nun auch bei der Rückkehr nach Deutschland einige Dinge zu beachten.

  1. Wer sich innerhalb von 10 Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss vor der Einreise nach Deutschland online eine Einreiseanmeldung ausfüllen.
  2. Einreisende aus Risikogebieten sind grundsätzlich verpflichtet, sich für 10 Tage nach Einreise in Quarantäne zu begeben. Die Quarantäne kann frühestens nach 5 Tagen durch ein negatives Testergebnis beendet werden.
  3. Noch offen: Gesundheitsminister Spahn plant eine Testpflicht bereits vor Einreise in Deutschland. Das würde bedeuten, dass sich Reiserückkehrer bevor dem Flug / Rückreise auf den Kanaren testen lassen müssten.

Vorbereitung

Die Einreise ist allerdings nicht mehr so unkompliziert möglich wie in früheren Jahren. Zum einen muss bei der Einreise ein negativer Corona-Test vorgelegt werden, der maximal 72 Stunden alt sein darf. Daneben muss im Vorfeld online ein Einreiseformular ausgefüllt werden.

Einreiseformular

Seit dem 01.07.2020 müssen Urlauber ein Einreiseformular ausfüllen. Das Formular kann über die Website Spain Travel Health oder die kostenfreie SpTH-App maximal 48 Stunden vor der Einreise ausgefüllt werden. Hierbei müssen Daten wie „Unterkunft, Anschrift, Fluggesellschaft, Flugnummer, Sitzplatz usw..“ angegeben werden. Im Anschluss erzeugt das Formular einen QR-Code, der bei der Einreise vorgelegt werden muss.

Negativer Corona-Test

Seit dem 23.11.2020 müssen Reisende aus Risikogebieten bei der Einreise einen negativen Corona-Test vorweisen. Deutschland, Österreich und die Schweiz (Stand 03.12.2020) zählen aktuell zu den Risikogebieten. Das Spanische Gesundheitsministerium überprüft diese Einstufung alle zwei Wochen.

Zwingend handelt es sich bei dem Corona-Test um einen PCR-Test. Der etwas günstigere Antigen-Schnelltest ist für die Einreise nach Spanien nicht mehr ausreichend. Der PCR-Test kann elektronisch (z.B. auf dem Smartphone) oder ausgedruckt in Papierform vorgezeigt werden und darf nicht älter als 72 Stunden sein.

PCR-Test:

  • Digital (z.B. Smartphone) oder in Papierform
  • Erlaubte Sprachen: Englisch oder Spanisch
  • Vollständiger Name des Reisenden
  • (Reise-)Passnummer
  • Datum des Tests (maximal 72 Stunden alt)
  • Kontaktdaten des Testzentrums
  • Art des Tests (PCR-Test)
  • Negatives Testergebnis

Wer ohne einen solchen Test einreist, dem droht eine Geldstrafe von bis zu 6.000 Euro. Außerdem muss der Test umgehend nachgeholt werden

Vor der Reisebuchung sollte man entsprechend klären, wo sich in der näheren Umgebung geeignete Testzentren befinden. Bei meinem Hausarzt war beispielsweise kein Test möglich, da aufgrund der Auslastung nur Personen mit Symptomen getestet werden. Zudem ist es fraglich, ob man dort das Testergebnis inklusive der benötigten Übersetzung erhält.

Beispiel – so wird’s gemacht: Ein Testzentrum für abreisende Passagiere existiert beispielsweise am Frankfurter Flughafen. Vorab muss man sich online auf der Website des Anbieters registrieren. Der PCR-Test kostet 59 Euro. Für die zusätzliche Identitätsfeststellung, die von den spanischen Behörden verlangt wird, fallen weitere 9 Euro an. Der Reisepass muss bei der Registrierung eingescannt werden und wird dann später im Testzentrum geprüft. Für den Test am Frankfurter Flughafen benötigt man keinen Termin, sondern muss lediglich die Zahlungsbestätigung und den Reisepass zum Testzentrum mitbringen. Das Ergebnis liegt laut deren Website in 97 Prozent der Fälle innerhalb von 24 Stunden vor. Bei mir lag das Ergebnis bereits 6 Stunden nach dem Test vor. Da am Frankfurter Flughafen täglich mehrere Tausend Personen getestet werden, sollte man allerdings mit Wartezeiten rechnen (bei mir ca. 30 Minuten). Das Testergebnis kann online abgerufen werden und in mehreren Sprachen übersetzt (u.a. Englisch, Spanisch) ausgedruckt werden.

Seit dem 14.11 müssen Reisende, die älter als sechs Jahre sind, den negativen Corona-Test außerdem beim Einchecken im Hotel oder der touristischen Unterkunft (z.B. Airbnb, Ferienwohnung) vorlegen. Das kann natürlich der gleiche Test sein, wie bei der Einreise. Sofern kein Corona-Test vorliegt, ist kein Check-In in die Unterkunft möglich.

App-Radar Covid

Kanaren Urlauber sollten außerdem die App “Radar Covid” herunterladen und während des Aufenthalts aktivieren. Das ist die spanische Corona Warn-App, die ähnlich wie die deutsche funktioniert.

Links zu den App-Stores:  iOS (Apple) / Android

Anreise

Gähnende Leere herrschte beim Abflug am Samstagmorgen am Frankfurter Flughafen. Das war allerdings vorhersehbar, da die Passagierzahlen im November weiterhin ca. 80 Prozent unter dem vom Vorjahr lagen. Wegen der Corona Flaute war der Terminal 2 beispielsweise komplett geschlossen. Der Terminal 1, von dem der TUI-Flug nach Teneriffa startete, war nur zum Teil im Betrieb. Entsprechend war Gepäckabgabe und die Sicherheitskontrolle schnell absolviert und auch das generelle Abstandhalten am Flughafen unproblematisch. Erst beim Boarding bildete sich eine lange Schlage, da der Flug zu ca. 80 Prozent gefüllt war.

Im Flugzeug selbst war das Abstandhalten natürlich unmöglich. Zu Beginn war es ein ungewohntes Gefühl, wieder dicht an dicht mit anderen Fluggästen in der Economy Class zu sitzen. Schließlich haben wir uns seit mittlerweile acht Monaten ans Abstandhalten gewöhnt. Zwar waren einige Reihen im mittleren Teil komplett leer, ein Umsetzen war aber nicht erlaubt, da die Kontaktnachverfolgung bei einem etwaigen Coronafall im Nachgang ansonsten nicht möglich ist (so die Durchsage gleich zu Beginn). Der Service war eingeschränkt (nur 1 Durchgang), aber bei knapp 4,5 Stunden Flugzeit kein Problem. Natürlich herrschte während des gesamten Fluges Maskenpflicht, lediglich beim Essen durfte die Maske für einen kurzen Moment abgesetzt werden. Die Mitreisenden war gefühlt jünger als bei früheren Reisen auf die Kanaren. Personen, die altersbedingt zu den bekannten Risikogruppen zählen (+60), waren verständlicherweise kaum an Bord.

Moderne Verkehrsflugzeuge besitzen eingebaute HEPA-Filter, die die Raumluft im Flieger innerhalb von wenigen Minuten austauschen. Laut der Luftfahrtindustrie ist die Kabinenluft so steril wie in einem Operationssaal und das Reisen entsprechend unbedenklich. Doch es gibt diesbezüglich auch kritische Stimmen von Wissenschaftlern. Es gibt mittlerweile wohl Fälle, bei denen sich Personen höchstwahrscheinlich in einem Flugzeug mit Corona angesteckt haben (Link 1, Link 2).

Auf Teneriffa

Der Ausstieg in Teneriffa dauerte gefühlt ewig, da der Flieger eine Außenposition hatte und die Reihen beim Ausstieg einzeln aufgerufen wurden. Im Terminalgebäude bei der Kontrolle des Einreiseformulars trafen sich aber wieder alle Passagier. Es bildete sich eine lange Schlange und die Abstandsregeln wurden leider nicht von allen eingehalten. Ähnlich hektisch verlief es am Gepäckband, da die meisten Passagiere so schnell wie möglich das Flughafengebäude verlassen wollten. Hier gibt es sicher noch Optimierungspotenzial.

Hinweis: Die Pflicht, ein Einreiseformular auszufüllen, war wohl nicht allen Reisenden bekannt. Es war daher möglich, das Formular am Flughafen in Teneriffa händisch auszufüllen (Übergangsphase). Wie lange die Übergangsphase andauert, kann ich allerdings nicht sagen. Wer auf Nummer sichergehen möchte, sollte das Formular im Vorfeld ausfüllen.

Hinweis 2: Da ich vor dem 23.11.2020 eingereist bin, kann ich nichts zur Kontrolle des Corona-Tests am Flughafen sagen. Bei mir wurde lediglich der QR-Code vom Flughafenpersonal gescannt. Der negative Corona-Test wurde erst beim Check-In im Hotel geprüft (und davon Kopien angefertigt).

Überall Maskenpflicht

In Spanien herrscht eine strikte Maskenpflicht innerhalb von Ortschaften im Freien/ in Gebäuden. Diese gilt neben Erwachsenen auch für Kinder ab 6 Jahren. Masken müssen im Grunde immer und überall getragen werden, sobald man das Hotelzimmer verlässt. Ausnahmen gibt es nur wenige:

Keine Maske getragen werden muss beispielsweise, wenn man am Strand oder Pool liegt oder im Meer bzw. Swimmingpool badet. Selbst beim Spazierengehen am Meer ist eine Maske verpflichtend.

In Bars, Cafés und Restaurants darf die Maske abgenommen werden, sobald man am Tisch sitzt. In Restaurants gilt ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern. In einigen Restaurants musste man bei der Begrüßung die Hände desinfizieren, allerdings war das nicht einheitlich geregelt. Gemeinsam genutzte Speisekarten sind außerdem nicht mehr zulässig. Viele Restaurants bieten Speisekarten nur noch in digitaler Form an. Dafür befinden sich QR-Codes auf den Tischen, die via Smartphone die Speisekarte öffnen. Lokale schließen um Mitternacht. Diskotheken sind natürlich komplett geschlossen.

Im Freien (z.B. im Außenbereich der Gastronomie) ist das Rauchen verboten.

Individualsport wie Joggen ist ohne Maske erlaubt.

Außerhalb von Ortschaften gilt die Maskenpflicht. Auf mehrstündigen Wandertouren habe ich die Maske nicht getragen, sondern lediglich aufgesetzt, sobald ich anderen Wanderern begegnet bin.

Vulkanwanderung auf Teneriffa

Puerto de La Cruz (im Norden von Teneriffa)

Gewähltes Urlaubsziel war der Norden von Teneriffa, genauer gesagt die Stadt Puerto de La Cruz. Die bergige Region an der Nordküste von Teneriffa ist normalerweise sehr beliebt bei Touristen aus Deutschland und gilt als eine der besten Wanderregionen der Kanaren. Im November ist dort üblicherweise Hauptsaison und der Ort ist gut besucht. Coronabedingt war natürlich alles anders. Gefühlt war Nebensaison und insgesamt sehr wenig los. Über die Hälfte der Hotels, Restaurants und sonstigen touristischen Betriebe (Souvenirshops) waren komplett geschlossen. Das ist allerdings für Touristen weniger ein Problem als für die Einheimischen, die zum Großteil vom Tourismus leben. Ungefähr 80 Prozent der Wirtschaftsleitung und 40 Prozent der Beschäftigung hängen auf den Kanaren direkt oder indirekt vom Tourismus ab. Die Restaurants, die geöffnet hatten, waren dennoch in ausreichender Zahl vorhanden und fast durchweg leer (Ausnahme: Freitag/ Samstag Abend, wenn viele Einheimische unterwegs waren). Während auch in Top-Lagen auf der Promenade viel geschlossen hatte, hatten vor allem die Restaurants und Geschäfte geöffnet, die auch von den Einheimischen gerne besucht werden. Insgesamt war das Einhalten der Abstandsregeln bei den sehr wenigen Touristen im Ort sehr einfach. Das galt neben der Innenstadt auch für den Strand Playa del Castillo und das Meerwasser- Freibad Lago Martianez.

Puerto de la Cruz

Deutsche und Engländer stellen normalerweise die größten Touristengruppen auf den Kanaren. Im Ort waren kaum deutsche Urlauber, hauptsächlich deutsche Auswanderer, die das ganze Jahr über in Teneriffa leben. Engländer ebenfalls nicht, da große Reiseveranstalter wie TUI Großbritannien im November alle Reisen auf die Kanaren eingestellt hatten. Die wenigen Touristen waren mehrheitlich Spanier.

Klimatisch waren die Kanaren im November natürlich ein Traum. Es herrschten täglich angenehme Temperaturen von 25 bis 30 Grad und auch das Meer hatte mit einer Wassertemperatur von 22 Grad eine angenehme Badetemperatur. Der große Vorteil gegenüber Deutschland war, dass man den Großteil der Zeit im Freien verbringen und so der Corona Gefahr, die insbesondere in geschlossenen Räumen droht, entgehen konnte.

Da ich primär zum Wandern in der Region war und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen war, war ich sehr froh, dass der öffentliche Nahverkehr ohne Einschränkungen gefahren ist. Busfahren ist auf Teneriffa sehr komfortabel, günstig und bargeldlos mittels TenMas (Ten+) Fahrkarte möglich. Die Busse waren selten ganz voll, so dass Abstandhalten in der Regel kein Problem war. Coronabedingt können Bustickets nicht mehr beim Fahrer in bar gekauft werden. Entsprechend sollte man immer darauf achten, dass sich auf der TenMas-Karte ein ausreichendes Guthaben befindet. Die Karte lässt sich nämlich nur an den großen Busstationen (Am Schalter / Automaten) erwerben bzw. aufladen.

Fazit

Ich hatte im Vorfeld mit deutlich mehr Einschränkungen auf den Kanaren gerechnet, so dass ich insgesamt positiv überrascht wurde. Das Leben auf Teneriffa verlief “fast normal” mit Ausnahme der Maskenpflicht und den sehr wenigen Touristen. Natürlich handelt es sich nur eine Momentaufnahme vom November 2020 und die weitere Entwicklung in den kommenden Monaten ist nicht vorhersehbar. Es bleibt zu hoffen, dass der verpflichtende Corona-Test bei der Einreise hilft, die Infektionszahlen auch bei steigenden Touristenzahlen niedrig zu halten.

über mich
Rainer Hellstern

Rainer Hellstern

Wer schreibt denn hier? Mein Name ist Rainer und ich bin Gründer und Autor des Auswandern Handbuchs. Seit 2008 verfasse ich hier im Blog Beiträge rund um die Themenfelder Arbeiten, Leben und Rente im Ausland. Du findest hier Informationsmaterial zu über 50 Auswanderungzielen weltweit!

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