Leben in Irland – Sechs Fragen an Irland-Auswanderin Sandra

Rainer20.02.2014 in Interview

Irland Auswanderin Sandra

Irland ist ein beliebtes Urlaubsziel und bekannt für gastfreundliche Menschen, originelle Pubs, grüne Wiesen und leider auch sehr wechselhaftes (regenreiches) Wetter. Doch ist der Inselstaat ganz im Westen von Europa auch für Auswanderer interessant? Da ich selbst kein Irland Experte bin, habe ich die erfahrene Irland Auswanderin Sandra diesbezüglich befragt:

Hallo Sandra, bitte stell dich kurz vor.
Ich bin in Süddeutschland aufgewachsen, aber zum Studium (Sozialpädagogik) hat es mich nach Niedersachsen verschlagen. Die Semesterferien habe ich da aber meist schon vollends in Irland verbracht. 1998 bin ich dann ganz nach Irland ausgewandert. Die ersten Jahre habe ich mit meinem Mann, der zwar irische Wurzeln hat, aber in England und Wales aufgewachsen ist, in einem kleinen Küstenort gelebt, bis wir dann endlich 2005 aufs Land ziehen konnten.

2.  Was war der Grund für dich nach Irland auszuwandern?
Ganz romantisch – die Liebe! Ich habe meinen jetzigen Mann beim wwoofen ( steht für: WorldWide Opportunities on Organic Farms) kennengelernt. Aber eigentlich hat mich die weite Welt schon immer angezogen, ich bin immer viel gereist und habe schon in der Schulzeit öfters mehrere Wochen zum Austausch im Ausland verbracht. Ich konnte mir damals schon vorstellen, eventuell mal ganz im Ausland zu leben. So kam eins zum anderen. Schon bevor ich meinen Mann im Jahr 1995 getroffen habe, habe ich mich auf einer Rucksacktour in 1994 ein bisschen in Irland verliebt gehabt.

3.Was machst du beruflich in Irland?
Ich arbeite Teilzeit als Sozialpädagogin im Jugendamt, die restliche Zeit verfliegt hier bei uns auf dem Hof mit allerlei Arbeiten. Wir bearbeiten 2,5 Hektar Land, ein Großteil davon ist Weideland für die Pferde und Schafe. Außerdem bauen wir Feuerholz selbst an und haben einen Gemüse- und Obstgarten. Die Pferde helfen uns bei der Feldarbeit – pflügen, eggen, häufeln, ernten – außerdem setzen wir sie zur Waldarbeit ein. Ich gebe auch praktische Kurse über die Pferdearbeit und besuche Schulen mit Vorführungen, um Wissen und Tradition um diese alte Kunst am Leben zu halten und weiterzugeben. Wir starten momentan mit einer neuen Kutsche, die wir auf Hochzeiten und für Touristen einsetzen wollen. Außerdem habe ich eine Ausbildung als Reittherapeutin und arbeite neben all den anderen Jobs freiberuflich in diesem Gebiet. Mein Mann ist Imker und Schriftsteller und Handwerker – er hat eine kleine Schreinerei- und Metallwerkstatt bei uns in der Scheune. (Wenn ich das alles so beschreibe, frage ich mich, wie wir eigentlich noch die Zeit finden, um Youtube-Filme zu machen…???).

Die Farm in Irland

Wohnen in Irland

Arbeiten auf der Farm

Bei der Feldarbeit

Glückliche Schafe

So sehen glückliche Schafe aus

4. Ihr betreibt einen eigenen Youtube Channel unter dem Namen „Neues Irisches Tagebuch“.  Erzähl mal, was gibt’s da zu sehen?
Unseren Youtube-Kanal haben wir letzen Sommer angefangen. Eigentlich wollten wir einfach zuerst nur für uns festhalten, was uns so alles hier Freude macht, und weswegen wir hier gerne leben. Das hat sich dann so weiter entwickelt. Inzwischen bringen wir ungefähr jede Woche einen kurzen Film heraus, der eine Aktivität hier auf unserem Hof oder in der Umgebung zeigt – das kann etwas über unsere Tiere sein, oder aus dem Garten, oder etwas aus der Werkstatt meines Mannes, oder einfach ein winterlicher Strandspaziergang…

5. Themenwechsel! Irland wurde von der Finanzkrise hart getroffen. Wie schätzt du die Entwicklung ein? Ist es momentan überhaupt sinnvoll nach Irland auszuwandern?
Trotz äußerst positiver Einstellung von Seiten vieler irischer Politiker denke ich, dass Irland noch lange an den Folgen der Finanzkrise zu knabbern haben wird – wobei damit die weite Bevölkerung gemeint ist. Wir spüren die Folgen in unserem täglichen Leben – wenig Jobs für Unqualifizierte und junge Leute, viele Abgaben und Steuern, Kürzungen im sozialen Bereich. Trotzdem sollte das niemanden davon abhalten, Irland als Auswanderland in Erwägung zu ziehen. Hier gibt es unheimlich viele Möglichkeiten, ein neues Leben anzufangen. Man muss aber ein bisschen vorausplanen und erfinderisch sein, und wenn man schon eine Geschäftsidee vorher hat, ist das auch ganz gut. Wenn man hier mit einer soliden Ausbildung herkommt, hat man auch ganz gut Chancen, einen Job zu finden.

6. Welchen guten Tipp hättest du für künftige Irland Auswanderer?
Wenn’s in die Stadt geht – offen sein für die irische Mentalität und den irischen Humor, wenn’s auf’s Land geht – siehe oben, plus gute Gummistiefel und Regenzeug mitbringen, auf Schlaglöcher aufpassen, nicht auf Pünktlichkeit bestehen…aber nicht verzagen – die Sonne zeigt sich, wenn auch mal verspätet, immer wieder!

Vielen Dank für das Interview!

3 Comments on “Leben in Irland – Sechs Fragen an Irland-Auswanderin Sandra”

  1. Hallo Sandra:
    Du schreibst u.a.:

    „wenig Jobs für Unqualifizierte und junge Leute, viele Abgaben und Steuern, Kürzungen im sozialen Bereich. Trotzdem sollte das niemanden davon abhalten, Irland als Auswanderland in Erwägung zu ziehen. Hier gibt es unheimlich viele Möglichkeiten, ein neues Leben anzufangen.“

    Meine Frage lautet:
    was versteht man unter diesen Umständen (abgesehen davon, dass UNGELERNTE nirgends erwünscht sind und nur ungläubig angeschaut, werden, weil man den Status zu Opas / Uropas Zeiten nur vom Hörensagen her kennt, heute jeder mindestens eine Lehrausbildung machen muss). … was versteht man bitte dann unter: „ein neues Leben anfangen“ konkret?

    Gibt es dort Forschung, Entwicklung, gibt es dort – neben der Landwirtschaft – Bereiche, die woanders nicht sich entwickeln konnten?

    … das dort die besten Segler der Welt ihr Stelldichein geben, das mag ich mir gut vorstellen… aber sonst? Einen Steuersatz von ca. 80% (alle Belastungen zusammenaddiert) haben wir auch in Germany.

    Dankeschön

  2. Es hat viel mit einer unterschiedlichen Mentalität zu tun – man geht hier lockerer mit Regelungen um – das hat seine Nachteile (siehe Pferdefleischskandal), aber auch Vorteile, da es leichter ist, einfach eine Geschäftsidee auszuprobieren. In den letzten Jahren hat sich der Nahrungsmittelsektor, vor allem lokal angebaute Sachen, sehr entwickelt. Es gibt zahlreiche Kleinstunternehmer, die von Joghurt über Marmeladen über geräucherten Fisch bis zu Konditoreiwaren alles mögliche herstellen, mit dem Schwerpunkt auf Qualität und Nachhaltigkeit.
    Als weiterer Bereich wächst der Tourismussektor und entfernt sich immer mehr von den Standard-Busreisen u. ä. Irland wird als Wanderland und Wellnessland vermarktet.
    Wie du siehst, gibt es in diesen beschriebenen Bereichen extrem viele Möglichkeiten, sich als unternehmenslustiger Auswanderer einzubringen.
    Wenn man nicht selbständig arbeiten will, sind vor allem Leute im IT-Bereich gefragt, aber auch Ärzte und Krankenpfleger.
    Wenn ich von höheren Abgaben spreche, gehe ich von einem sehr guten Lebensstil zur Zeiten des „Celtic Tiger“ aus, als die Wirtschaft boomte – da ging es uns allen sehr gut. Der „Normalzustand“ tut uns jetzt weh, vor allem, weil wir Bürge für Fehler, die die Banken und Politiker gemacht haben, einstehen müssen. Aber im europäischen Vergleich geht es uns sicher immer noch ganz ok!

  3. Hallo ihr lieben (Halb-)Iren,

    euer Tagebuch verfolge ich mit Begeisterung und kann neue Beiträge kaum erwarten.
    So nach 10 oder 11 Urlauben in good old Eire würde mich interessieren wo ihr wohnt. Vielleicht besuche ich euch mal.
    Irland ist und bleibt meine Trauminsel. Wenn ich die Wahl hätte – nur dort hin. So ein kleines Cottage in Kerry vielleicht…
    Eine Email-Adresse habt ihr bestimmt auch 😉 Keine Sorge, es kommen keine Spams, „Würmer“ oder was weiss ich.

    Liebe Grüße nach Irland

    Ralph

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