Rente im Ausland versteuern

Rainer29.07.2015 in Rente im Ausland

In der heutigen Zeit planen immer mehr Rentner den Ruhestand im Ausland zu verbringen. Für Auswanderer im Rentenalter können allerdings aus Steuersicht einige Nachteile entstehen. Mit den wichtigsten Fragestellungen befasst sich der folgende Artikel.

Das zuständige Finanzamt

Das für die Veranlagung von deutschen Rentenempfängern im Ausland zuständige Finanzamt ist das Finanzamt Neubrandenburg. Etwaige Fragen zum Thema Rentenbesteuerung im Ausland können Sie auch per E-Mail an
das Finanzamt senden.


Finanzamt Neubrandenburg (RiA)
Postfach 110140
17041 Neubrandenburg

Telefon: +49 395 44222 – 47000
Fax: +49 395 44222 – 47100
E-Mail: ria@finanzamt-neubrandenburg.de

Nachgelagerte Besteuerung

Mit dem Alterseinkünftegesetz von 2005 wurde die sogenannte „nachgelagerte Besteuerung“ in Deutschland eingeführt. Vorsorge­aufwendungen während des aktiven Berufslebens (Gruppe 1 und 2 der folgenden Übersicht) sind seitdem von der Steuer freigestellt.

Tabelle: Vorsorgeaufwendungen sortiert nach Gruppen
Gruppe 1:
Basisversorgung
Gesetzliche Rentenversicherung, berufsständische Versorgung, Alterssicherung der Landwirte, Rürup-Rente
Gruppe 2: Zusatzversorgung Riester-Rente, betriebliche Altersvorsorge
Gruppe 3:
Kapitalanlageprodukte
Produkte, die der Altersvorsorge dienen können, aber steuerlich nicht gefördert werden (z.B. Lebensversicherung)

Dafür werden die späteren Renteneinnahmen aus diesen Vorsorge­aufwendungen besteuert, natürlich unter Berücksichtigung des steuerpflichtigen Rentenanteils und der geltenden Freibeträge. Rentner müssen überdies eine Steuerklärung abgeben, wenn die gesamten Einkünfte den jährlichen Grundfreibetrag von 8.354 Euro übersteigen.

Steuerpflichtiger Rentenanteil

Mit dem Alterseinkünftegesetz von 2005 wurde zudem die Besteuerung von Renten in Deutschland grundlegend geändert. Die Höhe der Besteuerung orientiert sich nicht mehr am Lebens­alter des Rentenberechtigten bei Renteneintritt, sondern lediglich am Jahr des Renteneintritts. 2005 lag der steuerpflichtige Renten­anteil bei 50 Prozent, auf die übrigen 50 Prozent mussten keine Steuern gezahlt werden. Seitdem steigt der steuerpflichtige Renten­anteil jährlich in 2-Prozent-Schritten bis zum Jahr 2020. Bei einem Renteneintritt im Jahr 2020 beträgt der steuerpflichtige Renten­anteil dann 80 Prozent und nur noch 20 Prozent der Rente sind steuerfrei. Ab dem Jahr 2021 wächst der Besteuerungsanteil in 1-Prozent-Schritten bis zum Jahr 2040. Folglich wird ab dem Jahr 2040 die komplette Rente vom Staat besteuert.

Tabelle: Steuerpflichtiger Rentenanteil in Abhängigkeit vom Jahr des Renteneintritts
Jahr des Rentenbeginns Steuerpflichtiger Rentenanteil in %
2005 50
jährlich +2 %
2015  70
jährlich +2 %
2020  80
jährlich +1 %
2040 100

Grundfreibetrag für Rentner in Deutschland

In Deutschland haben Rentner zudem einen Anspruch auf einen steuerfreien Grundfreibetrag. Voraussetzung ist allerdings, dass Rentenempfänger in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig sind. Als unbeschränkt einkommenssteuerpflichtig gelten Rentner, die in Deutschland ihren Wohnsitz haben oder trotz des Wegzugs einen Wohnsitz in Deutschland behalten oder sich weiterhin dauerhaft – mehr als 6 Monate im Jahr – in Deutschland aufhalten. Bei unbeschränkt einkommenssteuerpflichtigen Rentnern muss nur die Differenz, um welche die Rente den Grundfreibetrag über­steigt, versteuert werden. Für Alleinstehende beträgt dieser Grund­freibetrag jährlich 8.354 Euro und für Ehepaare 16.708 Euro (Stand 2014). Der Grundfreibetrag soll Rentnern das Existenz­minimum sichern und wird regelmäßig vom Gesetzgeber angepasst.

Tabelle: Jährlicher Grundfreibetrag für Rentner
Jahr Ledige Verheiratete
Grundfreibetrag 2015 wird vermutlich nach oben angepasst wird vermutlich nach oben angepasst
Grundfreibetrag 2014 8.354 Euro 16.708 Euro
Grundfreibetrag 2013 8.130 Euro 16.260 Euro
Grundfreibetrag 2012 8.004 Euro 16.007 Euro

Spezielle Regeln für Auslandsrentner: beschränkt Steuerpflichtig

Hat der Rentenberechtigte seinen Wohnsitz im Ausland bzw. ist weniger als 183 Tage im Jahr in Deutschland, gilt der Renten­berechtigte nur noch als beschränkt steuerpflichtig.

Beschränkt einkommenssteuerpflichtig

Beschränkt einkommensteuerpflichtig nach § 1 Absatz 4 EStG sind Personen, die in Deutschland weder einen Wohnsitz haben noch sich länger als 183 Tage in Deutschland aufhalten, jedoch bestimmte inländische Einkünfte gemäß § 49 EStG beziehen.

Quelle: Finanzamt Rente im Ausland

Die beschränkte Steuerpflicht hat jedoch aus Steuersicht mehrere Nachteile. Zum einen entfällt der dem Steuerpflichtigen zu 100 Prozent zustehende Grundfreibetrag in Höhe von 8.354 Euro. Der steuerpflichtige Anteil der Rente wird daher bereits ab dem ersten Euro voll besteuert. Weiterhin können weder Ehegattensplitting noch Sonderausgaben oder außergewöhnliche Aufwendungen (Haushaltshilfen, Krankheitskosten etc.) geltend gemacht werden. Da den meisten Rentenberechtigten im Ausland diese rechtliche Situation unbekannt ist, werden sie von den Briefen des fürs Ausland zuständigen Finanzamtes Neubrandenburg überrascht und haben dann mit hohen Steuernachzahlungen zu rechnen.

Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht

Laut Auskunft des zuständigen Finanzamts Neubrandenburg kön­nen Auslandsrentner die Nachteile der beschränkten Steuer­pflicht allerdings vermeiden, indem sie einen Antrag auf un­beschränkte Steuerpflicht stellen. Auf diese Weise kommt ihnen wieder der Grundfreibetrag zugute, so dass sie von ihren Renten insgesamt weniger zu versteuern haben. Als Voraussetzung dafür, dass die unbeschränkte Steuerpflicht vom Finanzamt gewährt wird, muss das Gesamteinkommen im Kalenderjahr mindestens zu 90 Prozent der deutschen Einkommenssteuer unterliegen. Dies gilt auch, wenn ausländische Einkünfte, wie eine zusätzliche Rente im Wohnsitzland oder aber Kapitaleinkommen, unter dem jährlichen Grundfreibetrag von 8.354 Euro liegen. Beim Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht hilft Ihnen Ihr Steuerberater oder das Finanzamt.

Doppelbesteuerungsabkommen

In einigen Ländern sind die Rentenberechtigten direkt im Wohnsitzland, das heißt im Ausland selbst, steuerpflichtig. Mit Ländern wie Spanien, Tunesien oder den USA hat Deutschland ein entsprechendes Doppelbesteuerungsabkommen getroffen. Gemäß bilateraler Vereinbarungen darf Deutschland die Rente nicht mehr besteuern, wenn der Wohnsitz ausschließlich in einem dieser Länder liegt.

  • Armenien
  • Aserbaidschan
  • Bolivien
  • Bosnien-Herzegowina
  • Ecuador
  • Estland
  • Griechenland
  • Indien
  • Iran
  • Island
  • Japan
  • Kuwait
  • Lettland
  • Litauen
  • Luxemburg
  • Mauritius
  • Moldau
  • Mongolei
  • Russische Föderation
  • Serbien
  • Slowakei
  • Spanien
  • Sri-Lanka
  • Tschechien
  • Tunesien
  • Turkmenistan
  • Venezuela

Quelle: Finanzamt Rente im Ausland

Das Finanzamt verzichtet zudem auf die Abgabe einer Einkommensteuererklärung in Deutschland, wenn der Wohnsitz ausschließlich in einem der eben genannten Länder liegt.

Darüber hinaus existieren Doppelbesteuerungsabkommen mit zahlreichen weiteren Ländern wie zum Beispiel Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, der Schweiz, Italien und den Niederlanden. Diese sehen allerdings unter­schiedliche Regelungen hinsichtlich der Besteuerung vor (z.B. Freistellungsmethode, Anrechnungsmethode, Remittance-Base-Klauseln).

Freistellungsmethode: Die im Quellenstaat (also Deutschland) bereits besteuerten Einkünfte sind im Wohnsitzstaat steuerfrei.

Anrechnungsmethode: Die im Quellenstaat gezahlten Steuern werden bei der Steuerberechnung im Wohnsitzstaat angerechnet.

Remittance-Base-Klauseln: Zudem können Doppelbesteuerungs­abkommen sogenannte „Remittance-Base-Klauseln“ enthalten. Diese haben zum Inhalt, dass eine Besteuerung sich nach den Steuergesetzen desjenigen Landes richtet, auf dessen Konto die Rente tatsächlich überwiesen worden ist. Das bedeutet, dass bei Vorliegen eines entsprechenden Doppelbesteuerungsabkommens und einer solchen darin enthaltenen Klausel sowie einer Über­weisung der Rente auf ein deutsches Konto die Steuerpflicht nach deutschem Recht zugrunde gelegt wird. In dem Fall, dass die Rente auf ein ausländisches Konto überwiesen wird, orientiert sich die Besteuerung am ausländischen Recht. Die Entscheidung in welchem Land die Rente besteuert wird, wird vom Finanzamt allerdings erst nach Einreichung der Steuererklärung im Rahmen der Veranlagung abschließend geklärt.

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5 Comments on “Rente im Ausland versteuern”

  1. Hallo,
    Ihre Aussage, bei „beantragter unbeschränkter Steuerplicht“ habe man Anspruch auf den kompletten Grundfreibetrag von 8.004 Euro, trifft für Staaten außerhalb der EU n i c h t zu.

    Wer sich z.B. in Thailand oder auf den Philippinen niederläßt befindet sich in „Ländergruppe 4“. Ihm stehen dann nur 25% des Grundfreibetrages (2001 Euro) als Abzug zu. Die anderen 6.003 Euro werden als zu versteuerndes Einkommen auf seine Einkünfte draufgerechnet.

    Freundliche Grüße
    Achim Schulz

  2. Hallo, ich habe in absehbarer Zeit Anspruch auf eine spanische Rente, denn ich habe dann 17 Jahre (vor Eintritt des Rentenalters) in Spanien versicherungspflichtig gearbeitet.
    Sobald ich Rentner bin, möchte ich wieder nach Deutschland zurückkehren.
    Frage:
    Zieht der spanische Staat mir irgendetwas von meiner Rente ab, wenn ich dann in Deutschland lebe?
    Ich habe das mal irgendwo gelesen, kann es aber nicht wiederfinden.

    Vielen Grüße
    H. J. Weber

  3. Hallo Herr Weber,

    diese Frage klären Sie am besten mit dem spanischen Finanzamt. Ob das spanische Steuerrecht Nachteile bzw. Kürzungen für seine Auslandsrentner vorsieht, kann ich leider nicht beantworten.

    Mit freundlichen Grüßen

    Rainer Hellstern

  4. Hallo

    Ich lebe in der Schweiz und möchte nächstes jahr nach Spanien auswandern.

    leider bekomme ich im netz nicht heraus, wie hoch ich meine Rente in Spanien versteuern muss. ( %) ? Die rente beträgt in Euro ca. 1600 im Monat. Besteht die möglichkeit das sie mir ein Website mailen kann, wo ich diese Informationen bekomme oder eine andere Ouelle ?.

    Vielen Dank für ihre Bemühungen in voraus.

    Freundliche Grüsse
    Hermann Grotzki

  5. Wenn Rentner mit unterschiedlichen Massen bewertet werden, es sollte in der heutigen Zeit nicht vorgeschrieben sein wo man wohnt, sondern gleich behandelt werden, das gleiche fuer Ehefrauen,Ehegattensplitting, dann verstoesst das gegen das Gesetz Gleichstellung und Diskrimierung. Zu bemerken ist das dieser Personenkreis die Kranken und Pflegeversicherung nicht mehr in Anspruch nimmt, und so dem Deutschen Staat sehr viel Geld erspart wird. Eigentlich sollte dies Belohnt werden, und nicht bestraft. Die Wertschaffende Bevoelkerung wird von der Wertverminderungs clique nur ausgepresst. Deutschland braucht eine Partei die Wertschaffende Bevoelkerug vertritt, denn so kann es nicht weitergehen, denn nach uns kommt nicht die Sintflut.

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