Krankenversicherung für Rentner im Ausland

Rainer1.10.2012 in Rente im Ausland

Krankenversicherung im Ausland

Krankenversicherung im Ausland

Wer als Rentner den Wohnort ins Ausland verlegen möchte, muss insbesondere die Auswirkungen auf die Krankenversicherung berücksichtigen. Entscheidend ist für die Krankenversicherung die Dauer des Auslandsaufenthalts (temporär vs. dauerhaft) und in welchem Zielland Sie Ihren Lebensabend verbringen möchten.

Krankenversichert bei vorübergehenden Auslandsaufenthalten

Die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung endet nicht bei vorübergehenden Auslandsaufenthalten. Bei Rentnern, die lediglich drei Monate auf den Kanaren, in Florida oder Thailand überwintern, würde die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland unverändert weiterbestehen, da der gewöhnliche Aufenthalt weiterhin in Deutschland ist.

Für gesetzlich Versicherte besteht Versicherungsschutz innerhalb der Europäischen Union und darüber hinaus in einigen Ländern mit Sozialversicherungsabkommen. Bei Arztbesuchen sollte man die europäische Versicherungskarte dabeihaben, die auf der Rückseite der hiesigen Gesundheitskarte zu finden ist. Dann kann der Arzt die Behandlung direkt mit der hiesigen Krankenversicherung abrechnen. Die europäische Versicherungskarte wird allerdings nicht von allen Ärzten akzeptiert. Gerade in den Touristengebieten Südeuropas gibt es einige Ärzte / Krankenhäuser, die nur privat abrechnen und von den Patienten zudem Vorkasse verlangen.

Außerhalb der EU bzw. den Ländern mit Sozialversicherungsabkommen haben gesetzlich Versicherte keinen Leistungsanspruch hat. Daher ist eine zusätzliche Absicherung mittels einer Langzeit-Auslandskrankenversicherung sehr sinnvoll.

Krankenversichert bei dauerhaften Auslandsaufenthalten

Krankenversichert in der EU, im EWR oder der Schweiz

Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU): Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich (England) und Zypern
Europäischer Wirtschaftsraum (EWR) & Schweiz: Norwegen, Island, Liechtenstein und Schweiz

Wer als Rentner in ein EU/EWR-Land oder in die Schweiz zieht, bleibt aufgrund eines Sozialversicherungsabkommens weiterhin Mitglied der hiesigen gesetzlichen Krankenversicherung und kann deren Leistungen am neuen Wohnort im Ausland in Anspruch nehmen. Eine zusätzliche gesetzliche Krankenversicherung am neuen Wohnort ist nicht erforderlich. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie ausschließlich eine Rente aus Deutschland erhalten und im Zielland keinen eigenen Rentenanspruch haben.

Nach dem Umzug überweisen Sie weiterhin ihre Beiträge an die Krankenkasse in Deutschland. Im Falle eines Arztbesuchs oder stationären Krankenhausaufenthalts stellt der ausländische Krankenversicherungsträger dann ihrer deutschen Krankenversicherung die Rechnung (in tatsächlicher Höhe/oder auch als Pauschale falls vereinbart).

Als Rentner im Ausland erhalten Sie allerdings nur die Leistungen die auch dort für gesetzlich Versicherte üblich sind. Welche Auswirkungen dies hat, möchte ich am Beispiel der beliebten Auswanderungsziele Frankreich, Österreich, Schweiz und Spanien genauer erläutern:

In Ländern wie der Schweiz und Frankreich ist der Eigenanteil bei Behandlungen sehr hoch. In der Schweiz zahlen Patienten jährlich bis zu 300 Schweizer Franken selbst (Grundlage). Übersteigen die Behandlungskosten diesen Betrag, zahlen Patienten bei Behandlungen 10% aus eigener Tasche dazu. Bei Arztbesuchen in Frankreich trägt der Patient in der Regel 30% der Kosten selbst.

Das Gesundheitssystem in Österreich ähnelt dem hiesigen System am meisten, so dass am wenigsten Umstellungen notwendig sind.

Das spanische Gesundheitssystem kann sowohl von Vorteil als auch von Nachteil sein. In Spanien sind die Medikamente kostenfrei, d.h. als Rentner sind Sie anders als in Deutschland von Zuzahlungen befreit. An anderer Stelle ist das spanische Gesundheitssystem allerdings von Nachteil für deutsche Rentner, da in Spanien der Zahnarztbesuch und Zahnersatz immer vom Patienten selbst bezahlt werden muss.

Vom gesetzlichen Krankenversicherungsträger am neuen Wohnort im Ausland erhalten Sie ausschließlich Sachleistungen (z.B. Medikamente, Ärztliche/zahnärztliche Behandlung). Sofern Geldleistungen wie beispielsweise Pflegegeld bewilligt wurde, erhalten Sie dies aus Deutschland.

Was passiert mit der Pflegeversicherung?
Wer als Rentner in Deutschland krankenversichert ist, ist auch weiterhin in der deutschen Pflegeversicherung versichert.

Was passiert bei einem vorübergehenden Aufenthalt in Deutschland?
Mit Ihrer deutschen Krankenversicherungskarte erhalten Sie alle in Deutschland erforderlichen Sachleistungen wie Behandlungen beim Arzt/Zahnarzt, stationäre Krankenhausaufenthalte usw.

Was muss man bei einem vorübergehenden Aufenthalt in einem anderen EU-Land beachten?
Mit der neuen europäischen Krankenversicherungskarte erhalten alle gesetzlich Krankenversicherten europaweit eine unbürokratische medizinische Behandlung. Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland müssen diese nicht extra beantragen. Diese ist nämlich bereits auf der Rückseite der Versichertenkarte aufgedruckt.

Wer aus medizinischen Gründen in ein anderes EU-Land reist (z.B. Untersuchung in einer Spezialklinik), benötigt für die Untersuchung aber die Zustimmung der deutschen Krankenkasse. Hierfür muss die deutsche Krankenversicherung eine Anspruchsbescheinigung E112 oder S2 ausstellen.

Was passiert bei der Rückwanderung nach Deutschland?
Sie planen die Rückkehr nach Deutschland? In diesem Falle, wenden Sie sich bitte an den örtlichen Krankenversicherungsträger am Wohnort. Dieser teilt der deutschen Krankenkasse mit, dass die Betreuung im Ausland endet. In Deutschland wenden Sie sich bitte an ihre hiesige Krankenkasse.

Krankenversichert in Ländern mit Sozialversicherungsabkommen

Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Israel, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Türkei und Tunesien

Möchten Sie als Rentner Ihren Wohnort in ein Land mit Sozialversicherungsabkommen verlegen, können Sie unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin bei einer deutschen Krankenversicherung versichert bleiben. Entscheidend ist ob Sie als Rentner pflichtversichert sind oder nicht. Rentner sind nämlich nur pflichtversichert, wenn Sie während der zweiten Hälfte des Berufslebens zu mindestens 90 Prozent der Zeit in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert waren.

Pflichtversicherte Rentner

  • Ihre Mitgliedschaft bei der Krankenversicherung bleibt beim Umzug nach Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien, die Türkei oder Tunesien bestehen
  • Voraussetzung: Sie beziehen nur eine Rente aus Deutschland und nicht zusätzlich im Zielland
  • Tunesien: Deutsche oder tunesische Staatsbürger, sowie Flüchtlinge und Staatenlose können weiterhin in Deutschland krankenversichert bleiben
  • Türkei: Nur deutsche oder türkische Staatsbürger kommen in den Genuss der Weiterversicherung.

Freiwillig Versicherte Rentner

  • Ihre deutsche Krankenversicherung kann nur in den Ländern Bosnien-Herzegowina, Montenegro und Serbien aufrechterhalten werden
  • Beim Umzug in die Türkei, Kroatien, Mazedonien oder Tunesien endet Ihre Mitgliedschaft bei der deutschen Krankenversicherung
  • Sie müssen sich dann im Zielland krankenversichern oder eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung (maximal 5 Jahre) / Internationale Krankenversicherung (unbegrenzt) abschließen.

Sofern Ihre Krankenversicherung bestehen bleibt, haben Sie im Krankheitsfall Anspruch auf Sachleistungen (Ärztliche Behandlungen / Krankenhausaufenthalte / Medikamente / Hilfsmittel) entsprechend der Rechtslage imZielland. Geldleistungen wie z.B. Pflegegeld sind nicht möglich.

Bei der Wohnortverlegung endet die Pflegeversicherung in Deutschland. Ggf. besteht die die Möglichkeit einer freiwilligen Pflegeversicherung, sofern Sie beabsichtigen nach Deutschland zurückzukehren. Leistungsansprüche können allerdings erst nach Ihrer Rückkehr nach Deutschland gestellt werden und nicht im neuen Zielland. Details besprechen Sie am besten mit Ihrer Pflegekasse.

Krankenversichert in Ländern ohne Sozialversicherungsabkommen

Alle übrigen Länder, zum Beispiel USA, Kanada, Australien, Neu-seeland, Thailand, Philippinen, Indonesien (Bali), Kambodscha, Dominikanische Republik, Paraguay, Costa Rica

Wird der Wohnsitz ins vertragslose Ausland verlegt, endet die gesetzliche Krankenversicherung mit dem Umzug. Gleiches gilt für die Pflegeversicherung in Deutschland.

Sozialgesetzbuch § 190 Abs. 13 Punkt 2 – Ende der Mitglied-schaft Versicherungspflichtiger
(13) Die Mitgliedschaft der in § 5 Abs. 1 Nr. 13 genannten Personen endet mit Ablauf des Vortages, an dem der Wohnsitz oder gewöhnliche Aufenthalt in einen anderen Staat verlegt wird.

Auswanderer können sich dann im Zielland privat krankenversichern (sofern möglich) oder eine langfristige Auslandskrankenversicherung abschließen.

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2 Comments on “Krankenversicherung für Rentner im Ausland”

  1. Wandern Sie nicht mit 63 Jahren in die Schweiz aus. Jeder der dort den Wohnsitz nimmt ist in der Schweizer Rentenkasse pflichtversichert. Er erhält dann mit 65 Jahren eine AHV Rente. Diese zweite kleine Rente führt zur Kündigung der Krankenkasse z.B. AOK Deutschland. Sie müssen sich dann in der Schweiz zu je 400.– Sfr. Pflichtversichern. Die Krankenkasse Deutschland wird gekündigt, der Krankenkassenzuschuss zur Rente wird ersatzlos gestrichen. Ein Teufelskreis.

  2. Bin nach Kroatien für immer zurück umgezogen. Beziehe Kroatische und Deutsche Rente.
    Wie kann ich Krankenkasse in Deutschland Kündigen und mich in Kroatien Versichern?

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