Ein Interview mit einem Auswanderer in Frankreich

Carina5.10.2009 in Interview

Hans-Dieter (38) ist Luft- und Raumfahrt-Ingenieur und lebt seit zwei Jahren in Frankreich. Er ist ein Ex-Kollege meines Mannes und war deshalb gerne bereit mir ein Interview zu geben. An dieser Stelle vielen Dank.

Kannst Du uns etwas von Dir erzählen?
Ich bin 38 Jahre alt, Single und Ingenieur von Beruf. Vor knapp zwei Jahren bin ich nach Frankreich ausgewandert. Ich lebe in einem kleinen Ort in der Nähe von Marseille. Gebürtig komme ich aus dem Schwabenländle.

Warum gerade Frankreich?
Frankreich hat mich schon immer fasziniert. Ich liebe die französische Lebensart, den Wein und die französische Küche. Schon als kleiner Junge bin ich mit meinen Eltern oft in die Provence und in die Bretagne gereist. Während meiner Zeit auf dem Gymnasium war ich jedes Jahr als Austauschschüler in Frankreich. Nach dem Abi habe ich mich hoffnungslos in eine Französin verliebt. Das war auf einem Campingplatz in Südfrankreich. Ich bin einfach dort geblieben und habe mal hier und mal da gejobbt. Die Freundschaft war nach zwei Monaten zu Ende und ich bin zurück nach Deutschland getrampt. Doch spätestens da war mir klar, dass ich irgendwann für immer in dieses wunderbare Land gehen möchte.

Wie bist Du genau nach Frankreich gekommen?
Wie ich ja bereits erwähnt habe, wollte ich unbedingt dorthin. Eigentlich hatte ich einen guten Job bei einer Stuttgarter Firma. Auch die Kollegen waren nett und das Betriebsklima erstklassig. Doch ich bin so oft es nur ging nach Frankreich gereist. Meine Freunde haben mich ständig gefragt, warum ich überhaupt noch da sei und nicht für immer nach Frankreich gehen würde? Die Frage klang plausibel und ehrlich gesagt wusste ich auch nicht wirklich, warum ich noch immer in Stuttgart war. Also begann ich die ersten Bewerbungen zu schreiben.

Wie lange hat es gedauert, bist Du einen Job in Frankreich gefunden hast?
Ich habe zwischen 2 und 5 Bewerbungen in der Woche losgeschickt. Zu Beginn bekam ich nur Absagen. Das war ganz schön frustrierend. Erst nach acht Monaten wurde ich persönlich zu einem Gespräch eingeladen. Einen Job habe ich aber nur Dank meiner Beziehungen bekommen. Ein Weingutbesitzer, den ich vom Urlaub her kannte, wusste von meinen Plänen und stellte den Kontakt zu meinem jetzigen Chef her. Ich glaube nicht, dass ich auf regulärem Weg so schnell einen Job gefunden hätte. Für Deutsche ist die Jobsuche in Frankreich sehr schwierig. Franzosen stellen halt lieber Landsleute ein.

Wie ist der Umgang mit den Franzosen?
Sprachlich gab es nie Probleme. Ich hatte Französisch als Leistungskurs und durch meine vielen Aufenthalte in Frankreich konnte ich die Sprachkenntnisse weiter ausbauen. Ich habe keinerlei Probleme mit den Franzosen. Ganz im Gegenteil. Meine Kollegen sind alle nett und hilfsbereit. Ich habe schnell Anschluss gefunden und neue Kontakte geknüpft. Es gab nie Schwierigkeiten und auch das Klischee, dass Franzosen nicht gut auf Deutsche zu sprechen sind, mag ja allgemein stimmen, aber ich persönlich kann es nicht bestätigen.

Wie siehst Du Deine Zukunft?
Ich möchte auf jeden Fall in Frankreich bleiben. Der Kontakt zu meiner Familie ist natürlich noch da. Meine Eltern kommen mich mindestens zweimal im Jahr besuchen. Dagegen ist der Kontakt zu meinen deutschen Freunden und Bekannten eingeschlafen. Ein Leben in Deutschland kann ich mir momentan nicht mehr vorstellen. Ich verdiene zwar weniger Geld als in Deutschland, aber ich bin rund um glücklich und zufriedener als früher.

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