Auswanderer sind die stille Revolution des deutschen Mittelstandes

Carina14.01.2010 in Arbeiten im Ausland

Es klingt unglaublich, aber alle vier Minuten wandert ein Deutscher aus. Das behauptet zumindest der Chefredakteur und Herausgeber des Politikmagazins „Cicero“, Wolfram Weimer. Doch damit nicht genug, der ehemalige Chefredakteur der Welt und ausgezeichnete Journalist hat noch viel mehr zu Tage gebracht.

Die Zahl der Auswanderungen hat im letzten Jahr enorm zugenommen und einen historischen Höchststand erreicht! An jedem Tag verliert Deutschland ein ganzes Dorf. Dazu passt die Meldung, die uns im Dezember erreichte: „Zahlreiche Airlines ermöglichen die kostenlose Mitnahme eines Weihnachtsbaumes“ . Mit der deutschen Fichte im Gepäck, kann man die Ankunft der Verwandten kaum noch erwarten.

Das mag ja lustig klingen, aber die Sache ist ernster als man glaubt. Laut Wolfram Weimer ist die jetzige Auswanderungswelle mit denen aus dem 19. Jahrhundert nicht mehr zu vergleichen. Wanderten damals vorwiegend weniger gebildete Personen aus, so sind es heute meist Akademiker und hochqualifizierte Fachkräfte. Laut OECD kehren in der Hauptsache Ärzte, Ingenieure, junge Wissenschaftler, Facharbeiter und Handwerker Deutschland den Rücken. Das Durchschnittsalter deutscher Auswanderer liegt bei 32 Jahren.

Als die Auswanderungswelle begann, glaubte wohl niemand daran, dass die Welle solchen Dimensionen erreichen würde. Was einst als außergewöhnlich und einzigartig galt, gehört heute zur Realität, denn in fast jeder Familie sind Auswanderer zu finden. Zudem können wir jeden Abend Auswanderungssendungen im Fernsehen beobachten. Diese Beiträge haben in der Tat die Auswanderungswilligen noch in ihrem Vorhaben gestärkt. Laut einer Allensbach-Umfrage würde sogar jeder 5. Deutsche es den Fernseh-Auswandern gerne nachtun.

Wen wundert es da noch, dass jetzt schon Migrationsforscher Alarm schlagen. Während junge Akademiker und der qualifizierte Mittelstand das Land verlssen bekommt Deutschland Zuwachs. Allerdings handelt es sich hierbei in erster Linie um Menschen ohne oder mit geringer Schul- und Ausbildung und aus europäischen Schwellenländern.

Wolfram Weimer hat auch nach Auswanderungsgründen gesucht und diese sind plausibel und in jeder Hinsicht verständlich. So schätzt zum Beispiel ein Handwerker, dass er in Australien nicht von unnötiger Bürokratie gedrängt wird, währen ein deutscher Arzt in Norwegen frei von jeder Beamtendegradierung ist. Bessere Forschungsbedingungen bringen junge Wissenschaftler in die USA und eine Hotelangestellte freut sich über viel höhere Löhne in der Schweiz. Mögen die Gründe auch noch so verschieden sein, die Tatsache, dass es ihnen im Ausland vieler besser ergeht, wird weitere Menschen zum Auswandern bewegen.

Deutschland muss mit all diesen Tatsachen leben und das fällt der einzigen Eliten sehr schwer. Die Erfahrungen trifft die Deutschen schwer. Das spüren gerade deutsche Urlauber überall auf der Welt. Das edle Hotel in Dubai hat ein deutscher Architekt entworfen und um die Einrichtung haben sich Handwerker aus Schwaben gekümmert. Das gebrochene Bein eines Skiurlaubers in Norwegen wird von einem gebürtigen Kölner behandelt. Irgendwo in Arizona serviert ein bayrischer Koch Schweinshaxe mit Knödel und der Investmentbanker in Südafrika stammt ursprünglich aus Frankfurt.

Doch seien wir doch einfach mal ehrlich: Was Menschen in Deutschland noch bevorsteht weiß doch niemand so genau. Wolfram Weimer hat es auf den Punkt gebracht: In Deutschland verdient ein junger Arzt nur noch soviel wie ein Pförtner in Abu Dhabi! Ein Koch in Zürich hat mehr Netto im Portemonnaie als eine in Deutschland lebende Facharbeiterfamilie!
Auch die Zukunftsaussichten deutscher Kinder sind traurig. Junge Mütter sind von Existenzängsten geplagt.
Da passt das Beispiel eines Kindes deutscher Auswanderer im dänischen Jütland. Der 6-jährige Deutsche spricht nach nur zwei Jahren fließend deutsch und dänisch. In der Vorschule lernt er die ersten englischen Vokabeln. Gemeinsam mit nur 11 Kindern wird er ab August in eine Ganztagsschule gehen. Disziplin hat er im Kindergarten gelernt und er spielt mit Begeisterung Geige. Beim Besuch der Großeltern in Deutschland zieht er sich von deutschen Kindern zurück. Begründung: „Die sind mir zu laut, zanken immer und sind langweilig“

Kann man diese Auswanderungswelle überhaupt noch stoppen? Jetzt sind Politiker gefordert. Was nützt es schon, wenn die Deutschen in die Ausbildung eines Arztes kräftig investieren und dieser dann sofort nach Beendigung seines Studiums abwandert? Da kann ich mich nur den Worten von Wolfram Weimer anschließen: Wir Deutsche sollten endlich aufhören über Extreme (Geldgier von Topmanagern, Mindestlöhnen und Gewalttaten ausländischer Jugendlicher) zu diskutieren. Was Deutschland braucht sind bessere Schulen, Perspektiven für Jugendliche, weniger Bürokratie, eine einfachere Steuererklärung, …………………………………………… .

Mein Schlusswort: Deutsche Auswanderer sind die stille Revolution des deutschen Mittelstandes!

2 Comments on “Auswanderer sind die stille Revolution des deutschen Mittelstandes”

  1. … und der Mittelstand muss die Auswanderung nicht einmal alleine planen, dafür gibt es inzwischen Agenturen. Die zum Beispiel http://www.australien-auswandern.net/ Praktisch was?
    Finde ich viel besser als mit dem Fernsehen auszuwandern, die sind ja mit der Kamera immer hinter den Fehlern her und erzählen Gruselgeschichten, das sind die paar tausend Euro, die man da als Honorar einstreicht, ganz bestimmt nicht wert.
    Ich gehöre zwar nicht zum Mittelstand, aber lange hält es mich hier auch nicht mehr.

  2. Leider, leider so ist es…
    Der Artikel hätte von mir sein können…- mit brennender Fede geschrieben.
    Auf mich trifft so ziemlich vieles zu, was in diesem Land heiß dikutiert wurde und wird:
    Migrationshintergrund
    Bildungsbürgertum
    Grundbesitzer
    Unter 35 Jahre
    Alleinerziehende Mutter

    Ich kämpfe und habe gekämpft gegen zahllose Vorurteile, Mißbilligungen, Neidgefälle.
    Ein Blick in das „Web.de“ Forum zeigt das Durschnittsniveau der hiesigen. Ich bin müde und nein, nicht bereit meinen Kindern Kampfgeist zu vererben, der zum Scheitern verurteilt ist. Die Deutschen haben nie begriffen, dass sie sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie mit dem Finger auf den eigenen Nachbarn zeigen.
    Ich sag nur „Neger, Neger, Schornsteinfeger“
    Da hilft am Ende nur noch den Spiegel vorzuhalten..
    Wir gehen.

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