Das Interview – Jutta ist in Belgien glücklich geworden

Carina11.08.2009 in Interview

Jutta ist 41 Jahre, Hotelkauffrau und lebt seit mehr als zehn Jahren in Belgien. Ich habe sie in einem Internet-Forum kennengelernt und sie war gerne bereit mir ein Interview zu geben und von ihrem Leben in Belgien zu erzählen.

Warum bist Du nach Belgien ausgewandert?
Ich komme gebürtig aus Schwaben und bin in der Nähe von Tübingen aufgewachsen. Meine Ausbildung habe ich in einem kleinen Hotel im Schwarzwald gemacht. Der Familienbetrieb konnte mich leider nicht übernehmen und so bin ich in die Eifel gezogen und habe dort 3 Jahre in einem Sporthotel gearbeitet. Der Besitzer verstarb jedoch und das Hotel wurde geschlossen. Seine Frau wollte sicher gehen, dass das Personal „in guten Hände“ kam und versuchte jeden von uns weiter zu vermitteln. Dank ihrer Hilfe rief mich dann ein Hotellier aus Belgien an. Ich hatte zwar immer von Spanien geträumt, aber um Berufserfahrungen zu sammeln war es ja ganz o.k. . Also begann ich meine Arbeit nur drei Wochen später in Belgien.

Wie ging es dann beruflich weiter?
Begeistert war ich zunächst nicht. Das Hotel war ziemlich heruntergekommen. Der neue Besitzer Jean-Jaques hatte es von seinen Eltern übernommen. Er wollte es mit und mit erweitern und restaurieren. Am Anfang verirrten sich nur ein paar Senioren, Angler und hin und wieder auch Monteure dorthin. Ich war ziemlich frustriert, denn so hatte ich mir meine berufliche Zukunft nicht vorgestellt. Doch mich begeisterte auch Jean-Jaques Durchhaltekraft und der ständige Wille etwas verändern zu wollen. Er übertrug mir immer neue Aufgaben und wir haben gemeinsam Konzepte erarbeitet. Dieser Freiraum bewog mich dann dazu zu bleiben. Heute manage ich das Ganze.

Wo liegt das Hotel?
Das Hotel liegt ganz in der Nähe von Eupen, eine idyllische Kleinstadt im Osten von Belgien. Auch Lüttich ist nicht weit entfernt. Bis zur deutschen Grenzen sind es knappe 50 Kilometer.

Wo lebst Du?
Ich wohne auf dem Land in einem kleinen Dorf innerhalb der deutschen Gemeinde in Ostbelgien. Mein Mann und ich haben hier ein altes Bauernhaus gekauft.

Würdest Du Dich als Auswanderin bezeichnen?
Natürlich bin ich ausgewandert! Ich lebe zwar in der deutschen Gemeinde, aber es ist und bleibt Belgien. Überall wird Deutsch gesprochen, aber durch meinen Beruf spreche ich auch fließend Französisch und sehr gut Niederländisch. Im Hotel arbeite ich mit Personal aus sieben verschiedenen Ländern zusammen. Die Welt wächst doch immer näher zusammen und ich würde mich am ehesten als Europäerin bezeichnen.

Kannst Du uns kurz das Leben in Belgien, aber umgeben von Deutschen, beschreiben?
Die Umgebung ist belgisch. Im Supermarkt wird alles in Deutsch und Französisch ausgezeichnet. Es gibt deutsche Schulen, Kindergärten und Ärzte. Es hört sich zwar alles sehr Deutsch an, aber die belgische Kultur ist auch zu spüren. Es ist schwer zu beschreiben.

Vermisst Du etwas und hast Du auch schon mal daran gedacht zurück nach Deutschland zu gehen?
Ja ich habe einmal daran gedacht Belgien zu verlassen, aber ich wäre wohl nie auf die Idee gekommen nach Deutschland zurück zu gehen. Das war als die ganze Welt auf Belgien schaute, wegen Dutroux. Es war natürlich naiv, aber zwei Opfer kamen aus einer Gemeinde ganz in der Nähe. Das hat mich ganz schön bewegt. Ob ich was vermisse? Nein, ich bin absolut glücklich und zufrieden.

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