Bildungsurlaub: Sprachreise als Auszeit vom Beruf

Rainer6.11.2013 in Sprachkurse

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Fremdsprachen- kenntnisse sind für Auswanderer enorm wichtig und erhöhen die Erfolgschancen beträchtlich! Künftige Auswanderer sollten die Vorbereitungszeit daher unbedingt nutzen und sich entsprechende Sprachkenntnisse aneignen. Eine Möglichkeit die Sprache zu lernen ist im Rahmen eines Bildungsurlaubs / Sprachreise.

Vorteile des Bildungsurlaubs

Mit einem stressigen Beruf und sonstigen familiären Verpflichtungen ist das Lernen einer neuen Sprache gar nicht so einfach. Meist bleibt nur der späte Abend und dann ist man kaum noch aufnahmebereit. Nach dem langen Arbeitstag noch einen mehrstündigen Sprachkurs zu besuchen, ist alles andere als optimal. Die Kursvorbereitung (Hausaufgaben, Vokabeln pauken) fällt mangels Zeit häufig sehr kurz aus und entsprechend bleibt auch der Lernfortschritt gering.
Eine mögliche Alternative die Fremdsprache zu lernen ist daher ein Bildungsurlaub. Im Rahmen eines Bildungsurlaubs ist beispielsweise eine Sprachreise ins Ausland möglich, bei welcher man eine Woche am Stück täglich Unterricht erhält. Zudem kann man die neue Sprache auch gleich im Alltag anwenden, was den Lernfortschritt ebenfalls erhöht. Bei Arbeitnehmern wird das Gehalt währenddessen sogar weitergezahlt und man braucht auch nicht den Feierabend oder etwaige Urlaubstage zu opfern. Das klingt doch ziemlich gut, oder? Doch die Voraussetzungen für einen Bildungsurlaub sind mitunter kompliziert und auch der Arbeitgeber muss mitspielen. Daher im Folgenden die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Bildungsurlaub:

Steht mir überhaupt Bildungsurlaub zu?

Anerkennung ist Ländersache: In fast allen Bundesländern (von Bremen bis NRW) gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub! Nur wer in Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen oder Thüringen arbeitet, hat leider keinen Anspruch. Ausschlaggebend ist immer der Arbeitsort. Für Pendler zwischen zwei Bundesländern ist also nicht der Wohnort entscheidend, sondern der Firmenstandort.

Dauer des Bildungsurlaubs: Die Dauer ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. In den meisten Bundesländern können Arbeitnehmer 5 Tage im Jahr freinehmen. In manchen Ländern ist auch das Zusammenlegen von zwei Kalenderjahren möglich, dann sind sogar zwei Wochen Bildungsurlaub am Stück möglich (Ideal für eine Sprachreise). Im Saarland muss man für jeden Tag Bildungsurlaub einen eigenen Urlaubstag zusätzlich opfern.

Nur anerkannte Kurse: Eine Landesbehörde muss den gewünschten Kurs als Bildungsurlaub anerkennen. Ob ein Kurs anerkannt ist, kann man beim jeweiligen Kursanbieter erfragen.

Intensivkurse: Häufig handelt es sich bei den anerkannten Kursen um Intensivkurse mit 6-8 Stunden Unterricht täglich / mindestens 30 Stunden wöchentlich. Wer also auf einen lockeren Ferienkurs mit Vormittagsunterricht hofft, um den restlichen Tag am Strand zu liegen, wird beim Bildungsurlaub enttäuscht.

Arbeitgeber: Zu guter Letzt muss natürlich auch der Arbeitgeber den Bildungsurlaub freigeben und dieser ist in der Regel die größte Hürde:

Wann kann der Arbeitgeber den Bildungsurlaub verweigern?

Häufig berichten Bildungsurlauber von Problemen mit dem Chef. Bildungsurlaub ist bei Arbeitgebern nicht immer beliebt. Dies liegt zum einen daran, dass ein direkter Bezug zur Firma/Arbeitsgebiet nicht zwingend notwendig ist. Wenn man einen Italienischkurs bzw. eine Sprachreise nach Italien unternimmt, die Firma aber keinerlei Geschäftsbeziehungen in das Land hat, erschließt sich für den Arbeitgeber natürlich nicht der Sinn der Weiterbildung. Auch die (bezahlte) Fehlzeit von ein bis zwei Wochen löst beim Arbeitgeber keine Begeisterung aus.

Doch trotz des fehlenden Arbeitsbezugs darf der Chef den Kurs aus inhaltlichen Gründen nicht ablehnen! Wer einen solchen Kurs ohne  Firmenbezug auswählt, kann aber schnell das Verhältnis zum Arbeitgeber gefährden.

Verweigerungsgründe können nur wichtige betriebliche Gründe sein, wobei auch dies von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt wird. Wesentliche Gründe sind beispielsweise die „Weihnachtszeit im Einzelhandel“. Außerdem darf der Bildungsurlaub nicht mit den regulären Urlaubsansprüchen anderer Mitarbeiter kollidieren.

Es ist also sinnvoll eine Weiterbildung zu wählen, von der auch das Unternehmen profitieren kann. Beliebt sind beispielsweise Sprachkurse in Business English/ Wirtschaftsenglisch. Einwände gegen einen zusätzlichen Englischkurs kann kaum ein Chef haben, schließlich werden Englisch-Kenntnisse im Job immer wichtiger. Ebenfalls beliebt sind Excel-Schulungen, EDV-Kurse, Kurse zum Projektmanagement oder beispielsweise  Rhetorikseminare.

Beim Bildungsurlaub gibt es auch Regelungen hinsichtlich Wartezeit und Meldepflicht (länderspezifisch).
Wartezeit: Anspruch auf Bildungsurlaub besteht meist erst nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit / nach der Probezeit
Meldepflicht: Mindestens sechs Wochen vor Beginn der Weiterbildung muss diese angemeldet werden.

Wer bezahlt eigentlich den Bildungsurlaub?

Ein Bildungsurlaub ist natürlich auch mit Kosten verbunden. Eine zweiwöchige Sprachreise mit Flug und Unterkunft (z.B. Australien, USA, New York, Frankreich, London, Malta etc..) kann schnell 1.000 Euro oder mehr kosten. Hier stellt sich die Frage, wer diese Kosten trägt.

Gehalt: Wie bereits erwähnt, während des Bildungsurlaubs wird das reguläre Gehalt vom Arbeitgeber weiterhin gezahlt.

Kursgebühren, Anreise etc.: Den Kurs, Unterrichtsmaterial, Anfahrt und Unterkunft zahlt der Bildungsurlauber selbst.

Steuerliche Absetzbarkeit: Die angefallenen Kosten kann der Bildungsurlauber teilweise mittels jährlicher Steuererklärung zurückholen. Bei „berufsbezogenen Kursen“ können beispielsweise Fahrt, Kursgebühren, Übernachtung und Verpflegung abgesetzt werden.

Staatliche Zuschüsse: Unter dem Begriff „Bildungsprämie“ ist auch eine Förderung vom Staat mit bis zu 500 Euro möglich. Diese Regelung hilft vornehmlich Geringverdienern / Personen die Teilzeit arbeiten. Bei Einzelpersonen darf nämlich das jährlich zu versteuernde Einkommen bei maximal 20.000 Euro liegen. Mehr Infos unter http://www.bildungspraemie.info/. Übrigens auch Selbstständige können den staatlichen Zuschuss erhalten!

Was hältst du vom Bildungsurlaub? Hast du schon mal einen Sprachkurs/ Sprachreise im Rahmen eines Bildungsurlaubs besucht? Wie sind deine Erfahrungen?

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