Auswandern nach Russland

Carina3.08.2010 in Länder

Glaubt man der UNO, dann benötigt Russland in den nächsten Jahren viele Fachkräfte aus dem Ausland. Das Land ist durchaus reizvoll und voller Kontraste. Andererseits macht es durch Korruption von sich reden. Eignet sich Russland als Einwanderungsland? Wir sind der Frage auf den Grund gegangen.

Einreisebestimmungen und Aufenthaltsgenehmigung
Trotz der sehr guten bilateralen Kontakte zwischen Deutschland und Russland besteht Visapflicht. Die Visa-Ausstellung kann eine lange Zeit in Anspruch nehmen. Es gibt verschiedene Visa-Arten. Für die Jobsuche reicht sicherlich ein Touristenvisum aus. Wer allerdings dauerhaft in Russland leben und arbeiten will, der benötigt eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Alternativ können Sie auch ein Visum für Geschäftsreisende beantragen. Dieses ist aber an zeitlich begrenzte Aufenthalte geknüpft.
Eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung muss bei der Russischen Botschaft in Berlin beantragt werden. Sie benötigen einen Reisepass, der noch mindestens drei Monate ab Ausstellung des Visums gültig sein muss und den Nachweis einer Auslandskrankenversicherung. Nicht alle Versicherungen werden anerkannt. Daher sollten Sie sich vor dem Abschluss bei der Botschaft erkundigen. Um überhaupt nach Russland einreisen zu können, benötigen Sie eine Einladung. Diese kann von Freunden, Verwandten oder vom zukünftigen Arbeitgeber stammen. Die Einladung muss immer vom russischen Innenministerium bestätigt werden. Auch ein aktueller AIDS-Test muss vorgelegt werden.
Nach Ihrer Einreise in Russland müssen Sie sich umgehend bei den Behörden anmelden.
Wer sich nur vorübergehend in Russland aufhalten will, kann ein Arbeits- oder Ausbildungsvisum beantragen. Auch diese Antragsstellung muss bei der Russischen Botschaft in Berlin getätigt werden. Hierzu müssen Sie einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz nachweisen oder sich an einer russischen Universität einschreiben. Auch diese Nachweise müssen durch das russische Innenministerium bestätigt werden. Für diese Visa-Arten gibt es gesetzlich geregelte Quoten. Diese sind vom Beruf abhängig.
Ist man mit einem russischen Staatsbürger (Staatsbürgerin) verheiratet oder hat man sich für Russland besonders verdient gemacht, so hat man die Möglichkeit auf eine visafreie Einreise und erhält ohne größeren Aufwand eine dauerhafte oder vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung.

Jobsuche in Russland
In Russland mangelt es an Fachkräften. Akademiker können hier ohne Probleme einen Job finden. Besonders gefragt sind Ingenieure. Je mehr internationale Erfahrung man vorweisen kann, desto größer ist die Chance auf einen Job. Wer über Kontakte nach Russland verfügt, sollte diese nutzen, denn viele Jobs werden über Beziehungen vergeben. Auf vielen deutschen Online-Jobbörsen kann man speziell nach Jobs in Russland suchen. Gerade in den letzten Jahren haben viele ausländische Firmen in Russland investiert und sich dort niedergelassen. Daher sind auch die Chancen auf einen Expat-Job sehr hoch. Russia-Expat-Jobs bietet ausschließlich Expat-Jobs an. Ausländische Firmen, die in Russland angesiedelt sind, schreiben offene Stellen auf Ihren Websites aus. Bei der deutsch-russischen Handelskammer können Sie erfahren, welche Firmen in Russland Niederlassungen haben.

Kreml, Moskau von pixel0908 by Flickr

Kreml, Moskau von pixel0908 by Flickr

Einkommen und Steuern
Im letzten Jahrzehnt sind die Einkünfte in Russland stetig gestiegen. Es gibt ein Existenzminimum, das mit dem deutschen Mindestlohn vergleichbar ist. Dieses Minimum liegt zwischen 3000 und 4000 Rubel. Die Höhe ist in erster Linie von der Region abhängig.
Die russischen Einkommen unterliegen enormen Schwankungen, die alle gebietsabhängig sind. Generell verdient man im Norden und im Osten mehr als in den anderen Regionen. Die höchsten Einkommen werden in den Erdgas- und Erdölgebieten Nordsibiriens und in den Metropolen Moskau und Sankt Petersburg gezahlt. Die Schwankungen im Durchschnittslohn können bis zu 25.000 Rubel betragen. Die Schwarzarbeit ist in allen Gebieten weitverbreitet und da fast alle Bürger einer „Steuerfreien Tätigkeit“ nach Feierabend nachgehen, bleibt die Schwarzarbeit meist ohne Konsequenzen.
Die Einkommenssteuer liegt bei 13% und ist der osteuropäischen Flat-Tax-Welle angepasst. Die Mehrwertsteuer liegt bei knapp 18%.

Sicherheit
In der Liste der beliebtesten Einwanderungsländer spielt Russland nur eine untergeordnete Rolle. Das liegt wohl in erster Linie an der hohen Kriminalität und an der weitverbreiteten Korruption. Bei jeder Art von behördlichen Angelegenheiten sollte man seine Beziehungen ausnutzen. Egal welche Probleme auch immer auftreten. Mit „kleinen Gastgeschenken“ lassen sich auch scheinbar unlösbare Fälle aus der Welt schaffen. Zu jeder Zeit läuft man in Russland Gefahr in die Kriminalstatistik einzugehen. Daher sollte man sich gut schützen und seine Unterkunft entsprechend absichern. Erkundigen Sie sich vor der Anmietung einer Immobilie, inwieweit man in der Gegend mit Kriminalität rechnen muss und welche Gebiete man besser meiden sollte.

Krankenversicherung
In Russland gibt es im Krankheitsfall keinerlei Absicherung. Es existiert kein funktionierendes Gesundheitssystem. Jeder Bürger ist für den eigenen Gesundheitszustand verantwortlich. Einwanderer müssen schon bei der Einreise den Abschluss einer Auslandskrankenversicherung nachweisen. Allerdings sind die Versicherungsleistungen von der Beitragshöhe abhängig. Oftmals bestehen Aufnahmebedingungen für chronisch kranke Menschen. Wer dauerhaft auf Medikamente oder ärztliche Hilfe angewiesen ist, sollte daher gründlich über eine Einwanderung nach Russland nachdenken.

Deutsche Gebiete und hohe Kosten
Die meisten Zuwanderer aus Deutschland leben in der Hauptstadt Moskau und in Sankt Petersburg. In Moskau gibt es mittlerweile sogar ganze Gebiete, die ausschließlich von Deutschen bewohnt werden. Hier gibt es einen deutschen Kindergarten und eine deutsche Schule. Gerade in diesen Gebieten sind die Mieten deutlich teurer. Wer dauerhaft in Russland leben möchte, muss generell mit hohen Lebenshaltungskosten rechnen. Die Preise für Lebensmittel liegen weit über dem deutschen Niveau und sind mit Skandinavien vergleichbar. Auch für Mieten muss man tiefer in die Tasche greifen. Die Mieten für Wohnung und Häuser mit westlichem Standard sind mindestens 60% teurer als Immobilien in der Landeskategorie. Die Mietpreise für eine Wohnung nach deutschem Standard liegen in Moskau bei mindestens 2200 Euro.

Die Sprache
In Russland sprechen nur wenige Menschen Deutsch oder Englisch. Einzige Ausnahme bilden die Russlanddeutschen und Russen mit internationalen Geschäftskontakten. Zuwanderer sollten idealerweise schon vorab Grundkenntnisse der russische Sprache erlangen, beispielsweise per Volkshochschulkurs, Fernkurs oder mit einem Tandem-Sprachpartner. Falls dies nicht möglich ist, sollte man für den Anfang einen Dolmetscher engagieren um den Alltag besser bewältigen zu können. Diese Art der Dienstleistung ist billig zu haben. Gerade in den größeren Städten existieren viele private Sprachschulen. Der Unterricht ist billig und daher sollten Einwanderer über einen Schulbesuch nachdenken. Es gibt einige Privatlehrer, die gegen geringes Entgelt zu Hause unterrichten.

Video – 37 Grad Auswandern nach Russland

7 Comments on “Auswandern nach Russland”

  1. Diese Art der Dienstleistung ist billig zu haben. Gerade in den größeren Städten existieren viele private Sprachschulen. Der Unterricht ist billig und daher sollten Einwanderer über einen Schulbesuch nachdenken. Es gibt einige Privatlehrer, die gegen geringes Entgelt zu Hause unterrichten.

    dieser artikel ist leider falsch, privatlehrer sind ueberhaupt nicht billig, 50 euro die stunde… ! moskau ist die geilste aber auch teuerste stadt der welt )

  2. und die mietpreise liegen NICHT bei 2200 euro. sondern bei 50m2 nett eingerichteter wohnung, etwas ausserhalb des rings bei 1000 euro!!!

  3. Weitere Fehler. Die Enkommen in Moskau sind weitaus hoeher als angenommen und mit deutschen Einkommen zu vergleichen. UBahnfahrer erhaelt etwa 1400 Euro !! ein Verkaeufer im Supermarkt Kontinent / die werben natuerlich auch aktiv damit wie in der Ubahn / verdient 800 Euro. Ein Billa Supermarktkassier in Oesterreich kassiert auch 800 Euro und der Ubahnfahrer in Wien startet mit weniger als 1400 netto )

  4. Kann mir jemand sagen wie das mit der Arbeitserlaubnis aussieht, am besten natürlich jemand der es schon hinter sich hat.
    Ich habe eine Russin geheiratet und gehe dahin, weil ich 3-sprachig bin und es einfacher ist für mich, weil sie kein deutsch kann.

    Nun konnte ich keine Hundertprozentigeninfos finden in Bezug auf die Arbeitserlaubnis. Meine Sachen wie Heiratsurkunde usw sind schon beim Konsul und mache mir Sorgen udn hätte gerne einen Erfahrungsbericht von jemadnem der es schon hintersich hat.

  5. Interessanter Beitrag, aber er deckt sich in einigen Passagen nicht so ganz mit meinen persönlichen Erfahrungen (seit 2008 in Novosibirsk). Der Artikel suggeriert, daß Rußland mit hoher Kriminalität zu kämpfen hat. Sicherlich gibt es in den großen Städten auch weniger vornehme Viertel, in Novosibirsk (immerhin die drittgrößte Stadt Rußlands) ist Kriminalität aber kein großes Problem und nicht annähernd vergleichbar mit Berlin oder Frankfurt. In der Stadt sind allerdings Zigeuner angesiedelt, die es mit den Gesetzen nicht immer so genau nehmen. Zwar haben diese Menschen (im Gegensatz zu landläufigen Meinungen) einen festen Wohnsitz in der Stadt, Diebstähle und Drogenhandel kommen bei ihnen aber verhältnismäßig oft vor (andere typische Delikte sind das Errichten von Gebäuden ohne behördliche Genehmigung und das Fahren von Autos ohne amtliches Kennzeichen). Das ist nicht diskriminierend oder rassistisch zu sehen, aber es gibt nun einmal unterschiedliche Mentalitäten, die sich nicht immer mit unserem Rechtsbewußtsein decken. Jedenfalls muß man hier aufpassen, insgesamt kann man sich in der Stadt aber sicher fühlen.

    Außerdem liegen die Preise für Lebensmittel nicht weit über deutschem Niveau, sondern darunter (zumindest in Novosibirsk; in Moskau findet man tatsächlich skandinavisches Niveau vor). Lediglich Import-Waren (z. B. deutsche Schokolade) sind etwas teurer als in Deutschland. Allerdings gibt es auf engstem Raum eigenartig hohe Preisunterschiede, so daß man immer vergleichen und nicht beim nächstbesten Geschäft einkaufen sollte. Auch sonst halten sich die Lebenshaltungskosten durchaus in Grenzen, im übrigen existiert ein funktionierendes Gesundheitssystem.

    Wer jedoch als Westeuropäer eine Immobilie kaufen möchte oder einen Arzt konsultieren muß, sollte tunlichst auf die Preise achten. Die können nämlich plötzlich um eine Größenordnung ansteigen, verglichen mit den Preisen, die russische Staatsbürger zu zahlen hätten. Und ja, private Taxifahrer an den Flughäfen sind auch strikt zu meiden. Andernfalls darf man mit dem hundertfachen (!) Preis rechnen, den die Fahrt mit dem Bus gekostet hätte…

    Fazit: In Rußland gibt es sicherlich einige Stolperstricke, aber wenn man sie kennt, lassen sie sich umgehen und dann läßt es sich in dem Land schon gut aushalten. Selbst bevorzuge ich allerdings Sibirien (allein schon wegen dem besseren Wetter, primär aber aus privaten Gründen). Moskau und St. Peterburg sind interessante Städte, aber die Preise dort sind jenseits von gut und böse. Leider haben sich nach dem Ende der UdSSR manche Dinge in dem Land zum schlechteren entwickelt, was ich schade finde. Andererseits muß man sagen, daß westliche Medien allzugerne ein negativ verzerrtes Bild von Rußland wiedergeben, das mit dem Alltagsleben nicht viel zu tun hat.

  6. @Matthias, dein Beitrag liegt schon etliche Zeit zurück. Aber vielleicht erreicht dich meine Frage trotzdem. Du schreibst, dass in Sibirien das Wetter besser sei. Was bedeutet das konkret?

    Wie überlebt man die Mücken im Sommer? Einerseits reizt mich Sibirien. Aber bei sämtlichen Dokus, die ich darüber sah, und die im Sommer aufgenommen wurden, juckte meine Haut schon vom bloßen zuschauen, weil die Protagonisten und Filmteam permanent in eine Mückenwolke eingehüllt waren.

  7. kann mir mal einer erklären wie es sein kann das in einem verhältnismässig armen land – einem niedriglohnlohnland mit der dünnsten besiedlung der welt das dort mieten und nahrung doppelt so teuer sind wie zb in D ?
    is ja lachhaft.. normal müsste es ja deutlich günstiger sein…

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