Mit der Familie in die Dominikanische Republik auswandern. Karibik-Auswanderer Achim im Interview:

Rainer2.05.2013 in Interview

Wer Träumt nicht von einem Leben in der Karibik? Achim aus Bocholt setzt dies nächste Woche in die Tat um und wandert mit der Familie in die Dominikanische Republik aus. Ich hatte die Gelegenheit den Auswanderer noch kurz vor der Abreise zu interviewen. Viel Spaß beim lesen!

1. Hallo Achim, bitte stell dich meinen Lesern kurz vor

Hallo, ich heiße Joachim Hessel, bin 54 Jahre alt, verheiratet, eine Tochter 12 Jahre alt. Meine Brötchen verdiene ich seit gefühlten 500 Jahren mit meinem kleinen Verlag im Bereich Printmedien. Hobbys sind Familie, Familie und Familie. Kommenden Dienstag werden wir unseren Lebensmittelpunkt in die Dominikanische Republik verlegen.
Dominikanische Republik

2. Was ist der Grund für dich in die Dominikanische Republik (bzw. an die Nordküste nach Cabrera) zu ziehen?

Ich muss dazu sagen, dass ich bereits in den 90ern sechs Jahre auf der Insel gelebt habe. Damals ging ich genau so blauäugig nach drüben, wie es die meisten Auswanderer, sei es mit oder ohne Familie, immer wieder tun. Erst fing ich an deutsche Ware zu importieren, das hätte auch funktioniert, wenn da nicht der Neid und Missgunst meiner Landsleute gewesen wäre. Zudem leben da natürlich jede Menge gescheiterte Auswanderer, die ums nackte Überleben kämpfen und denen jedes Mittel recht ist an das Geld ihrer Landsleute zu kommen. Ich habe damals alle Lehrgelder dieser Welt bezahlt, innerhalb kürzester waren Haus, Kapital und Geschäft Geschichte. Habe dann von den letzten Pesitos eine Strandbar gemietet, jetzt war auch der menschliche Abstieg vorprogrammiert. Alkohol, Chicas, körperlicher und äußerlicher Verfall.
Zu diesem Zeitpunkt machte meine jetzige Göttergattin Urlaub auf der Insel und hatte damals kurzerhand beschlossen, mich als „Souvenir“ mit nach Bocholt zu nehmen. Schon damals war auswandern für sie ein Thema, nur die Dominikanische Republik schied als Destination aus.
Ich habe mir dann in D wieder eine solide Existenz aufgebaut, Familie gegründet, Haus gekauft und Apfelbaum gepflanzt. Aber so richtig weg von der Insel war ich nie mehr, habe die unkomplizierte Lebensart sehr vermisst, die Unbeschwingtheit der Bevölkerung und die atemberaubende Natur. Unsere Besuche in meiner alten Heimat beschränkten sich auf zahlreiche Urlaube. Bis mir vor zwei Jahren dort zufällig mein alter Freund und Dominikanische Republik-Weggefährte Renato über den Weg lief, wir hatten uns 13 Jahre lang aus den Augen verloren. Renato ist Schweizer, Bauunternehmer und Visionär, lebt seit 25 Jahren mit seiner Familie glücklich und zufrieden auf der Insel. Er ist allerdings schon vor 14 Jahren nach Cabrera, weit weg vom Massentourismus gezogen. Wir haben erkannt, dass das Leben, wie es in Deutschland zelebriert wird für uns nicht wirklich lebenswert ist und wir in der glücklichen Lage sind alternative Wege einzuschlagen.

3. Was hast du beruflich auf der Insel geplant?

Geplant habe ich vor Jahren, jetzt ist schon alles in die Tat umgesetzt, das war für mich Bedingung für die Auswanderung mit Familie. Gemeinsam mit meinem alten Weggefährten Renato arbeite ich an Immobilienprojekten. Nein, nicht das übliche Häusle verkaufen, das wäre auch ziemlich sinnlos, es gibt dort mehr Makler als Arbeiter in den Zuckerrohrfeldern. In Zusammenarbeit mit Investoren erstellen wir zur Zeit: Zahnklinik, Reha-Zentrum, Betreutes Wohnen, Shopping Mall, Urbanisation „Atlantis“, Hafenprojekt.
Nachhaltiges Bauen und Wohnen steht zudem auf unserer Fahne. Das Einbeziehen alternativer Energien macht gerade in der Dominikanische Republik Sinn und dort gibt es diesbezüglich nicht diesen Behördenwust. Solar-, Wind- und Wasserkraftwerke, auch die kleinen für den Hausgebrauch sind dort jederzeit möglich. Wir sind also Anlaufstelle für Investoren, aber auch der interessierte Häuslebauer kann sich bei uns seine individuelle Immobilie planen und bauen lassen.

4. Wie schwierig waren die bürokratischen Hürden für die Einwanderung in deinem Fall?

Man sollte eigentlich meinen, dass es in einem äußerst korrupten Land keine bürokratischen Hürden gibt und das war auch über viele Jahre hinweg so. Nach dem Präsidentenwechsel sind seit vergangenem Herbst die Bestimmungen für die Erlangung der Aufenthaltserlaubnis massiv verschärft worden. So muss man den Antrag dafür jetzt schon im dominikanischen Konsulat in Deutschland stellen. Unzählige Dokumente werden von dort angefordert: Geburtsurkunden, Heiratsurkunde, Meldebescheinigungen, Solvenzbescheinigungen, Gesundheitszeugnisse, Begründung für den Umzug, usw…..alles übersetzt und beglaubigt. Dann bekommt man irgendwann ein Stück Papier, das einen berechtigt in der Dominikanische Republik einen Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung zu stellen. Kurz: Man kann dort nicht mehr aus dem Flieger springen und nach Staatsbürgerschaft schreien.

5. Du wanderst mit Familie (Frau und Kind) in die Dominikanische Republik aus. Wie schwer ist es dort eine adäquate Schule zu finden?

Zunächst einmal, was ist adäquat? Nach unserem deutschen Verständnis wird sich keine Schule finden lassen, es gibt zahlreiche internationale Schulen, einige davon mit sehr fragwürdigem Background. Linda möchte auch nicht ihren Namen tanzen können.
Was anderen Eltern absurd erscheinen mag, bei uns wird ja mit sechs eingeschult und dann bis zum Schulabschluss von außen zugeschaut, sind für uns die ungeahnten Möglichkeiten am schulischen Werdegang unserer Tochter mitzuwirken. Es wird wie die Zubereitung eines guten Essens werden, Linda bekommt von uns die Zutaten, kochen muss sie selbst.
Sie wird zu Anfang die dominikanische, private Schule in Cabrera besuchen, wie die meisten Kinder dort auch. Die Schule wird auch von vielen Kindern anderer Residenten besucht, US, CD, NL, A, I, E, ….alles vertreten, also auch ein internationaler Touch. Aufwachsen in diesem Umfeld bringt den Vorteil, dass man lernt nicht nur in „deutschen Bahnen“ zu denken. Nach der 8. Klasse absolviert man dort das erste Staatsexamen, für die weiterführende Schule entscheiden wir uns gemeinsam mit unserer Tochter erst dann. Es werden alle Studienfächer, viele mit in D anerkanntem Abschluss angeboten.

6. In diversen Foren klagen DomRep Auswanderer über die steigende Kriminalität/Korruption auf der Insel. Wie schätzt du die Entwicklung ein?

Die Korruption wird den Dominikanern mit in die Wiege gelegt, ist Teil deren Lebensart. Nicht nur gegenüber uns Ausländern, auch untereinander wird fleißig geschmiert. Fängt an beim Polizisten, der für ein paar Pesos beide Augen zudrückt. Mit dieser „kleinen“ Korruption kann ich sehr gut leben. Die Kriminalität ist ein Problem wie überall auf der Welt, wo extreme Armut auf Reichtum trifft. Einzig die Drogenkriminalität hat sehr zugenommen. Außerhalb der Touristenzentren und der Hauptstadt verspüre ich persönlich keine Zunahme.

7. Du betreibst eine Facebook-Seite https://www.facebook.com/GoodbyeBocholt/. Was können wir in Zukunft von deiner Seite erwarten?

Ist eigentlich ein Familienprojekt, vor nicht mal 2 Wochen entstanden. Wir haben festgestellt, dass gerade das Thema Auswandern großes Interesse findet. Wir möchten einfach Interessierten die Möglichkeit geben an unseren Aktivitäten teilzuhaben. Wir werden die nächsten Wochen/Monate dokumentieren und berichten, uns über Feedback freuen.

8. Welchen Tipp würdest du zukünftigen DomRep Auswanderern mit auf den Weg geben?

Die Dominikanische Republik ist kein klassisches Auswandererland mehr, es war nie leicht dort seinen Lebensunterhalt zu verdienen, heute ist es fast unmöglich. Im Tourismussektor nicht, weil durch den All Inclusive Tourismus so ziemlich alles in der Hand der Reiseveranstalter ist. Im handwerklichen Bereich auch nicht machbar, der dominikanische Handwerker verdient um die 300,- €, davon kann man bei weitem nicht leben, wenn man auch nur minimalen europäischen Standard beibehalten möchte. Grundsätzlich ist Vorsicht geboten, wenn man etwas tun möchte, das auch der Dominikaner bewerkstelligen kann. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, man duldet keine Mitbewerber aus dem Ausland und das kann schon mal gefährlich werden. Wer sich allerdings keine Sorgen mehr um sein Auskommen machen muss, dem kann ich nur raten: Geht es an, ihr ärgert euch später über jeden Tag, den ihr gezögert habt.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute in der Dominikanischen Republik!

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