Ratgeber Auslandsüberweisung: Dauer, Kosten und alle wichtigen Fakten

Rainer17.11.2014 in Vorbereitung

Inhaber von Girokonten sind es seit jeher gewöhnt, für Auslandsüberweisungen deutlich mehr zu bezahlen, als für Inlandsüberweisungen. Während in früheren Jahrzehnten die Preise sehr hoch waren und Überweisungen zudem lange dauerten, haben sich die Kosten dank einiger Umstellungen in der heutigen Zeit stark reduziert. Das ist zum einen auf das neue SEPA-Überweisungsverfahren innerhalb der Europäischen Union zurückzuführen und zum anderen auf innovative Angebote von neuen Zahlungsdienstleistern, welche den etablierten Banken immer mehr Konkurrenz machen (z.B. TransferWise). Alles Wissenswerte über Auslandsüberweisungen (Dauer, Kosten etc..) und welche Möglichkeiten es gibt hierbei Geld zu sparen, wird im folgenden Beitrag erklärt:


Auslandsüberweisungen innerhalb der Europäischen Union (+ EWR, Schweiz)

Seit Beginn des Jahres 2014 gilt in allen Ländern der Europäischen Union einheitlich das SEPA-Projekt. Daran nehmen, neben allen 28 EU-Mitgliedsstaaten*, zusätzlich noch die Länder des europäischen Wirtschaftsraums (EWR) Island, Liechtenstein, Norwegen sowie die Schweiz, San Marino und Monaco teil. Das englische Wort „Single Euro Payments Area“, kurz SEPA, bedeutet auf Deutsch einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrsraum. Das Ziel von SEPA ist die Schaffung eines europaweit einheitlichen Rahmens für bargeldlose Zahlungen in der Eurowährung. SEPA-Überweisungen sollen einerseits schnell und andererseits kostengünstig sein. Das bisherige Überweisungssystem wird durch das SEPA-Projekt abgelöst. Im Geschäftsverkehr müssen Überweisungen bereits seit August 2014 mit SEPA durchgeführt werden, im Privatbereich ist das ab Februar 2016 der Fall.

*EU-Länder: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich, Republik Zypern.

SEPA-Überweisung: Was sich für Bankkunden ändert?

Privatkunden bei Banken und Sparkassen merken die SEPA-Umstellung an den geänderten Kontonummern und Bankleitzahlen. Bei SEPA-Überweisungen werden statt der bisher genutzten Kontonummer mit Bankleitzahl die neuen Werte IBAN und BIC eingetragen.

  • IBAN: Der Begriff steht für das englische International Bank Account Number, zu Deutsch „Internationale Bankkonto-Nummer“.
  • BIC: BIC heißt Bank Identifier Code, also Bankidentifikations-Code.

In Deutschland hat die IBAN einheitlich 22 Stellen, in anderen Ländern kann diese bis zu 34 Stellen betragen. Die lange IBAN-Nummer hat im Vorfeld einige Kritik auf sich gezogen, da das Ausfüllen eines solchen Zahlenmonsters zum einen mühsam ist und zum anderen können sich beim Abtippen der langen IBAN  leichter Fehler einschleichen.

iban

Die IBAN beinhaltet neben der Länderkennzeichnung des Empfängerkontos sowohl die derzeitige Bankleitzahl als auch die Kontonummer. Beides ist in einer Information zusammengefasst. Die BIC entfällt nach Ablauf der zurzeit laufenden Übergangsphase, sodass dann nur noch mit der IBAN als der einzigen Bankverbindung gearbeitet wird.

Ist die IBAN des Empfängers nicht bekannt, erlauben die Banken im Online Banking auch weiterhin die Nutzung der bisherigen Kontonummer mit Bankleitzahl. Das kontoführende Kreditinstitut wandelt diese Angaben dann automatisch in SEPA um, setzt also IBAN und BIC ein. Das ist noch bis Anfang des Jahres 2016 möglich. Bis dahin muss sich auch der private Kontoinhaber an SEPA gewöhnt haben.

Wo findet man die IBAN/BIC Nummer?

Die eigene IBAN/BIC Nummer findet man üblicherweise auf den Kontoauszügen oder der EC-Karte. Es gibt aber auch Möglichkeiten diese im Internet mittels sogenannter IBAN-Rechner (Kontonummer + BLZ wird benötigt) zu berechnen.
Auf Rechnungen sollte der Zahlungsempfänger die IBAN/BIC bereits immer angeben. Im Geschäftsverkehr müssen Überweisungen bereits seit August 2014 mit SEPA durchgeführt werden.

Wie teuer ist eine SEPA-Überweisung?

Die SEPA Überweisung darf nicht mehr kosten als eine normale innerstaatliche Überweisung. Die Kosten richten sich daher nach dem Vertrag des Kontoinhabers mit seinem Kreditinstitut. Wer beispielsweise ein kostenloses Girokonto besitzt, bei dem alle Überweisungskosten bereits enthalten sind, zahlt auch beim der SEPA-Auslandsüberweisung nichts extra. Gleiches gilt, wenn beispielsweise für alle Überweisungen eine monatliche Pauschale berechnet wird. Bestenfalls ist die SEPA-Überweisung also kostenlos.

Wie lange dauert eine SEPA-Überweisung?

Überweisungen müssen innerhalb von einem Tag (genauer gesagt einem Bankarbeitstag) ausgeführt werden. Dies ist sogar durch eine europäische Zahlungsrichtlinie festgelegt. Wird am Freitag Geld überwiesen, dann muss das Geld am folgenden Montag (der nächste Bankarbeitstag) beim Empfänger eintreffen.

Sonderfall: Überweisungen in Nicht-Euro-Länder

Das SEPA-Projekt soll einen europaweit einheitlichen Rahmen für bargeldlose Zahlungen in der Eurowährung schaffen. Allerdings nehmen auch zahlreiche Nicht-Euro-Länder an dem Verfahren teil (z.B. Schweiz, Großbritannien, Norwegen etc..). Für SEPA-Überweisungen von und in diese Länder gibt es einiges zu beachten:

  • Sonderfall: Schweiz, Monaco und San Marino

Die genannten Länder sind weder Teil der EU noch der EWR. Die Länder nehmen zwar am SEPA-Verfahren teil, unterliegen jedoch nicht der entsprechenden EU-Preisverordnung. Daher können bei SEPA Überweisungen von und in die Schweiz bzw. Monaco/San Marino höhere Gebühren anfallen.

  •  Versteckte Gebühren durch Währungsumrechnungen

Für alle anderen Länder gilt, eine SEPA-Überweisung darf nicht mehr kosten als eine Inlandsüberweisung. Das gilt auch für Nicht-Euro-Länder wie Großbritannien oder Norwegen. Wird Geld in ein Nicht-Euro-Land mittels SEPA überwiesen (oder umgekehrt), können allerdings durch Währungsumrechnungen hohe (versteckte) Gebühren anfallen. Grund ist der von den Banken angewandte „bankeigene Devisenkurs“, der meist deutlich schlechter ist als der offizielle Wechselkurs.

  • Überweisungen in fremder Währung

Wenn auf einer Rechnung eine Fremdwährung wie „Schweizer Franken“ angegeben ist, können Sie nicht einfach einen Euro-Betrag überweisen. Wechselkurse sind nicht konstant und beim Empfänger kommt vermutlich ein anderer Betrag an als vereinbart. Man muss für diesen Fall eine klassische Auslandsüberweisung tätigen. Eine solche Überweisung mit einer Fremdwährung ist nicht an die EU-Preisverordnung gebunden und kann teurer sein und deutlich länger dauern! Sie können hier im Vorfeld festlegen, wer die Kosten übernehmen soll (Sender, Empfänger, geteilt).

  1. OUR steht für die Kostenübernahme durch den Überweisenden
  2. BEN für die durch den Überweisungsempfänger
  3. SHARE heißt, dass alle anfallenden Kosten zwischen Überweisendem (50%) und Empfänger (50%) geteilt werden


Tipp: Bei Überweisungen von und in Nicht-Euro-Länder können auch beim SEPA-Verfahren hohe Zusatzkosten entstehen. Eine Möglichkeit diese Kosten drastisch zu senken bietet das Unternehmen TransWise mit Sitz in London. Dank eines innovativen Zahlungskonzepts (Währungswechsel wird nur vorgetäuscht), betragen die Überweisungskosten nur etwa ein Zehntel der bei Kreditinstituten üblichen Kosten. Einen ausführlichen Testbericht zu Transferwise habe ich im Folgenden verfasst.

Überweisungen außerhalb des SEPA-Raums (weltweit)

Bei allen Überweisungen in 1) Länder die nicht an SEPA teilnehmen sowie 2) Überweisungen in fremder Währung handelt es sich um klassische Auslandsüberweisungen.

Wie lange dauern Auslandsüberweisungen?

Wie lange Auslandsüberweisungen dauern können, kann vom Zielland/ Region abhängen. Folgende Werte gelten hierfür als Orientierung:

Land / Region Überweisungsdauer
 USA / Kanada / Australien / Neuseeland 2-5 Tage*
 Süd- und Osteuropa (Nicht EU-Länder) 3 bis 15 Tage*
Südamerika, Asien und Afrika 4 bis 20 Tage*

*laut Auskunft der Haspa (größte Sparkasse Deutschlands)

Wie teuer sind Auslandsüberweisungen?

Wie teuer Auslandsüberweisungen sind, hängt ganz von den Konditionen der ausführenden Bank ab. Es gibt auch Banken bei denen beleglose Buchungen (Online Banking) günstiger sind als Überweisungen am Schalter (mit Beleg). Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der Überweisungskosten bei den größten deutschen Bankhäusern:

Bank Überweisungskosten
Sparkasse Kosten sind abhängig von der jeweiligen Sparkasse
Volksbank Kosten sind abhängig von der jeweiligen Volksbank
Postbank 1,50 Euro (ohne Beleg – Internet), 8,50 Euro (mit Beleg). Weitere Gebühren beim Zahlungsempfänger möglich.
Commerzbank Bei Überweisungen bis 250,00 Euro fallen Gebühren von 7,50 Euro an. Darüber hinaus sind es 0,15% des Überweisungsbetrags, mindestens aber 12,50 Euro.
Deutsche Bank Bei beleglosen Buchungen 0,15% des Überweisungsbetrags, mindestens aber 10,00 Euro
Comdirect Bei Überweisungen bis 250,00 Euro Gebühren von 0,15% (mindestens 7,67 Euro). Darüber hinaus 0,15% (mindestens 12,50 Euro)
DKB Bei Überweisungen bis 12.500,00 Euro Gebühren von 12,50 Euro. Darüber hinaus 1‰ (0,001 Prozent), allerdings maximal 150,00 Euro.

Bei der Auslandsüberweisung kann der Sender bestimmen wie die Kosten verteilt werden. Auf dem Vordruck für Auslandsüberweisungen wird die Kostenverteilung zwischen den Beteiligten wie folgt entschieden:

  • OUR steht für die Kostenübernahme durch den Überweisenden
  • BEN für die durch den Überweisungsempfänger
  • SHARE heißt, dass alle anfallenden Kosten hälftig geteilt werden


Tipp: Eine Möglichkeit die Überweisungskosten drastisch zu senken bietet das Unternehmen TransWise mit Sitz in London. Dank eines innovativen Zahlungskonzepts (Währungswechsel wird nur vorgetäuscht), betragen die Überweisungskosten nur etwa ein Zehntel der bei Kreditinstituten üblichen Kosten. Einen ausführlichen Testbericht zu Transferwise habe ich im Folgenden verfasst.

Meldepflicht von Auslandsüberweisungen

Überweisungen ab zwölftausendfünfhundert Euro müssen der Deutschen Bundesbank gemeldet werden; ganz unabhängig davon, ob es sich um den SEPA- oder um den Auslandszahlungsverkehr handelt. Das entsprechende Formular können die Verbraucher auf der Website der Bundesbank (www.bundesbank.de) herunterladen.

One Comment on “Ratgeber Auslandsüberweisung: Dauer, Kosten und alle wichtigen Fakten”

  1. Überweisungen sind in Paraguay in max. 3 Tagen da. Allerdings seit ein paar Jahren, muss man bei hohen Summen, die Herkunft des Geldes erklären.

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