Auslandskrankenversicherung USA: Die besten Tarife im Vergleich

Rainer19.05.2016 in Vorbereitung

Brooklyn Bridge & New York

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt bei Reisen in die USA leider keine Behandlungskosten im Krankheitsfall. Daher ist der Abschluss einer Auslands­krankenversicherung vor Reiseantritt unbedingt empfehlenswert. Aufgrund des sehr teuren Gesundheitssystems in den USA besitzen die meisten Versicherungs­gesellschaften allerdings besondere Tarife, die in der Regel mehr als das Dreifache im Vergleich zu anderen Ländern kosten. Wie teuer ein Arztbesuch in den USA werden kann, und wie man eine günstige Auslandskrankenversicherung findet, zeige ich im folgenden Artikel:

Auslandskrankenversicherung USA © Carlos Santa Maria - Fotolia.comsa

So teuer ist ein Arztbesuch in den USA © Carlos Santa Maria – Fotolia.com

So teuer ist ein Arztbesuch in den USA

Das amerikanische Gesundheitssystem hat keinen besonders guten Ruf. Ca. 15 Prozent der Bevölkerung – das sind immerhin 48 Millionen Amerikaner – sind überhaupt nicht krankenversichert. Der Grund hierfür ist naheliegend: Viele Amerikaner können sich die Krankenversicherung einfach nicht leisten. In keinem Land der Erde kosten Behandlung und Medi­ka­mente nämlich mehr als in den Vereinigten Staaten. Hier einige Beispiele, mit welchen Kosten man im Krankheitsfall zu rechnen hat:

  • Wer sich zur Behandlung in ein Krankenhaus begibt, muss mit täglichen Kosten von 2.000 bis 4.000 Euro rechnen.
  • Ein Tag auf der Intensivstation kostet bis zu 13.000 Euro.
  • Für einen einfachen Allergietest wird beim Arzt bis zu 2.500 Euro abgerechnet.
  • Eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt kostet 1.200 Euro.
  • Der Krankenrücktransport nach Deutschland kann bis zu 90.000 Euro kosten.
  • Selbst für eine einzelne im Krankenhaus verabreichte Aspirin-Tablette müssen Patienten bis zu zwei Euro bezahlen.

Wer die USA besucht und im Vorfeld keine Reisekrankenversicherung abgeschlossen hat, muss diese Kosten im Ernstfall selbst tragen.

Für die hohen Preise gibt es verschiedene Gründe. Zum einen ist das Gesundheitssystem in den USA weitgehend unreguliert und Ärzte und Kliniken können die Preise willkürlich selbst festlegen. Eine Gebührenordnung wie in Deutschland gibt es nicht. Zum anderen ist die USA bekannt für extrem hohe Entschädigungssummen bei Behandlungs- und Kunstfehlern. Entschädigungssummen, die in die Millionen US-Dollar gehen, sind in den USA keine Seltenheit. Entsprechend müssen Ärzte eine kostspielige Berufshaftpflichtversicherung abschließen.

Tarifvergleich: So teuer ist die Auslandskrankenversicherung

Aufgrund der hohen Behandlungskosten in den USA haben die meisten hiesigen Versicherungsgesellschaften spezielle Tarife für die USA aufgelegt. Während man in anderen Reiseländern für die Auslandskrankenversicherung im günstigsten Fall nur ca. 1 Euro pro Tag bezahlen muss, beginnen die Tarife für die USA häufig erst bei 3 Euro täglich (Es gibt aber Ausnahmen, wie ich im Rahmen der Recherche festgestellt habe!).

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Preisberechnung ist das Alter des Reisenden. Die eben genannten Preise sind in der Regel nur für junge Leute bis maximal 35/40 Jahren zugänglich. Mit zunehmendem Alter des Reisenden steigen die Prämien nochmal deutlich.

Im Folgenden habe ich vier Anbieter von Auslandskrankenversicherungen (ADAC, Hanse Merkur, STA Travel und TravelSecure) aufgelistet und deren Tarife miteinander verglichen (Stand Juni 2016). Um den Tarifvergleich zu ermöglichen habe ich bei den vier Anbietern online jeweils einen identischen Tarif abgefragt (Reisedauer: drei Monate / Reiseziel: inklusive USA & Kanada / Alter des Reiseteilnehmers: 20 / 35 / 67 Jahre):

TravelSecure 1 Hanse Merkur ADAC STA Travel
Tarifname AR-365 RK 365 Auslands-Krankenschutz LANGZEIT Reise-Krankenschutz
Preis pro Tag
Alter des Reisenden: 20 Jahre
ab 3,40 Euro ab 3,10 Euro ab 1,05 Euro ab 1,90 Euro
Preis pro Tag
Alter des Reisenden: 35 Jahre
ab 3,40 Euro ab 3,10 Euro ab 1,38 Euro ab 1,90 Euro
Preis pro Tag
Alter des Reisenden: 67 Jahre
ab 10,10 Euro ab 9,50 Euro ab 3,35 Euro ab 2,53 Euro
Maximale Reisedauer 1 Jahr 1 Jahr 2 Jahre 5 Jahre
Altersgrenze Keine Altersbegrenzung Keine Altersbegrenzung 65 Jahre, darüber maximal 1 Jahr Reisedauer 69 Jahre, darüber maximal 1 Jahr Reisedauer
Notfall-Service: 24-Stunden-Hotline
Medizinisch sinnvoller Rücktransport im Krankheitsfall
Selbstbehalt kein Selbstbehalt kein Selbstbehalt maximal 50 Euro kein Selbstbehalt
Erstattung bei vorzeitiger Rückreise
mit Gebühren verbunden (10% des Versicherungsbeitrags)
Stiftung Warentest Testsieger bei Stiftung Warentest (Note 1,1 – 09/13) Sehr gut bei Stiftung Warentest (Note 1,2 – 09/13) neuer Tarif – nicht getestet neuer Tarif – nicht getestet
Urlaubsreisen
Berufliche USA-Aufenthalte
Einschränkung: Nur Work & Travel

Einschränkungen für Berufssportler
Produktinfos herunterladen Produktinfo AR-365 Produktinfo RK365 Produktinfo ADAC Langzeit Produktinfo STA Travel
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[1] Online Versicherungstarif der Würzburger-Versicherungs-AG

Fazit

Mit den vorgestellten Tarifen lassen sich Kurzurlaube von wenigen Tagen aber auch Langzeitaufenthalte von 90 Tagen, 6 Monaten oder einem Jahr absichern. Das reicht beispielsweise für ein Auslandssemester, einen Au-Pair Aufenthalt, ein Praktikum oder einen Schüleraustausch in den USA. Für Rentner, die in Florida überwintern möchten, sind die Tarife ebenfalls geeignet.

Beim Anbieter Travel Secure können nur Urlaubsreisen versichert werden, so dass dieser Anbieter für Praktikanten, Studenten und sonstige berufsbedingte Reisen nicht in Frage kommt. Der ADAC hat Einschränkungen für Berufssportler. Für berufliche Reisen sind daher nur die Tarife von Hanse Merkur und STA Travel uneingeschränkt geeignet.

Die ADAC Versicherung ist preislich sehr günstig und verlangt als einziger Anbieter nicht den typischen Aufschlag für Reisen in die USA. Dennoch gibt es bei der Versicherung gleich mehrere Haken. Pro Schadensfall muss der Versicherte 50 Euro selbst bezahlen (sogenannter Selbstbehalt). Wer wegen einer kleinen Erkrankung zum Arzt geht, zahlt dann häufig selbst und die Versicherung springt erst bei größeren Beträgen ein. Außerdem ist die Versicherung unflexibel bei der „Erstattung zu viel gezahlter Prämien bei einer vorzeitigen Rückreise“. Als einzige Versicherung zahlt der ADAC nicht den vollen Restbetrag zurück, sondern nimmt eine Gebühr von 10 Prozent.

Bei den Versicherungen ohne Selbstbehalt bietet der Reiseveranstalter STA Travel mit täglichen Prämien ab 1,90 Euro das günstigste Angebot. Bei STA Travel ist es zudem möglich sehr lange USA-Aufenthalte zu versichern. Die maximale Reisedauer der Langzeit-Auslandskrankenversicherung beträgt immerhin fünf Jahre. Die alterstypischen Prämienaufschläge fallen bei STA Travel sehr moderat aus, so dass ältere Reisende (+65 Jahre) bei STA Travel sogar am wenigsten bezahlen. Wer beim Reiseveranstalter STA Travel bucht, schließt übrigens eine Auslandskrankenversicherung bei deren Versicherungspartner Allianz Global Assistance ab. Diese bietet zwar auch eigene Versicherungen unter der Marke ELVIA, doch diese sind preislich nicht so günstig.

Rechnungen unbedingt aufbewahren!

Bei ambulanten Behandlungen wird in den USA grundsätzlich Vorkasse verlangt. Entweder bezahlt man bar oder per Kreditkarte. Die Rechnungen sollte man natürlich aufbewahren und später bei der Versicherung einreichen.

Was ist mit Umsteigeverbindungen?

Reisende müssen in der Regel den teuren USA-Versicherungstarif bezahlen, selbst wenn das finale Reiseziel gar nicht in den USA liegt und dort lediglich der Flieger gewechselt wird. Das ist beispielsweise bei vielen Flugverbindungen nach Süd- und Mittelamerika der Fall, wo häufig in New York oder Atlanta ein Zwischenstopp stattfindet. Für diesen Fall bietet die Auslandskrankenversicherung von STA Travel eine besonders faire Lösung. Bei reinen Umsteigeverbindungen in den USA mit jeweils höchstens einer Übernachtung, kann bei STA Travel der deutlich günstigere Tarif „ohne USA & Kanada” gebucht werden.

One Comment on “Auslandskrankenversicherung USA: Die besten Tarife im Vergleich”

  1. Super Artikel , gut Recherchiert! Bei den Preisen kann sich auch BUPA oder Allianz World Wide Care lohnen. Fakt ist, dass es auch hier auf die Inhalte der Versicherungen ankommt. Die im Artikel genannten Behandlungskosten sind korrekt. Die aktuelle Rücktranspostrechung, die uns gerade vorliegt, beläuft sich auf 106.000€ – Learjet Paktistan-Deutschland. Kosten auf der Intensivstation mit 13TK /pro Tag sind absolut möglich, Kostentreiber sind dort die Geräte für High End Medizin.
    Also nicht ohne Auslandsreisekrankenversicherung durchstarten, wird sonst unter Umständen teuer…. und by the way.. wer sagt denn, dass man so wie in Deutschland behandlet wird? Es gibt tatsächlich Länder in denen das medizinische Personal ohne Kostenübernahmeerklärung nur das Notwendigste macht…….

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